Technik

Röntgenblick: MIT lässt Ärzte durch Wände sehen – und Autos auch?

von
Carola Franzke

Ein MIT-Projekt kann durch Wände sehen: Nicht Röntgenstrahlung, sondern Wifi-Signale machen das möglich – lassen sich so auch autonome Autos verbessern?

Vier Silhouetten von Menschen hinter einem Fenster.
Keine Fenster mehr nötig: WiFi macht es Menschen möglich, durch Wände zu sehen. Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Morozova

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie WiFi den Röntgenblick ohne Strahlung möglich macht
  • Wie Pflegepersonal oder Ärzte so durch Wände sehen können
  • Wie auch autonome Autos dadurch um die Ecke blicken könnten

Durch die Wände sehen, das klingt verdächtig nach Superman und Science-Fiction-Roman. Dabei handelt es sich tatsächlich um ein ganz aktuelles Forschungsprojekt des Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

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Eine künstliche Intelligenz wertet Funkwellen von WiFi-Quellen aus, um Bewegungsmuster zu finden – auf der anderen Seite einer Mauer oder in kompletter Dunkelheit.

Röntgenblick ohne Strahlung

Das Prinzip des Projektes namens „RF-Pose“: Die Wellen, die die Körper zurückwerfen, erlauben Rückschlüsse auf die Bewegungen. Eine animierte Darstellung der Analysen sieht aus, als würden sich Strichmännchen durch ein Zimmer bewegen, ist also nicht sehr detailreich.

Professor Dina Katabi vom CSAIL sieht aktuell Einsatzgebiete etwa in der Krankenbetreuung und Altenpflege. Die Überwachung von Patienten mit Erkrankungen, die sich im Bewegungsapparat äußern und progressiv sind, wie Muskeldystrophie, Multiple Sklerose (MS) oder Parkinson, könnte von RF-Pose profitieren.

Pflegepersonal und Ärzte können durch Wände sehen

Für die betreuenden Ärzte wäre eine langfristige, intelligente Überwachung des Krankheitsverlaufs eine wertvolle Unterstützung. Und dabei wäre sie zuverlässiger als individuelles Empfinden und Beobachten allein. Denkbar wäre auch ein Einsatz in Krankenhäusern, um die Nachtwachen zu entlasten. Die Schwestern und Pfleger müssten nicht unbedingt ein Zimmer betreten, um nachzusehen, ob ein Patient unruhig ist oder nicht. Das Pflegepersonal könnte einfach durch die Wände „sehen“.

Indem wir visuelle Daten mit künstlicher Intelligenz verbinden, um durch Wände zu sehen, können wir ein besseres szenisches Verständnis und eine smartere Umgebung schaffen, in der wir sicherer und produktiver leben können.

Mingmin Zhao, Doktorand und Leiter des Projekts

Solch eine dezente Analyse der Bewegungen könnte auch älteren Menschen dabei helfen, länger selbständig allein zu wohnen. Denn RF-Pose kann Veränderungen in den Bewegungsabläufen aufzeichnen oder bei einem Sturz Alarm schlagen.

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Auch Autos sollen so um die Ecke blicken

Sicher steckt das Projekt RF-Pose noch in den Kinderschuhen, die ersten Erfolge sehen aber sehr vielversprechend aus. Da dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis jemand auf die Idee kommt, diese Technologie für autonome Autos einzusetzen.

In immer mehr Städten gibt es – zumindest in den Innenstadtbereichen – flächendeckendes WiFi. Dazu kommen die vielen Hotspots in Büros oder Cafés. Es ist dann sicher noch ein weiter Weg, diese Funkwellen nutzbar zu machen. Aber wenn es gelingen würde, könnten autonome Autos in den Stadtzentren auch „um die Ecke“ sehen, oder Bewegungen zwischen parkenden Fahrzeugen am Straßenrand wahrnehmen, bevor die Personen, Fahrräder oder Tiere im Sichtbereich auftauchen.

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