Leben

Restless Legs: Wenn das Autofahren zur Qual wird

von Gertrud Teusen

Für vom Restless Legs Syndrom (RLS) betroffene Patienten sind lange Reisen eine Qual, besonders im Auto. Wir sagen, was die Auslöser und Lösungen sind.

Über die linke Schulter fotografiert sind die Konturen eines Autofahrers zu erkennen.
Gerade bei langen Autofahren oder Flugreisen leider viele Menschen unter dem Restless Legs Syndrom. Foto: Shutterstock / Drew300

Das erfahren Sie gleich:

  • Was sich hinter dem Restless Legs Syndrom verbirgt
  • Was die Auslöser und Ursachen von RLS sind
  • Welche Therapien den RLS-Betroffenen helfen

Es ist ein relativ weit-verbreitetes Phänomen: Nach langem Verharren in einer beengten Sitzposition beispielsweise im Auto schlafen einem die Beine ein. Es beginnt mit einem Jucken; manche haben das Gefühl, Ameisen liefen über ihre Beine, andere sprechen von Nadelstichen, die einen sofortigen Positionswechsel fordern. Manchmal steckt das sogenannte Restless Legs Syndrom dahinter.

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Das Restless Legs Syndrom (RLS) macht sich durch quälende Unruhe bemerkbar, manchmal sind auch die Arme betroffen. RLS-Patienten berichten, dass gerade lange Autofahrten oder Langstreckenflüge der auslösende Moment waren. Auch Schwangere tragen ein erhöhtes Risiko.

Die Symptome kennen viele Menschen, doch nur bei jeden Zehnten wird daraus ein Dauerzustand mit der Diagnose „Restless Legs Syndrom“ (RLS). Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Nervensystems, bei dem Bewegungsunruhe und Missempfindungen in den Beinen die typischen Beschwerden sind.

Die Symptome treten überwiegend am Abend und in der Nacht auf und lassen sich nur durch ausgiebige Bewegung lindern. Einer schlaflosen Nacht folgt ein unausgeschlafener Tag mit Konzentrationsproblemen und Kopfschmerzen.

Kommen diese Zustände nur ab und zu vor, so vergisst man sie schnell wieder, aber für manche Menschen wird RLS zum Dauerzustand und die unruhigen Beine schmerzen permanent. Das bewirkt eine starke Beeinträchtigung des Lebens.

Ein Mädchen schläft unter einem weißen Bettlaken
RLS ist nicht etwa nur ein Problem von älteren Patienten. Auch bei jüngeren Menschen ist es verbreitet. Foto: Shutterstock / Elena Rostunova

Restless Legs Syndrom: Auslöser und Ursachen

Ameisenlaufen, Unruhe, Schmerzen - das Restless Legs Syndrom kennt viele Ursachen:

  • als Begleitsyndrom anderer Grunderkrankungen wie Diabetes, Eisen- oder Magnesiummangel
  • eine Nebenwirkung von Medikamenten wie Antidepressiva oder Neuroleptika
  • in der Folge von Gelenk-, Muskel- und Gefäßerkrankungen

Die Neigung, ein RLS-Syndrom zu entwickeln, ist erblich bedingt, ist also eine genetische Veranlagung. Betroffene haben deshalb meist lebenslang Probleme mit der Störung. Das aber heißt nicht, dass sie permanent Missempfindungen in den Beinen (manchmal auch in den Armen) haben.

Oft treten die Symptome nur phasenweise auf. Manche Menschen erleben sie nur wenige Male in ihrem Leben zum Beispiel während eines Langstreckenflugs oder einer besonders ausgedehnten Autofahrt. Andere haben Zeiten mit mehr oder weniger starken Beschwerden.

So können die Beine über Wochen und Monate ruhelos werden, die Missempfindungen sich danach aber quasi wieder spontan zurückbilden und beschwerdefreie Monate und Jahre folgen.

Restless Legs Syndrom und Autofahren

Beim Restless Legs Syndrom fordert der Körper (angespornt durch das gestörte Nervensystem) von den Betroffenen ununterbrochene Mobilität. Anders als andere Menschen sind RLS-Patienten ständig auf dem Sprung.

Aufstehen, die Beine vertreten, Liegestützen machen – fast jeder Betroffene entwickelt sein eigenes schmerzlinderndes Mobilitätsprogramm. Nur möglichst unauffällig soll es sein, damit das Umfeld so wenig wie möglich gestört wird oder irritiert zuschaut.

Aufwendige Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig, um die Diagnose zu stellen.

Privatdozent Dr. Wieland Hermann auf dem Medical Tribune Forum CME

Das Autofahren beispielsweise ist für sie nur in kleinen Etappen möglich. Dann müssen sie anhalten, aussteigen und sich bewegen, bis die Schmerzen nachlassen. Bei Zugfahrten geht das natürlich am besten, das Fliegen ist nahezu ausgeschlossen.

Da früh morgens der unangenehme Bewegungsdrang meist am besten beherrschbar ist, gehören RLS-Betroffene häufig zu den Frühaufstehern.

Ausdauer-Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren kommen dem natürlichen Bewegungsdrang von RLS-Patienten besonders entgegen. Wichtig ist allerdings, bei allem, was Restless-Legs-Patienten auch tun, sich dabei nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Die psychische Komponente der Erkrankung ist nämlich nicht zu unterschätzen.

Die Unterwasseraufnahme zeigt eine Schwimmerin im Schwimmbecken.
Ausdauersportarten befriedigen den Bewegungsdrang von RLS-Patienten. Foto: Shutterstock / Solis Images

Diagnose RLS

Doch die Beschwerden als lästig abzutun, ohne ärztlich Hilfe in Anspruch zu nehmen, wird auf die Dauer unmöglich. Nach Schätzungen werden bis zu fünf Prozent der Bevölkerung von einem Restless Legs Syndrom gequält. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten.

„Aufwendige Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig, um die Diagnose zu stellen“, erklärt Privatdozent Dr. Wieland Hermann von der Paracelsus-Klinik in Zwickau beim Medical Tribune Forum CME. Er fordert die Kollegen auf vier simple Fragen zu stellen:

  1. Spüren Sie Kribbeln, Ziehen, Jucken, Brennen oder Schmerzen in den Beinen, die mit dem Drang verbunden sind, die Beine zu bewegen?
  2. Treten die Symptome in Ruhe auf oder verstärken sie sich dann?
  3. Werden die Beschwerden durch Bewegung verbessert?
  4. Werden die Beschwerden am Abend oder nachts schlimmer?

Beantworten die Patienten alle vier Fragen mit „Ja“, gilt die Diagnose zu 80 Prozent als gesichert. Eine gute Möglichkeit, die Diagnose zu sichern, ist der L-Dopa-Test: Die Patienten erhalten eine Stunde vor dem üblichen Auftreten der Beschwerden 100 mg L-Dopa. Tritt nach einigen Tagen keine Verbesserung ein, sollte die Diagnose weiter überprüft werden.

RLS: Die Therapie

In schwierigen Fällen kommen bei der Behandlung verschiedene Medikamente zum Einsatz, die beispielsweise den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn verbessern. Es gibt allerdings einige Möglichkeiten, die quälenden Beine zur Ruhe zu bringen.

Bewegungsdrang nachgeben

Recken und strecken Sie die Gliedmaßen, bevor die Schmerzen richtig schlimm werden. Das gilt insbesondere fürs Autofahren: anhalten, aussteigen, herumlaufen oder ein paar Kniebeugen machen.

Kälte oder Wärme testen

Jeder RLS-Patient ist ein anderer Temperaturtyp: kalte oder auch warme Bäder können die Ruhelosigkeit vertreiben. Probieren Sie Heizdecke oder Eisbeutel zur Linderung der Unruhe aus.

Bürsten bringt Erleichterung

Versuchen Sie, die Beschwerden durch Beinmassage oder durch Abbürsten der Beine oder Einreiben mit Franzbranntwein zu bessern.

Eine Frau hält eine Bürste auf Höhe ihrer Kniekehle
Bürstenmassagen können die Beschwerden beim Restless Legs Syndrom mindern. Foto: Shutterstock / Zainchkovska Kate

Magnesium hilft

Manchen Betroffenen hilft eine Extradosis Magnesium oder Eisen.

Alternative Behandlungsmethoden

Manche Patienten sprechen gut auf alternative Heilmethoden an, beispielsweise

Das Vermeidungsprinzip

Das bedeutet ganz einfach: Weglassen, was den Bewegungsdrang verstärkt oder auslöst. Das gilt für Situationen ebenso, wie für bestimmte Nahrungs- und Genussmittel. Zu den Auslösern zählen:

  • Koffein
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Schokolade

Zu den Symptom-Verstärkern gehören:

Updates

Bleiben Sie zum Thema Leben immer informiert.

  • Geschmacksverstärker (wie Glutamat)
  • Süßstoffe (wie Aspartam)
  • Konservierungsstoffe
  • kohlensäurehaltige Getränke

Ruhelose Beine quälen auch Kinder

Unwillkürlich zuckende Beine machen nicht nur vielen Erwachsenen die Nacht zum Alptraum, auch Kinder und Jugendliche sind vom RLS betroffen. Und das häufiger als gedacht. Einer Studie zufolge gibt jeder vierte erwachsene RLS-Patien an, bereits als Kind bzw. Jugendlicher unter Beinschmerzen gelitten zu haben. Das berichtet eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung von Daniel Picchietti von der University of Illinois im Fachblatt Pediatrics.

Die Autoren gehen sogar noch einen Schritt weiter und schreiben: „Das Restless-Legs-Syndrom ist bei Kindern und Jugendlichen weiter verbreitet als Epilepsie oder Diabetes.“ Noch allzu häufig werden die Beschwerden jedoch als „Wachstumsschmerzen“ angetan oder gar als AD(H)S diagnostiziert.

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