Gesundheit

Mit dem Rauchen aufhören: Besser geht's mit „Yoga-plus“

von Dr. Kai Kaufmann

Es ist leicht gesagt, aber so schwer umzusetzen: "Ich will endlich mit dem Rauchen aufhören." Yoga kann bei der Entwöhnung helfen - allerdings nicht allein.

Raucher zündet sich Zigarette an
Zündende Idee: Wer mit dem Rauchen aufhören will, hat drei mal bessere Chancen, wenn er Yoga mit anderen Methoden kombiniert. Foto: Unspalsh/Ander Burdain

Das erfahren Sie gleich:

  • Jeder Zehnte möchte mit dem Rauchen aufhören
  • Klassische Therapien sind nur mäßig erfolgreich
  • Neue Studien zeigen, dass Yoga in Kombination mit anderen Methoden besonders hohe Erfolgsaussichten bietet

Raucher brauchen bis zu sieben Versuche

Es ist schon verblüffend. Warum zum Teufel gibt es noch keinen Königsweg, um sich das Rauchen abzugewöhnen? So etwas wie eine „Bulletproof-Methode“, durch langfristige Studien abgesichert und über Jahre im echten Leben erprobt? Gründe für eine intensive Lösungssuche gibt es ja genug: 13,5 Prozent aller jährlichen Todesfälle in Deutschland sind auf Folgen des Rauchens zurückzuführen; sozial ist Rauchen seit Jahren geradezu geächtet. Kein Wunder also, dass in einem Jahr jeder zehnte Betroffene mit dem Rauchen aufhören will. Drei bis sieben Anläufe braucht es in der Regel – mit oder ohne Hilfsmittel.

Der Erfolg aktueller Therapien zur Nikotinentwöhnung ist begrenzt.

Die Neurowissenschaftler Dr. Laura Carim-Todd von der Oregon Health & Science University in Portland bringt den Stand der Dinge recht schnöde auf den Punkt: „Der Erfolg aktueller Therapien zur Nikotinentwöhnung ist begrenzt (...)“. Und so wartet die Welt weiter auf DIE Methode, um endlich mit dem Rauchen aufzuhören.

Kringel von Zigarettenqualm
Rauchzeichen: Bisherige Therapiemethoden, um mit dem Rauchen aufzuhören, waren nur mäßig erfolgreich. Das könnte sich jetzt ändern. Foto: Unspalsh/Luke Besley

Yoga kombiniert mit anderen Methoden

Genau da liegt der Hund begraben: In den letzten Jahren mehren sich Studien, die zeigen, dass gerade eine Kombination bestimmter Techniken ein besonders guter Killer der Nikotinsucht ist. Dabei geht es immer wieder um drei Themen: Stressreduktion, Fokussierung und persönliche Unterstützung. Und die werden offensichtlich durch drei Methoden ideal adressiert: Yoga, Meditation und kognitive Verhaltenstherapie.

  • Um 60 Prozent reduzierte sich der Zigarettenkonsum von Probanden, bei denen Achtsamkeitsübungen, mentale Vorstellungsbilder und Ganzkörperentspannung zum Einsatz kamen.
  • Mit Verhaltenstherapien zur Nikotinentwöhnung werden nach einem Jahr Erfolgsquoten von bis zu 30 Prozent erreicht.
  • Eine Metastudie von 19 Einzelstudien zeigte bei Yoga plus kognitiver Verhaltenstherapie einen positiven Effekt für die Nikotinentwöhnung. Ohne die Verhaltenstherapie war die entsprechende Wirkung von Yoga gering.
  • Mit einer Kombination aus Verhaltenstherapie und Yoga konnten in einer Einzelstudie 41 Porzent der Probanden das Rauchen aufgeben; während Verhaltenstherapie plus ein Wellness-Programm nur bei 14 Prozent der Kontrollgruppe zum Erfolg führte.

Wenn diese Schlussfolgerung richtig ist,
haben wir es hier mit einem bedeutenden Durchbruch zu tun.

In verschiedenen Studien zeigt sich also eine Verbindung aus Verhaltenstherapie und Yoga als vielversprechend. "Wenn diese Schlussfolgerung richtig ist, haben wir es hier mit einem bedeutenden Durchbruch zu tun“, fasst es Prof. Dr. E. Ernst von der Peninsular Medical School, University of Exeter, UK, zusammen. Doch stehen fast immer Langzeitstudien und Untersuchungen mit großen Teilnehmerzahlen aus.

Was steckt hinter den aktuellen Ergebnissen? Weshalb sind Stressreduktion, Fokussierung und therapeutische Unterstützung, insbesondere in ihrer Kombination, so überlegen in der Nikotinentwöhnung?

Frau meditiert auf Bett
Einfach mal abtauchen: Entspannungstechniken können den Stress senken, der beim Nikotinentzug auftritt. Foto: Unspalsh/Alexa Mazzarello

Thema 1 – Stressreduktion

Rauchen bekämpft natürlich keinen Stress, sondern es produziert Stress. Und zwar immer dann, wenn der Nikotinspiegel gerade sinkt; also in den Minuten oder Stunden der Rauchpausen. „Rauchen löst die Probleme, die es zuvor geschaffen hat“, so Suchtforscher Prof. Dr. Falk Kiefer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim auf „Spiegel Online“. Während der Raucherentwöhnung gibt es zunächst also ein erhöhtes Stressempfinden. Sprich: Ein Nikotinstopp sollte Entspannungstechniken zur Stressreduktion beinhalten.

Thema 2 – Fokussierung

„Die Gier nach der Zigarette dauert im Schnitt nur rund drei Minuten“, erklärt Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Gerade in diesen Minuten braucht es Entschlossenheit, Willenskraft und Rationalität, um dem Verlangen standzuhalten. Auch für eine langfristige Abstinenz ist die innere Haltung entscheidend: „Wenn man sich nicht bewusst ist, warum man raucht und hört auf, kann einen das irgendwann einholen“, erklärt Christoph Kröger, Leiter der Forschungsgruppe Tabakabhängigkeit am Institut für Therapieforschung in München, auf „sueddeutsche.de“.

Thema 3 – Persönliche Unterstützung

Nikotinentwöhnung ist ein Langzeitprojekt. Die rein körperliche Abhängigkeit ist schon nach wenigen Wochen überwunden. Aber die Gefahr eines Rückfalls kann bis zu 15 Jahre lang bestehen, wissen Experten. Umso wichtiger ist in den ersten Wochen und Monaten eine verlässliche Unterstützung. „In jedem Raucher steckt eine Ambivalenz: Ich möchte gerne aufhören, die Zigarette tut mir trotzdem gut. Das muss man erkennen und letztlich akzeptieren. Allein schafft man das schwer“, weiß Psychologe und Psychotherapeut Kröger.

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Meditation hilft, die Impulse zu kontrollieren

Der Kern jeder Suchtentwöhnung liegt einige Etagen tiefer: Er berührt die Impulskontrolle und psychologischen Hintergründe der Sucht. Wie sehr Meditation die Kontrolle unserer Impulse – wie die plötzliche Lust auf eine Zigarette – verbessert, belegen unzählige Studien. Gleiches gilt für Depressionen, die häufig in Verbindung mit Suchterkrankungen stehen können; man spricht daher von „Dual Diagnosis“.

Auf welche Mechanismen im Gehirn die positiven Wirkungen von Meditation zurückzuführen sind, kann man heute dank bildgebender Verfahren sehr schön zeigen: Während der Meditation werden Impulse, Gefühle und Gedanken beobachtet statt unterdrückt. Das ist gut so, denn „Thought Suppression“ gilt bei Süchten als Rückfallrisiko-steigernd.

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