Leben

Reisender Roboter: Soziales Experiment Hitchbot kommt ins Museum

von Carola Franzke

Der reisende Roboter Hitchbot war viel unterwegs und hat die Welt gesehen. Nun darf sich der Nachbau im Computermuseum Paderborn final ausruhen.

Der Hitchbot, ein trampender Roboter, sitzt ab sofort in Paderborn als Dauergast auf einer Autorückbank.
Ganz in seinem Element: Der trampende Hitchbot ist per Anhalter um die Welt gereist. In Paderborn kommt er auf der Autorückbank zur Ruhe. Foto: picture alliance/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Hitchbot um die Welt gereist ist – und sich viele Freunde gemacht hat
  • Wie der reisende Roboter erstmals quer durch Kanada fuhr
  • Warum das soziale Experiment so gut funktionierte – und wohl doch scheiterte

Hitchbot hat das Reisen an den Nagel gehängt: Der Eimer mit den Poolnudel-Beinen bleibt als Ausstellungsstück im Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF), nachdem er per Anhalter weit gereist ist.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Zu Gast in Paderborn

In Paderborn ist er nun Dauergast im neugestalteten Bereich für Mediengeschichte des Computermuseums. Passend zu seinem ursprünglichen Zweck als soziales Medienexperiment, dürfen Besucher Selfies mit ihm machen.

Das Ausstellungsstück ist eine Nachbildung des ursprünglichen Roboters mit abgespeckter Technik. Der echte Hitchbot hatte in seinem Inneren ein modifiziertes Android-Tablet mit Mobilfunkmodem, einen Arduino zur Steuerung und einen kleinen Servomotor, der den Arm bewegen konnte.

Ergänzt wurde das Innenleben von einer Kamera und einem Mikrofon, sowie einem Lautsprecher und einem LED-Panel, auf dem ein einfaches Gesicht symbolhaft angezeigt werden konnte. Für die Energieversorgung gab es ein Solarpanel und einen Kabelanschluss zum Laden.

Hitchbot: Der reisende Roboter

Ein Team von kanadischen Wissenschaftlern hatte Hitchbot 2013 das erste Mal auf Reisen geschickt. Die gebürtige Deutsche Frauke Zeller von der Ryerson-Universität in Toronto und ihr Kollege David Harris Smith von der McMaster-Universität in Hamilton wollten mit dem Hitchbot erforschen, ob Roboter den Menschen vertrauen können, und wie Menschen mit ihnen interagieren.

Der Hitchbot konnte dank englischer Spracherkennung einfache Unterhaltungen führen und mit seinen Gastgebern und Mitfahrern Ratespiele spielen. Dank Internetzugriff, etwa auf Wikipedia, war er ein kaum zu schlagender Gegenspieler.

Die erste Tour führte den reisenden Roboter einmal quer durch Kanada, von Halifax in Neuschottland nach Victoria auf Vancouver Island im Westen Kanadas. Die späteren Touren durch Europa und die USA haben keinen glücklichen Ausgang genommen, die erste Reise durch Kanada war allerdings ein voller Erfolg. Die Kanadier nahmen den kleinen Roboter freundlich auf, und er konnte sein rund 6000 Kilometer entferntes Ziel in Victoria rekordverdächtig schnell erreichen.

Höhen und Tiefen im sozialen Experiment

Während seiner Reisen hat Hitchbot getwittert und Bilder gepostet. Zehntausende Menschen folgten ihm auf Twitter, Instagram und Facebook. Die Autofahrer, die ihn aufgelesen und mitgenommen haben, dokumentierten seine Reise mit und teilten oft selbst Fotos und kleine Videoclips im Internet.

Die einfache, freundliche Mimik des LED-Displays hatte anscheinend die meisten Menschen positiv für ihn eingenommen: Auf seinem weiterhin aktiven Twitteraccount etwa kann man Fotos von Hitchbot bei einem Baseball-Spiel im Fenway Park Stadion sehen, wohin ihn ein begeisterter Fan mitgenommen hatte, oder wie er Beifahrer in einem Oldtimer sein darf.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Leben immer informiert.

Nach mehrheitlich freundlichen und oft geradezu enthusiastischen Begegnungen nahm das Experiment auf seiner letzten Reise durch die USA in Philadelphia ein unrühmliches Ende. Der Hitchbot wurde zerstört, die elektronischen Bauteile gestohlen. Bis heute ist nicht völlig klar, ob die Motivation Habgier oder einfach nur Zerstörungswut gewesen ist – oder ob es sich um ein bizarr inszeniertes Spektakel handelte. Die letzten Menschen, die ihn "lebend" gesehen hatten, waren selbst Social-Media-Berühmtheiten.

Was auch immer in der Elfreth's Alley in Philadelphia geschehen ist: Auf jeden Fall kann sich die teilrestaurierte Version des kleinen Roboters nun in Paderborn ausruhen.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen