Elektromobilität

Professor James Kelly: "Das Autodesign wird sich komplett verändern"

von
Nicole Jansen

Warum sehen viele Elektroautos eigentlich so aus wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor? Interview mit Professor James Kelly von der Hochschule Pforzheim.

Eine Designstudie, die ohne Fahrerkabine auskommt.
Viel windschnittiger geht es kaum: Bei dieser Designstudie haben die Studierenden die Fahrerkabine komplett weggelassen. Foto: Hochschule Pforzheim/Petra Jaschke

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Einflüsse das Design von Elektroautos bestimmen
  • Wie autonomes Fahren sich auf das Autodesign auswirken wird
  • Weshalb die Designer der Hochschule Pforzheim keine marktfähigen Autos gestalten

Professor James Kelly leitet den Studiengang Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Ein Gespräch über Einschränkungen, Freiheit und Visionen im Design von Elektroautos und autonomen Fahrzeugen.

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aio: Herr Professor Kelly, warum unterscheidet sich das Design aktueller Elektroautos so wenig von herkömmlichen Fahrzeugen?

James Kelly: Das hat viele Gründe. Heute arbeiten Designer in der Automobilindustrie an einem Produkt, das sofort auf den Markt kommt. Das Modell hat eine bestimmte Laufzeit und muss jedes Jahr Umsatz bringen, um die Forschung an neuen Produkten zu finanzieren.

Ingenieure geben das Package vor, das zu beachten ist: gesetzliche Regelungen, Anzahl der Sitzplätze, Scheinwerfer, Knautschzonen, Fußgängerschutz und so weiter. Die Marketingabteilung will auch mitbestimmen. Und man muss den Geschmack der Kunden treffen, ihr Verlangen wecken. Das erfordert viele Kompromisse. Eigentlich bis jetzt.

Porträt von Professor James Kelly.
Professor James Kelly leitet an der Hochschule Pforzheim den Studiengang Transportation Design. Foto: Petra Jaschke

Bei Elektroautos haben Designer künftig weniger Beschränkungen

Was ändert sich denn?
Bei Pkw mit Verbrennungsmotor haben wir das Optimum erreicht. Da experimentieren die Hersteller nur noch mit dem Design. Aber E-Autos sind Neuland. Die Technologie entwickelt sich rasant, die Reichweiten werden immer spektakulärer.

Mit Batterieantrieb, und erst recht beim autonomen Fahren, fallen viele Beschränkungen für das Design weg. Wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem es keine gesicherten Erfahrungen gibt. Aber fast alle Konzerne haben sehr gute Chefdesigner, die ein bisschen mutiger sind als ihre Vorgänger.

Und ihr Einfluss wächst. Denken Sie an Peter Schreyer, den CEO von Hyundai und Kia: Ein Designer, kein Manager. Er weiß ganz genau, wie die Modellreihen der Zukunft aussehen sollen.

Der Unterschied ist jetzt schon deutlich: Die Autos sind designtechnisch auf höchstem Niveau. Man könnte sagen, das ist so, weil er viele Absolventen aus Pforzheim beschäftigt. Aber das tue ich natürlich nicht! (lacht).

Autonomes Fahren verändert das Innenraum-Design

Verraten Sie uns ein neues Detail, das sich bald in der Automobilproduktion durchsetzt?

James Kelly: Autonomes Fahren wird alles ändern, vor allem im Innenraum-Design: kein Lenkrad, keine Pedale, keine Mittelkonsole. Kleinere Fenster könnten dafür sorgen, dass es im Auto nicht so heiß wird, und mit variablen Teilen lässt sich das Fahrzeug individuell der Nutzung anpassen.

Aber eigentlich arbeiten wir ganz anders als die Industrie: Kaum eines unserer Modelle könnte jetzt in die Produktion gehen. Wir denken mindestens drei Generationen weiter in die Zukunft. Es geht darum, das Potenzial, das Talent der Studenten zu fördern. Denn je weniger Beschränkungen es zukünftig für das Automobildesign gibt, desto intensiver wird die Konkurrenz zwischen den Designern.

Ihre Studenten kommen aus aller Welt. Ist da auch Konkurrenz zu spüren oder inspiriert man sich gegenseitig?
Das ist immer wieder interessant. Vor allem bei den Masterstudenten ist zuerst jeder Botschafter seines Landes. Dann entwickeln sich Kontakte und Kooperationen, eine gute Vorbereitung auf den Job: Wenn in den Studios der Unternehmen internationale Teams zusammenarbeiten, dann hat das eine Wirkung, da ist ein Buzz, das motiviert. Und das will ich hier in Pforzheim auch haben.

Die Designer der Hochschule Pforzheim

Erinnern Sie sich an eine besondere Erfolgsgeschichte?
James Kelly: Vor zwei Jahren kam Marc Lichte, der Chefdesigner von Audi und auch ein ehemaliger Student von mir, zur Preview unserer Degree Show. Dabei zeigen wir die Bachelor- und Masterprojekte des vergangenen Semesters.

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Er sah die Arbeit einer jungen Dame aus Korea und hat ihr sofort ein Angebot gemacht. Lucia Lee hatte da noch nicht einmal ihre Abschlussnote! Aber er hat ihr Ausnahmetalent erkannt. Sie ist ein Workaholic, sehr bescheiden und mit außergewöhnlichen Ideen, wie man an der Audi-Studie Paon 2030 oder dem Concept-Car Aicon sieht.

Außerdem ist sie, wie viele andere, der beste Beweis für meine Antwort an Vertreter der Autoindustrie, wenn sie anrufen und nach guten Designern fragen: Tut mir leid, wir haben hier keine guten Designer. Nur sehr gute!

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