Elektromobilität

Reichweite bei E-LKW: Wie weit kommt der elektrische Laster?

von
Sabrina Lieb

Einige Trucks mit E-Antrieb haben es bereits auf die Straße geschafft oder sollen es bald schaffen. Wir zeigen die Leistung und Reichweite der Elektro-Lkw.

Ein Lkw auf der Autobahn wird von einem Pkw überholt.
Elektro-Lkw sind bisher noch eher selten auf den Autobahnen – mit immer mehr Reichweite könnte sich das bald ändern. Foto: Shutterstock / Mariusz Szczygiel

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Elektro-Lkw bereits verfügbar sind oder bald auf den Markt kommen sollen
  • Wie es um deren Leistung und Reichweite steht
  • Wie Trucks zukünftig in Kolonnen oder vollautonom noch effektiver werden sollen

Geräuscharme und emissionsfreie Trucks – weltweit drängt mittlerweile eine ganze Reihe an neuen Lastwagen mit Elektroantrieb auf die Straßen. In Deutschland und Österreich sind bereits die ersten Kleinserien von Elektro-Lkw im Alltagseinsatz. Dabei sind die elektrisch angetriebenen Brummis zunächst im innerstädtischen Verteilerservice aktiv, also zum Beispiel bei der Belieferung von Supermärkten.

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eActros von Daimler – Energie aus Lithium-Ionen-Batterien

Beim schwäbischen Automobilhersteller Daimler sind die elektrischen Lkw bereits zum Kundeneinsatz auf die unterwegs. So sind insgesamt zehn Fahrzeuge in zwei Varianten mit 18 und 25 Tonnen Gesamtgewicht noch bis Ende dieses Jahres unter anderem bei Hermes, Edeka sowie Migros unterwegs. Sie sollen die Alltagstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit des Elektro-Lkws testen.

  • Für die nötige Power sorgen zwei Elektromotoren nahe den Radnaben an der Hinterachse, die jeweils 125 kW auf die Straße bringen.
  • Energielieferanten sind Lithium-Ionen-Batterien mit 240 kWh, die sich laut Herstellerangaben – je nach Ladestation – mit einem Combined Charging System (CCS-Stecker) zwischen drei und elf Stunden komplett aufladen lassen.

Z.E. für Zero Emission von Renault

Unter dem Kürzel Z.E. für Zero Emission, bringt Renault seine zweite Generation elektrischer Nutzfahrzeuge heraus. Zusätzlich zum kompakten Nutzfahrzeug Renault Master Z.E., der bereits im Einsatz ist, präsentiert der französische Autobauer mit dem neuen Renault Truck D Z.E. sowie dem Renault Truck D Wide Z.E. gleich eine komplette Verteilerverkehr-Baureihe von 3,5 bis 26 Tonnen.

Die beiden Trucks sollen dabei insbesondere für den Verteilerverkehr und für die Entsorgung zur Verfügung stehen und ab dem zweiten Halbjahr 2019 im Renault Truck Werk in Blainville-sur-Orne in der Normandie gefertigt werden. Je nach Nutzung und Batteriekonfiguration wird die Reichweite bis zu 300 Kilometer betragen.

  • Die Lithium-Ionen-Akkus der beiden Trucks sollen dabei vollständig in ein bis zwei Stunden via 150 kW-Combo-Stecker aufgeladen werden.
  • Eine entsprechende Nachtladung mit Wechselstrom dauert bei einem 300 kWh-Akku rund 12 Stunden. Hierfür reicht eine Starkstromsteckdose mit 380 Volt / 32 Ampere.

Geht selbstbewusst ins Rennen: Der Navistar

Navistar will Tesla bis 2025 in Sachen Elektro-Lkw übertrumpfen – so die selbstbewusste Ansage des amerikanischen Nutzfahrzeugherstellers. Ende 2019, Anfang 2020 soll der erste eigene E-Lkw losziehen. Mit dabei ist Kooperationspartner Volkswagen Trucks & Bus, der rund 17 Prozent Anteil am Unternehmen hält.

Laut Firmenchef Clarke sollen zunächst Busse und mittelschwere Lastwagen der Klasse 6 und 7 für kurze Strecken zum Einsatz kommen. Großer Vorteil im Gegensatz zu Tesla sieht Clarke in den Produktionskapazitäten und der etablierten Marktstellung. Schließlich würden die Kunden das Unternehmen bereits kennen und genauso umgekehrt.

Somit würde Navistar genau wissen, was die Kunstschaft braucht und womit sie ihr Geld verdienen. Welche Reichweite der E-Truck aus dem Hause Navistar erreichen wird, bleibt bislang jedoch noch hinter verschlossenen Türen.

Daimler-Tochter Fuso wird elektrisch

Mit der Auslieferung der ersten elektrischen Exemplaren eCanter Ende 2017, hat die Daimler-Tochter Fuso erst den Anfang gemacht. Auf den Leicht-Lkw mit bis zu drei Tonnen Nutzlast und bis zu 100 Kilometern Reichweite, kündigt Fuso nun eine neue Fahrzeug-Sparte E-Fuso an.

So sollen in den kommenden Jahren alle Lkw- und Bus-Reihen elektrifiziert werden. Darunter ein schwerer Lastkraftwagen mit bis zu elf Tonnen Zuladung und einer Reichweite von 350 Kilometern. Ein entsprechender Prototyp "E-FUSO Vision One" soll bereits 2021 an den Start gehen.

Thor und Nikola – Konkurrenz aus Kalifornien

Schon bei seinem Start 2016 kündigte das kalifornische Start-Up Thor Trucks an, in spätestens drei Jahren mit der Produktion des ET-One zu beginnen. Mit bis zu 480 Kilometern Reichweite soll das futuristische Gefährt vor allem im Güternahverkehr zum Einsatz kommen.

Ganz im Gegensatz dazu steht das in Salt Lake City verortete Start-up "Nikola", das in Kooperation mit dem Autozulieferer Bosch an zwei stromernden Lastwagen namens "One" und "Two" arbeitet. Im Vergleich zu Tesla oder Thor setzt Nikola jedoch bei der Energiegewinnung nicht auf Akkus sondern auf Wasserstoff. Dabei sollen die beiden E-Motoren bis zu 1000 PS auf die Piste bringen, eine Tankfüllung soll indes für bis zu 1900 Kilometer reichen. Geplanter Marktstart voraussichtlich 2021.

Unterwegs in drei Größen: StreetScooter

Bei all den vorgestellten Modellen stellt sich nun die Frage, wer ist Vorreiter auf dem Gebiet der E-Transporter? Die Antwort lautet: Die Deutsche Post. Bei ihrem Tochterunternehmen StreetScooter sind bereits die beiden Varianten "Work" (Zuladung 900 Kilogramm) und "Work L" (1190 Kilogramm) als Paket-Lieferfahrzeuge im Einsatz und in der Zwischenzeit auch im freien Verkauf erhältlich.

Im August 2017 folgte schließlich der noch größere "Work XL", der auf Basis des Ford Transits produziert wird. Dabei handelt es sich um den bislang größten E-Transporter der DHL-Tochter StreetScooter, der bis zu 3500 mal pro Jahr gebaut werden soll und insbesondere für die Paketzustellung in Ballungsräumen vorgesehen ist. Mit einem Ladevolumen von 20 Kubikmeter birgt er dabei Platz für mehr als 200 Pakete. Eine Zuladung ist bis zu 1275 Kilogramm möglich.

  • Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 90 km/h begrenzt
  • die Akkukapazität beträgt bis 76 kWh
  • die Reichweite liegt bei bis zu 200 Kilometern

"Platooning" aus dem Hause MAN

Ebenfalls geeignet für den Einsatz in der Innenstadt: der eTruck von MAN, der mit 26-Tonnen Gesamtgewicht im Idealfall eine Reichweite von 180 Kilometer erreicht. Damit ist der Elektro-Lkw zwar kein Kandidat für lange Strecken, dafür arbeitet MAN stark an der Perfektionierung des Platoonings, zu Deutsch auch das elektronische Deichsel.

Bei dem automatisierten Kolonnenfahren touren gleich mehrere LKW dicht hintereinander: Dabei gibt der Fahrer des vordersten Fahrzeugs die Richtung und die Geschwindigkeit vor, die jeweiligen Daten werden schließlich automatisch an die folgenden Lkw übermittelt. Ziel des Platoonings ist es, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen und gleichzeitig den Kraftstoffverbrauch und den CO2-Ausstoß zu senken.

Niedriger Geräuschpegel für Nachtfahrten bei Volvo

Der schwedische Automobilhersteller Volvo will den Lieferverkehr elektrifizieren – so die Ansage des Unternehmens. "Vera" nennt der Hersteller seine Studie, mit der er die Zukunft des Transportwesens mitgestalten möchte. Das Ergebnis ist der sogenannte FL Electric, bei dem ein entscheidendes Element fehlt: Die Fahrerkabine – der elektrische Volvo-Truck ist also autonom on tour.

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Dabei sind die Großfahrzeuge mit modernsten Selbstfahrsystemen ausgestattet und mit einem Cloud-Dienst sowie einer Leitstelle verbunden. Die ersten Elektro-Lkw von Volvo sollen Anfang kommendes Jahr in Serie gehen. Dabei haben die Fahrzeuge mit einer Akkuladung laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern.

  • Der E-Motor des 16-Tonnen-schweren Sattelzugs leistet dabei maximal 185 kW bzw. 130 kW im Dauerbetrieb.
  • Die Batterieausstattung ist variabel und reicht von zwei Lithium-Ionen-Batterie-Paketen mit einer Kapazität von 100 kWh bis zu sechs Paketen mit insgesamt 300 kWh.
  • Sind die Akkus erschöpft, sollen sie in ein bis zwei Stunden mit Gleichstrom geladen werden können. Über Nacht mit Wechselstrom dauert der Ladevorgang mit bis zu zehn Stunden entsprechend länger.

Der FL Electric von Volvo.
Volvo will mit dem Truck FL Electric vor allem im Entsorgungssektor punkten. Foto: AB VOLVO

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