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Roboter erobern in Zukunft auch entlegene Gebiete

von Paul Bandelin

Vor einem gelben Hintergrund ist der ausgestreckte Arm eines Roboters zu sehen.
Hand drauf: Roboter könnten nicht nur das Leben von Menschen in Industriestaaten verändern – sondern auch das in Entwicklungsländern vereinfachen. Foto: Shutterstock / Ociacia

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum ein Forscher einen Roboter nach Südindien brachte
  • Wie der Roboter einem Dorf beim Wasserholen half
  • Wie ein Roboter in Japan Wölfe vertreibt

Roboter sind nicht nur für Industriestaaten interessant: Ein Forscher hat in Südindien gezeigt, wie sie auch in Entwicklungsländern helfen können.

Warum ein Forscher einen Roboter nach Südindien brachte

Roboter bewegen sich an der Schwelle, zu einem integralen Bestandteil unserer Zukunft und der Gesellschaft zu werden. Die finanzstarken Industrieländer forschen und experimentieren ohne Unterlass, während es in den Entwicklungsländern völlig anders aussieht. Aber das ändert sich jetzt.

Dr. Amol Deshmukh von der University of Glasgow stellte im März 2018 auf der 13. International Conference on Human Robot Interaction die Ergebnisse seiner Studie vor. Sie befasste sich mit der Interaktion zwischen Menschen, die nie zuvor einen Roboter gesehen haben und eben jenen Maschinen der Zukunft. Die Studie sollte klären, wie von der Zivilisation abgeschnittene Kulturen auf Roboter mit einer sozialen Komponente reagieren.

Wie der Roboter einem Dorf beim Wasserholen half

Im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gibt es besonders in den ländlichen Gebieten arge Probleme mit der Wasserversorgung. Das für die Studie gewählte Dorf Ayyampathy besteht aus 25 Behausungen, die 100 bis 500 Meter von einer Wasserstelle entfernt sind.

Im Schnitt müssen die Frauen pro Tag 15 Kanister mit Wasser füllen und die 20 Kilogramm dann von der zentralen Stelle zurück ins Dorf befördern, was besonders im Sommer extrem anstrengend ist.

Tag für Tag gehen dafür drei Stunden ihrer Zeit verloren, die sie mit anderen Tätigkeiten füllen könnten. Zudem ist die tägliche Prozedur schlecht für die Gesundheit der Frauen.

Die Studie lief in vier Schritten ab. Zuerst beluden die elf aus dem Dorf stammenden Teilnehmer den Roboter, einen vierrädrigen Clearpath Robotics Husky, mit drei gefüllten Kanistern und zeigten dem via Bluetooth gesteuerten Roboter dann den Weg zu ihrer Behausung.

Ein Roboter der Marke Clearpath Robotics fährt über eine Wiese mit hohem Bewuchs.
Der Husky von Clearpath Robotics kann 75 Kilo tragen und fährt (oder besser rollt) mit einer Geschwindigkeit von rund 3,5 km/h. Foto: Clearpath Robotics Inc.

Dort entluden sie die Kanister und füllten das Wasser in Krüge. Zum Abschluss wies der Roboter sie noch darauf hin, dass es empfehlenswert sei, sich die Hände zu waschen.

Nach Ablauf des Tages interviewten die Doktoranden die Teilnehmer. Dabei kam zutage, dass, obwohl der Roboter mit einer männlichen Stimme ausgestattet war, ihm 40 Prozent ein weibliches Geschlecht zusprachen.

Das liegt laut Dr. Deshmukh am omnipräsenten kulturellen Einfluss, der den Einwohnern klarmacht, dass Wasser holen eine Aufgabe für Frauen ist. Darüber hinaus zeigten sich die Dorfbewohner begeistert von der technischen Unterstützung – und wie sehr diese ihr Leben vereinfacht hat.

Wie ein Roboter in Japan Wölfe vertreibt

Die japanische Chiba-Präfektur nahe Tokio experimentiert ebenfalls mit einem Roboter. Die letzten acht Monate hat ein vollautomatisiertes Vogelscheuchen-Äquivalent in Form eines Wolfs die Ernten der dort ansässigen Bauern bewacht. Der Roboter mit dem Namen „Super Monster Wolf“ wurde entwickelt, um Rotwild und Wildschweine von den Farmen fernzuhalten.

Das gelang mit durchschlagendem Erfolg – der mechanische Wolf schreckte sämtliches Wild ab und geht nun in die Massenproduktion. Trotz des stark eingeschränkten Bewegungsradius‘ von nur einem Kilometer ist er weitaus effektiver als die zuvor getesteten elektrischen Zäune. Für umgerechnet 3900 Euro können die Bauern den Roboter-Wolf bestellen.

Wie wichtig Roboter in der Industrie werden

Mittlerweile wird die Industrie der reichen Länder immer mehr von Robotern dominiert. Laut der Unternehmensberatung McKinsey könnten Roboter bis 2030 weltweit rund 400 Millionen Vollzeitstellen übernehmen und dabei Menschen ersetzen: Kreative Berufe sind dabei eher nicht gefährdet, aber viele Stellen im Dienstleistungsbereich und körperlich anstrengende Arbeiten können durch Roboter ausgeführt werden.

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