Gesundheit

Raw Water: Wie gesund ist der neue Wasser-Trend?

von Stefan Adrian

Der Trend um Raw Water zeigt vor allem, wie schnell eine Geschichte um den Globus zieht. Trotzdem ist der Hype um gesundes Wasser nicht unbedenklich.

Aufnahme von oben auf klares, blaues Wasser, das leicht in Bewegung ist.
Ein Land macht blau: Raw Water ist eine Reaktion auf das in den USA oft mit Fluorid oder Chlor versetzte Leitungswasser. Foto: Unsplash/Samuel Scrimshaw

Das erfahren Sie gleich:

  • Was sich hinter dem Trend um Raw Water aus den USA verbirgt
  • Warum sich Deutschland und die USA beim Thema gesundes Wasser so stark unterscheiden
  • Welche Maßnahmen in Deutschland die Wasserqualität sicherstellen

Raw Water geht um die Welt

Das Foto, das den Raw-Water-Trend in der ganzen Welt mitausgelöst hat, strotzt vor Gesundheit. Es zeigt Christopher Sanborn am Strand, das lange Haar fällt ihm über die Schulter. Genussvoll trinkt der drahtige US-Amerikaner an einem Glasballon. Dessen Inhalt: reines Quellwasser. Oder wie die Amerikaner sagen: Raw Water.

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Ist Raw Water wirklich gesundes Wasser?

Christoper Sanborn heißt aber nicht mehr Christopher Sanborn, sondern nennt sich Mukhande Singh. Als solcher ist er Gründer von Live Water, einem Start-up, das sinnbildlich für den Hype um Raw Water steht, der um den Globus gewandert ist, seit die New York Times Ende letzten Jahres davon berichtete. "Leitungswasser? Das ist Toilettenwasser, versetzt mit Medikamenten zur Geburtenkontrolle", wird Singh darin zitiert. Im Gegensatz dazu steht Raw Water für gesundes Wasser.

Das Wasser strafft angeblich die Haut, stärkt Nägel sowie Gelenke und verbessert die Hirnfunktionen.

Deswegen verkauft er Raw Water, unbehandeltes und ungefiltertes Wasser – und aus seiner Sicht gesundes Wasser. Sein Produkt stammt aus einer "Opal Springs" genannten Quelle in Oregon. Die Befürworter von Raw Water stehen der Tatsache, dass in den USA häufig Fluorid oder Chlor dem Wasser beigemengt sei, ablehnend gegenüber.

Ihr Wasser sei frei von diesen Stoffen, sondern enthalte probiotische Bakterien. Live Water etwa straffe die Haut, stärke die Nägel und Gelenke, verbessere die Hirnfunktionen und ja, hätte laut Angaben von Singh sogar seine Nachbarin wieder zum Stillen gebracht.

Das ist solange gut, bis ein zehnjähriges Mädchen an der Cholera stirbt", warnt etwa ein US-Lebensmittelexperte.

Die Preise für Singhs Live Water steigerten sich schier von Artikel zu Artikel, von drei Dollar pro Liter bis 13 Dollar pro Liter war die Rede. Auf der Website selbst kosten die knapp 10 Liter fassenden Wasserkanister 16 US-Dollar (ab 4 Stück) bis 12 US-Dollar (ab 20 Stück). Umgerechnet sind das um bzw. etwas mehr als ein Euro pro Liter. Keine Preise, die Kunden von Bio-Märkten hierzulande abschrecken.

Brauchen wir Raw Water in Deutschland?

So weit, so raw. Lassen wir die USA mal beiseite und betrachten wir, wie das in Deutschland aussehen könnte. Kann man hierzulande ursprüngliches Wasser einfach abfüllen und in einen Markt stellen? Wäre eine Sache wie Raw Water in der Form hier überhaupt möglich? Und wie steht es überhaupt um die Wasserqualität?

"Wir haben bei uns schon seit langem Raw Water, nur eben in zuverlässiger Qualität", sagt Dr. Martin Elsner. Er ist Direktor des Instituts für Wasserchemie und Chemische Balneologie der TU München.

"Mineralwasserbrunnen dürfen ihr Wasser - ausgenommen von Maßnahmen, die Eisen, Mangan, Schwefel und Fluorid entfernen - gar nicht aufbereiten. Insofern sind die Ansprüche an die ursprüngliche Wasserqualität in Deutschland sehr hoch. Verbraucher haben das, was in Amerika ein großer Trend ist, hier als Mineralwasser schon lange."

Wenn man von Raw Water spricht und damit Oberflächenwasser meint, ist eine Aufbereitung auf jeden Fall dringend notwendig.

"Grundwasser hat durch die Filterqualität des Bodens eine ganz andere Qualität, so dass es als Rohwasser eher einer guten Wasserqualität entspricht als Oberflächenwasser", so der Wissenschaftler, der jedoch einen klaren Standpunkt bezieht: "Wasserqualität nicht den eingängigen Tests zu unterziehen, was sowohl die chemische als auch mikrobiologische Qualität angeht, halte ich für höchst bedenklich. Wenn man von Raw Water spricht und damit Oberflächenwasser meint, ist eine Aufbereitung auf jeden Fall dringend notwendig."

Hohe Wasserqualität in Deutschland

Die Rechnung scheint einfach: Rohwasser ist eben dann schlecht, wenn seine ursprüngliche Qualität schlecht ist. In Deutschland ist jedoch festgelegt, dass die Wasserqualität regelmäßig geprüft werden muss.

Trinkwasser etwa wird jährlich auf eine Liste von Indikatorsubstanzen wie Benzininhaltsstoffe, chlorierte Lösemittel, Pestizide, Nitrat, Acrylamid, Bor, Schwermetalle oder Fäkalbakterien untersucht, für Mineralwässer sind analoge Analysen vorgeschrieben.

Zur Trinkwassergewinnung wiederum wird ursprüngliches Wasser mit oxidativen Verfahren wie Ozonung, UV-Bestrahlung oder Chlorzugabe aufbereitet, wenn die Qualität nicht hinreichend ist.

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Häufig ist das jedoch nicht notwendig, da – im Gegensatz zu den USA – durch vorsorgenden Grundwasserschutz die Qualität des Grundwassers hoch ist. Hintergrund: Wasserversorger arbeiten häufig mit Landwirten zusammen, damit diese auf Pestizide in Einzugsgebieten verzichten. Was in Kalifornien also gerade State-of-the-Water-Art ist, kommt hier vielfach fast kostenlos aus der Leitung – oder aus Brunnen am Wegesrand.

Hier war Wasser schon immer gesundes Wasser

Es kommt also im wahrsten Sinne des Wortes auf die Quelle an. Raw Water ist in Deutschland schon lange zu haben. "Nur, dass es mit sorgfältigen Kontrollen und nachhaltiger Wasserwirtschaft einhergeht", erläutert Martin Elsner. Und es noch keiner so benannt hat. Zumindest bis jetzt nicht …

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