Leben

Prüfungsangst: So bekommen Sie trotzdem den Führerschein!

von
Sabrina Lieb

Prüfungsangst ist weit verbreitet. Mehr als 40 Prozent aller Schüler sind davon betroffen. Der Erfolgsdruck wächst auch bei der Führerscheinprüfung.

Zwei Hände an einem Lenkrad eines Autos.
Die Angst vor dem Durchfallen: Auch bei der Führerscheinprüfung steigt die Prüfungsangst – und somit auch die Quote der nicht bestandenen Prüfungen. Foto: Shutterstock / iiinuthiii

Das erfahren Sie gleich:

  • Pisa-Studie: Wieviele Schüler hierzulande an Prüfungsangst leiden
  • Wie sich die Angst vor dem Durchfallen äußert – und was Sie dagegen tun können
  • Warum die Durchfallquote in Deutschland wächst

Ein weit verbreitetes Phänomen

Seit Tagen plagen Simon Bauchschmerzen. Es steht die Führerscheinprüfung bevor und ihm graut es schon jetzt vor der Fahrt. Immer wieder fragt er sich, ob er die Prüfung bestehen wird, geht im Geiste noch einmal alle Szenarien durch: Gas, Kupplung, Einparken, Verkehrsregeln.

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Eigentlich weiß er, dass er alles kann. Aber mit dem näher rückenden Termin wächst seine Sorge, den Leistungsanforderungen nicht gerecht zu werden. Mit seiner Prüfungsangst ist der junge Mann nicht allein: Laut einer Pisa-Umfrage haben über 40 Prozent der Schüler in Deutschland Angst zu versagen.

Im internationalen Durchschnitt sind gar 55 Prozent der Schüler von Prüfungsangst betroffen. Mädchen leiden darüber hinaus häufiger unter Prüfungsangst als Jungen.

Prüfungsangst – was im Körper passiert

Pünktlich um 13 Uhr geht’s los. 100 Meter über die August-Bebel-Straße, rechts in die Kurt-Eisner. Und das war's dann auch schon. Beim Abbiegen mussten die anderen Autofahrer auf der Vorfahrtstraße in die Bremsen treten. Dann fuhr der Prüfling auch noch auf der Rechtsabbiegerspur geradeaus – durchgefallen.

Zermürbt fährt er die letzten Meter seiner Scheiterpartie zurück in die Fahrschule. „Ich hab's doch gewusst“ – der junge Mann ist frustriert. Womit sich seine Befürchtungen der vergangenen Wochen bestätigt hätten. „Ein klassisches Szenario der selbsterfüllenden Prophezeiung“, sagt dazu der Experte.

Angst ist immer zukunftsorientiert. Um vor einer Prüfung Angst zu bekommen, muss man mit seinen Gedanken erst in die Zukunft reisen und sich die Prüfungssituation geistig vorstellen.

Dabei sind die Szenarien vorwiegend negativ gefärbt und entsprechen meist einem Worst-Case-Szenario.

Tomas Schröck, Hypnosetherapeut

Der Leipziger Hypnosetherapeut Tomas Schröck behandelt in seiner Praxis häufig Menschen mit Prüfungsangst. Dabei zeigt sich immer wieder: Jemand mit Prüfungsangst macht sich ein Kopfkino mit schlechten Bildern – was alles andere als gesund ist. Denn unser Körper bzw. unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob es sich um Realität oder Fiktion handelt. Die chemischen Botenstoffe im Gehirn sind deshalb in beiden Fällen identisch.

Im Falle von Prüfungsangst bedeutet das, dass die betroffene Person bis zur Prüfung immer wieder negativ an das kommende Ereignis denkt und sich vorstellt, wie sie mit schlottrigen Knien, Sprachblockaden oder gar Blackouts in die Situation geht. Der Körper nimmt dies dann als das reale Leben wahr.

„Das ist quasi so, als ob die Person immer wieder durch die selbe Prüfung durchfällt. Man konditioniert sich praktisch aufs Durchfallen und damit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er zum Schluss tatsächlich in der Prüfungssituation blockiert ist und durchfällt“, meint Schröck.

Tomas Schröck
Hypnosetherapeut Tomas Schröck macht aus negativem Kopfkino positive Zukunftsvorstellungen. Foto: Bertram Bölkow

... und wie Sie dagegen ankämpfen

„Wenn man in der Lage ist, sich mit negativen Bildern und Vorstellungen Angst zu erzeugen, wie wäre es dann, wenn man denselben Mechanismus nutzen würde, um einen konstruktiven Film in sein persönliches Kopfkino einzulegen?“

Die Lösung für Prüfungsangst sieht Schröck in der eigenen Umprogrammierung: „Wenn man in der Lage ist, sich mit negativen Bildern und Vorstellungen Angst zu erzeugen, wie wäre es dann, wenn man denselben Mechanismus nutzen würde, um einen konstruktiven Film in sein persönliches Kopfkino einzulegen? Genau das ist der Ansatz von Hypnosetherapie. Wir tauschen den schlechten Film gegen einen besseren aus“, so Schröck.

Dabei sei es laut dem Experten jedoch wichtig zu schauen, ob man auch rein theoretisch die Prüfung bestehen könnte: „Angenommen, der Prüfling hat nur die Nächte durchgefeiert und kein bisschen gelernt, dann ist die Prüfungsangst durchaus berechtigt.“

Menschen mit Prüfungsangst rät er daher, sich zunächst einmal ehrlich zu hinterfragen: Ist meine Angst wirklich begründet? Für jemanden der regelmäßig gelernt hat oder anderweitig davon ausgehen kann, dass das Wissen außerhalb der Prüfung abrufbar ist, für den lohnt es sich, den eigenen „Film“ zu verändern und seinem Körper so positive Zukunftsszenarien mitzugeben.

Eine andere Möglichkeit für mehr Selbstsicherheit vor der Prüfung könnte die VR-Brille sein.

Führerscheinprüfung: Die Angst vorm Durchfallen

Nach seiner misslungenen Führerscheinprüfung muss Simon zwei Wochen warten, bevor er erneut antreten darf. Kleines Trostpflaster: Laut den aktuellen Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes ist er mit seiner zweiten Runde nicht allein. So lag die bundesweite Durchfallquote aller Führerscheinklassen 2017 bei 36,8 Prozent, 2016 waren es noch 34,8 Prozent.

Besonders hoch war dabei die Durchfallquote bei der Theorieprüfung für den Autoführerschein: Lag sie 2016 noch bei 42,7 Prozent, ist sie 2017 auf 44 Prozent gestiegen. Bei der praktischen Prüfung für den Autoführerschein fielen 39,9 Prozent der Anwärter durch (Vorjahr 37,6 Prozent).

Die Gründe für das Durchfallen bei die Führerscheinprüfung seien dabei von Prüfling zu Prüfling unterschiedlich. Jedoch zeigt sich häufig, dass der hohe Stellenwert des Führerscheins und der wachsende Erfolgsdruck durch das soziale Umfeld einen großen Einfluss auf die jungen Menschen während der Prüfung haben.

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Übrigens: Die Mehrheit der deutschen Autofahrer ist der Meinung, bei einer erneuten Führerscheinprüfung wahrscheinlich durchzufallen. 58 Prozent der Autofahrer glauben, dass sie einen spontanen Test nicht bestehen würden. Nur jeder Dritte hält seine theoretischen und praktischen Fahrkünste für aktuell. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von AutoScout24.

Warum jetzt übrigens auch autonome Autos in die Fahrschule müssen, das lesen Sie ebenfalls bei aio.

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