Technik

Roboter und 3D-Drucker: Die modernste Kita Deutschlands

von Nele Justus

Haben digitale Medien im Kindergarten etwas zu suchen? Aber sicher! Eine Kita in Berlin zeigt, wie schon die Kleinsten spielerisch moderne Technik entdecken können.

Roboter und 3D-Drucker: Die modernste Kita Deutschlands
Jugend forscht: Viele Eltern halten es für wichtig, dass ihre Kinder an Technik herangeführt werden. Foto: Shutterstock / goodmoments

Das erfahren Sie gleich:

  • Eine Kita in Berlin lässt bereits kleinste Kinder an Tablets, Roboter und 3D-Drucker
  • Kinder sollen den Umgang mit digitalen Medien kennenlernen
  • Die Initiatorin glaubt: Das ganze Bildungssystem muss sich radikal ändern

Kinder lernen digitale Medien kennen

Der Blick in die Regale ist erst mal gewöhnungsbedürftig: Okay, da liegen Bauklötze, Bilderbücher und Malstifte wie in jedem Kindergarten – aber auch Tablets, Roboter und 3D-Drucker. Im Regenbogenhaus in Berlin-Pankow lernen die Kinder spielerisch den Umgang mit digitalen Medien. Das bedeutet nicht, dass sie den ganzen Tag mit dem iPad daddeln dürfen. Ganz im Gegenteil: Das Ziel der Kita ist es, dass die Kinder schon früh die digitale Welt verstehen und digitale Medien wie Werkzeuge benutzen lernen.

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Schon die Kleinsten bedienen den 3D-Drucker

Was das bedeutet? Die Kinder lernen etwa, wie das Bild in den Drucker kommt, oder wie der Computer Informationen verarbeitet. Aber auch, dass das Internet keine Wahrheitsmaschine ist, und es dort nicht den einen Menschen gibt, der die Antwort auf alle Fragen kennt. In der modernsten Kita Deutschlands können schon Vierjährige die Grundzüge des Programmierens kennenlernen, sodass kleine Roboter genau das tun, was sie wollen. Und bereits die Kleinsten erschaffen sich mit Hilfe des 3D-Druckers alles, was ihnen in den Kopf kommt.

Digitale Medien gehören in den Kindergarten.

Das Konzept ist einzigartig in Deutschland. Der Kopf dahinter ist Antje Bostelmann. Die Pädagogin ist Gründerin des Berliner Bildungsträgers Klax, der in Deutschland mehr als 30 Kitas und Krippen betreibt. Für sie ist klar: „Digitale Medien gehören in den Kindergarten, weil sie zur Lebenswelt der Kinder gehören. Die Diskussion, ob Tablet und Computer schlecht für das Kinderhirn sind, ist doch vollkommen sinnlos, weil sie nun mal ein fester Bestandteil unseres Lebens sind.“ Bostelmann glaubt: „Wir sollten Kinder nicht davon abschotten. Das ist fahrlässig. Niemand würde sein Kind in den Straßenverkehr schicken und sagen, das kriegst du schon hin. Aber beim Thema Internet tun wir häufig genau das. Da sind Unfälle vorprogrammiert.“ Deswegen plädiert Antje Bostelmann dafür, digitale Bildung als festen Bestandteil in den Kita- und Schulalltag zu integrieren, genauso wie eben die Verkehrserziehung.

Kinder fit machen für den Job von morgen

Ein Kind spielt an einem Tablet.
Apps speziell für Kinder können den Nachwuchs spielerisch an die Digitalisierung heranführen. Foto: Shutterstock / CroMary

„Man muss sich überlegen, was ein Kind lernen muss, damit es in 20 Jahren erfolgreich und zufrieden leben kann. Und das in einer Welt, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, sagt die Pädagogin. Denn in 20 Jahren wird es eine Vielzahl von Berufen geben, die noch nicht mal erfunden sind, und von denen wir bestenfalls eine Ahnung haben. Neue Kompetenzen rücken dabei immer mehr in den Vordergrund.

Der Job der Zukunft erfordert kritisches Denken, aber auch soziale Intelligenz.

Zukunftsforscher der University of Phoenix haben bereits vor einigen Jahren die Future Work Skills definiert, die Erfolgsfaktoren für den Job der Zukunft. Kritisches Denken zählt dazu, aber auch soziale Intelligenz, Kreativität, die Fähigkeit auf unerwartete Situationen zu reagieren. Es wird darum gehen, dass man aus einer Menge von Daten die wichtigen extrahieren kann und selber zu Lösungen kommt.

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Die Umgestaltung fängt in der Kita an

Unser ganzes Bildungssystem wird sich umstellen müssen, da ist sich Bostelmann sicher. Das fängt in der Kita an und geht an Schulen und Universitäten weiter. Im Klassenzimmer der Zukunft wird es darum gehen, die Antworten auf Fragen selber zu produzieren und mit anderen zu diskutieren. „Die Zeit, dass da einer vorne steht und mir etwas erklärt, ist doch eigentlich vorbei. Ich brauche beispielsweise keine vier Stunden Mathematik bei einem Lehrer, der mit etwas über den Satz des Pythagoras erzählt. Viel wichtiger ist doch die Möglichkeit, herauszufinden, wofür dieser Satz steht und das selber auszuprobieren. Also Dächer zu konstruieren und am 3D-Drucker auszudrucken, um dann zu sehen, passen die irgendwo drauf?“

Im Vergleich liegt Deutschland zurück

Die Niederlande, Skandinavien und Großbritannien sind schon ein ganzes Stück weiter, was das Thema Medienkompetenz an Schulen angeht. Aber Deutschland wird nachziehen. „Bereits jetzt machen sich erste Kitas auf den Weg“, sagt Antje Bostelmann. Es sei eben alles eine Frage der Zeit. Veränderung ist ein langsamer Prozess. Man muss ihn nur angehen. Schritt für Schritt.

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