Elektromobilität

Reifenwechsel: Was bei Winterreifen für Elektroautos wichtig ist

von Thomas Pitscheneder

Die Reifenwechsel-Saison steht wieder an – auch für Besitzer eines Elektroautos. Doch worauf kommt es beim Kauf und Aufziehen an?

Winterreifen auf verschneiter Fahrbahn.
Kalte Tage, Schnee und Eis erfordern passende Reifen. Bei Elektroautos sollten Käufer besonders auf die Energieeffizienz der Gummis achten. Foto: Shutterstock / alexkich

Das erfahren Sie gleich:

  • Was beim Kauf von Winterreifen für Elektroautos besonders wichtig ist
  • Was es für einen Wechsel ohne Werkstatt braucht
  • Welche Auswirkungen die Nutzung von Ganzjahresreifen haben

Wer sich die grobe Zeit für den Wechsel von Sommer- zu Winterreifen und umgekehrt merken möchte, verankert im Gedächtnis "von O bis O". Im Oktober sollten spätestens die Pneus für die kalten Tage auf das Auto, zu Ostern dann frühestens die Gummis für den Sommer. Sollte der große Wetterumschwung jedoch früher oder später auftreten, ist die Regel dehnbar. Einen gesetzlichen Rahmen bietet sie nicht.

Autos mit Elektroantrieb sind davon natürlich nicht ausgenommen. Auch sie müssen die richtigen Reifen für die aktuelle Witterung vorweisen. Die Elektromobilität bringt jedoch etwas andere Anforderungen an das Material mit.

Elektroauto: Rollwiderstand entscheidendes Kriterium

Die maximale Reichweite von Elektroautos ist ein großes Thema unter potenziellen Käufern und Besitzern eines solchen Fahrzeugs. Die richtigen Reifen sind in der Lage, einige Kilometer mehr aus den Akkus zu holen. Das ist gerade im Winter wichtig, denn bei niedrigen Temperaturen büßen die Batterien an Leistung ein.

Die Pneus sollten nicht zuletzt deshalb eine besonders hohe Energieeffizienz aufweisen. Der Rollwiderstand ist dabei entscheidend. Liegt er hoch, schwindet die Reichweite des Elektroautos. Beim Kauf sollten Kunden also genau auf die Lauffläche und Maße schauen. Schmale Reifen rollen in der Regel etwas sauberer ab.

Zum Glück müssen Käufer keine Experten für die Gummis sein, um die richtige Entscheidung zu treffen. Das Energieeffizienz-Label der EU soll auf den Reifen für Klarheit sorgen. Darauf findet sich eine Skala von A bis G, die mit einem Tanksymbol gekennzeichnet ist: "A" ist dabei besonders effizient, "G" gilt als ineffizient.

Winterreifen: Gummimischung und Haftung bei Nässe

Reifen sind mehr Hightech, als ihr Aussehen vermuten lässt. Moderne Pneus bestehen nur zu rund 40 Prozent aus Kautschuk, dabei kommen bis zu zehn verschiedene Gummi-Mischungen zum Einsatz – pro Reifen. So gewährleisten die Hersteller für jede Witterung und jeden Untergrund das passende Produkt.

Im Winter ist die Zusammensetzung so ausgelegt, dass der Reifen weich und geschmeidig bleibt. Das ist wichtig, um ein hohes Maß an Grip bei niedrigen Temperaturen zu bieten. Eine Sommermischung verhärtet bei gleichen Bedingungen sehr schnell und sorgt für ein hohes Sicherheitsrisiko.

Genau das ist auch gegeben, wenn Reifen bei Nässe schwächeln. Bei weniger strengen Wintern, schmelzendem Schnee und in wärmeren Regionen kämpfen die Autofahrer meist mit viel Feuchtigkeit auf der Strecke. Winterreifen sollten deshalb mit solchen Bedingungen keine Probleme haben. Auch hier hilft wieder das EU-Label beim Kauf. Neben der Energieeffizienz ist eine Skala für Nasshaftung zu sehen. Sie geht ebenfalls von A bis G.

Lautloses Auto mit lärmenden Reifen

Die geräuscharme Fortbewegung von Elektroautos ist Fluch und Segen zugleich. Für den umliegenden Verkehr stellen sich anschleichende Stromer eine potenzielle Gefahr dar. Für die generelle Geräuschkulisse in Städten ist das leise Fahren hingegen ein großer Vorteil. Auch im Auto selbst ist die Ruhe angenehm.

Reifen mit einem hohen Maß an Laufruhe wirken an diesem Punkt unterstützend. Sie minimieren die Entwicklung von Geräuschen innerhalb des Fahrzeugs und gleiten fast lautlos über den Asphalt. Auf dem EU-Aufkleber sind die Rollgeräusche in Dezibel (dB) angegeben.

Reifenwechsel oder Ganzjahresreifen?

Als Alternative zu Sommer- und Winterreifen bieten viele Hersteller Ganzjahresreifen an. Wer sie nutzt, spart sich den Wechsel, Kosten für Werkstatt und Einlagerung sowie die Erinnerung im Kalender.

Dafür nehmen Kunden Abstriche bei der Energieeffizienz und Sicherheit in Kauf. Ganzjahresreifen rollen im Sommer meist mit größerem Widerstand ab, was zu einem erhöhten Verbrauch führt. Die maximale Reichweite von E-Autos sinkt damit. Bei feuchten oder glatten Untergründen kommen die Allwetter-Pneus oft schneller ins Rutschen als Winterreifen.

Die jeweiligen Spezialisten – reinrassige Sommer- beziehungsweise Winterreifen – sind immer die bessere Wahl bei extremen Wetterbedingungen.

Johannes Boos, Unternehmenssprecher beim ADAC

Autofahrer greifen also besser zu Gummis für die jeweilige Jahreszeit. Bei Elektroautos lohnt sich der Wechsel aufgrund der besseren Energieeffizienz ohnehin.

Selbst wechseln oder wechseln lassen?

Ein Reifenwechsel in einer Werkstatt kostet nicht die Welt. Meist sind kaum mehr als 15 bis 20 Euro plus ein kleines Trinkgeld für die Mechatroniker fällig. Doch zu den Stoßzeiten sind die Werkstätten voll, zum Teil kommt es zu längeren Wartezeiten.

Wer lieber selbst Hand anlegt, braucht sich nicht zu fürchten, denn ein Reifenwechsel gehört zu den einfacheren Arbeiten rund um das Automobil. Der Bedarf an Werkzeug ist klein: Es braucht einen Wagenheber, ein Radkreuz und einen Drehmomentschlüssel.

Zu beachten sind lediglich das richtige Ansetzen des Wagenhebers an der dafür vorgesehen Stelle, die korrekte Laufrichtung der Reifen und das Festziehen mit dem erforderlichen Drehmoment. Letzteres kann innerhalb weniger Kilometer nach dem Wechsel auch eine Fachwerkstatt in wenigen Sekunden durchführen.

Bedarf es zuerst einer Montage von Reifen und Felgen, ist der Besuch einer Werkstatt zwingend erforderlich. Nur dort gibt es entsprechende Maschinen.

Fazit

Beim Kauf von Winterreifen sollten Besitzer eines Elektroautos in erster Linie auf eine vernünftige Energieeffizienz achten. Sie trägt zu einer möglichst hohen Reichweite bei. Manche Hersteller kennzeichnen entsprechende Modelle mit Zusätzen wie "Eco".

Wichtig ist natürlich auch ein hohes Maß an Sicherheit. Kurze Bremswege und eine gute Haftung bei Nässe sollten die Pneus zwingend bieten.

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