Technik

Quika, Project Loon und Free Basics: Internet überall

von Carsten Fischer

Quika, Project Loon und Facebook Free Basics wollen die Welt noch besser vernetzen. Wirklich freies Internet bieten die Konzerne allerdings nicht.

Ein Ballon über verschneiten Bergen
Mit Drohnen, Ballons oder per Satellit: So soll auch in den entlegensten Winkeln der Erde Internet verfügbar werden. Foto: X Company

Das erfahren Sie gleich:

  • Noch in diesem Frühjahr will Quika einigen Regionen kostenloses Internet per Satellit bringen
  • Project Loon von Google und Facebook Free Basics arbeiten an ähnlichen Netzwerken
  • Eine Monopolstellung der Internetkonzerne könnte die Netzneutralität massiv bedrohen

Kostenloses Internet per Satellit

Bereits im zweiten Quartal 2018 will Quika das Internet kostenlos per Satellit auf dem Globus verbreiten. Ähnlich wie Project Loon aus dem Hause Google und Facebook Free Basics zielt das Unternehmen dabei vor allem auf entlegene und arme Regionen. Der Anschluss an die globale Datenautobahn könnte diesen Gegenden dabei helfen, nicht noch weiter abgehängt zu werden – dennoch formiert sich in einigen Teilen der Welt Widerstand gegen das so entstehende Monopol der US-Firmen.

Wer nicht online ist, dessen Daten können die Konzerne auch nicht an Werbetreibende verkaufen.

Die großen Internetfirmen wie Google und Facebook leben von Nutzern, denen sie Werbung anzeigen können. Um in neue Märkte vordringen zu können, muss entsprechend eine Infrastruktur her, die das Internet dorthin ausbreitet – wer nicht online ist, dessen Daten können die Konzerne auch nicht an Werbetreibende verkaufen. Das betrifft aktuell etwa 3,9 Milliarden Personen weltweit, also etwa 53 Prozent der globalen Bevölkerung. Aus Sicht von Entwicklungsexperten ist das eine abgehängte Masse armer Menschen – aus Sicht der Konzerne sind es potenzielle Neukunden. Entsprechend gibt es gleich mehrere konkurrierende Projekte, mit denen kostenloses Internet in abgelegene Regionen ohne Kabelanschluss gebracht werden soll.

Eine Bar in Afrika
Internet für Entwicklungsländer: Facebook, Google & Co. bieten ein kostenloses Netz – verschaffen sich so aber eine Art Monopolstellung. Foto: CC0: Unsplash/Anqi Lu

Quika

Quikas Konzept ist das kostenlose Internet per Satellit für Entwicklungsländer. Quika Free soll noch im Frühjahr 2018 erste Regionen erreichen, darunter Afghanistan, den Irak und einen großen Teil des afrikanischen Kontinents. Während die Nutzung des Dienstes über Firmen refinanziert werden soll, die so an neue Kunden kommen, bleibt sie für den Endnutzer kostenlos. Allerdings behält sich Quika vor, dass es Einrichtungsgebühren geben könnte – und die entsprechende Hardware zur Satellitenkommunikation benötigen die Menschen am Boden natürlich auch. Die Satelliten sollen das Netz von Quika Free sehr schnell machen und eine zuverlässige Verbindung bieten, solange die Region freie Sicht auf den Himmel in Richtung Äquator hat.

Project Loon

Google hatte ursprünglich gleich zwei Projekte, mit denen freies Internet in entlegene Gebiete gebracht werden sollte. Nach der Einstellung von Project Titan, das mit solarbetriebenen Drohnen experimentierte, bleibt Project Loon als laufende Entwicklung übrig. Bei Project Loon soll eine große Flotte hoch fliegender Stratosphärenballons das Internet per Funk in die Welt bringen. Die Ballons sind günstig in der Produktion und können dereinst in so großer Stückzahl am Himmel schweben, dass der Verlust einzelner Geräte nicht ins Gewicht fällt. Erste Testläufe sind laut Googles Mutterkonzern Alphabet vielversprechend, wenngleich abgestürzte Gondeln schon gelegentlich für UFOs gehalten wurden.

Facebook Free Basics

Das Free-Basics-Programm ist Facebooks Versuch, sein soziales Netzwerk noch weiter zu verbreiten. Dabei arbeitet der Konzern auf der einen Seite beim Projekt Aquila an der Entwicklung hoch fliegender Solardrohnen und geplanten Satelliten, auf der anderen Seite aber auch mit klassischen WLAN-Knotenpunkten an öffentlichen Plätzen. Letztere sollten in einem ersten Versuch sämtliche Bahnhöfe in Indien zu Free-Basics-Stationen machen – dieses Projekt scheiterte allerdings an der Gegenwehr der Bevölkerung und der Justiz, welche die Netzneutralität bedroht sahen. Schließlich will Facebook bei Free Basics nicht jeden Netz-Traffic hindurchlassen, sondern nur die eigenen Dienste sowie die von zahlenden Partnern.

Monopolstellungen als Preis für freies Internet

Die Monopolbestrebungen der großen Internetkonzerne sind sowohl für Regierungen als auch für Datenschützer und andere Aktivisten die große Bedrohung, wenn es um kostenloses Internet für die Welt geht. In Indien ist Facebook damit bereits gescheitert – zuhause in den USA will es der Konzern allerdings erneut versuchen, und dort wurde die Netzneutralität gerade offiziell abgeschafft. Setzt Facebook seine Pläne um, wird das soziale Netzwerk für viele Nutzer zum Internet schlechthin.

Letztlich fungieren statt Geld die eigenen Daten als Zahlungsmittel.

Wie ein großer Teil der Menschheit sein Internet bezieht, könnte sich in den kommenden Jahren entscheiden. All diejenigen, die nicht über den
Luxus einer Festnetzanbindung ihrer Region verfügen, haben dabei im Zweifelsfall kaum die Wahl der Anbindungsmöglichkeit. Kostenloses Internet per Satellit klingt vor allem im Vergleich mit dem riesigen Aufwand von Kabelverlegungen wie ein Geschenk des Himmels. Es bleibt aber zu bedenken, dass freies Internet meist nicht wirklich frei ist. Letztlich fungieren statt Geld die eigenen Daten als Zahlungsmittel. Wie es so schön heißt: "There is no such thing as a free lunch."

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