Leben

Plastikmüll-Recycling: So entstehen in Rotterdam grüne Inseln

von Sabrina Lieb

Rotterdam schafft sich gerade eine neue Form der grünen Insel. Die zweitgrößte Stadt der Niederlande baut schwimmende Plattformen – aus altem Plastikmüll.

Zwei Frauen sitzen in einer aus Plastikmüll geschaffenen Insel im Fluss.
Oase aus Müll: Die Plastikinseln sollen sowohl Menschen als auch Tieren als Erholungsraum dienen. Foto: Recycled Island Foundation

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Plastikmüll im Meer so ein großes Problem ist
  • Wie die Recycled Island Foundation aus den Plastikabfällen einen Erholungsraum für die Einwohner von Rotterdam schafft
  • Welche weiteren Städte den Aufbau von schwimmenden Müllinseln planen

Rund 874 Kilometer misst die Maas, die durch Frankreich, Belgien und die Niederlande fließt. Der Fluß mündet schließlich im Meer, und hier zeigt sich wieder einmal ein großes Problem unserer Zeit: Von der Quelle bis zur Mündung wächst auch hier die Verschmutzung mit Plastikmüll weiter an.

Allgegenwärtig ist die Frage: Wie lässt sich Abfall reduzieren und gleichzeitig etwas Sinnvolles damit erschaffen? Für seine Einwohner arbeitet Rotterdam derzeit an einem möglichen Lösungsansatz. Die zweitgrößte Stadt der Niederlande schafft grüne Inseln, indem sie Plastikteile aus dem Fluss fischt und schließlich zu schwimmenden Plattformen umbaut.

Müllinseln in Rotterdam: Neuer Lebensraum für Mensch, Flora und Fauna

Mit den neuen Plastik-Parks will Rotterdam die Lebensqualität seiner Einwohner steigern. Zugegeben, Lebensqualität mit Plastik zu steigern, klingt zunächst skurril. Und doch hat es die Hafenstadt damit geschafft, ihren Stadtraum auf innovative Art zu erweitern.

Allein über die Maas gelangen mehr als 1000 Kubikmeter Plastikmüll jährlich in die Nordsee. Mit dem Projekt Recycled Parks hat Rotterdam genau diesen Müll herausgefiltert und wiederverwendet. Hierzu haben Techniker kleine Anlagen im Fluss installiert, die große Plastikteile herausfischten. Nachdem die Anlagen eine ausreichende Menge an Plastik gesammelt hatten, wurden diese in 28 sechseckige Blöcke gepresst, die zugleich das Fundament des Recycling-Parks bildeten.

Die schwimmenden Blöcke reichen bis circa einen Meter unter die Wasseroberfläche. Unterhalb dieser Blöcke fischen Netze weiteren Kunststoff aus dem Fluss. Über der Wasseroberfläche hingegen fungieren die schwimmenden Elemente als grünes Stadterholungsgebiet, das von den Einwohnern zur Mittagspause, zur Entspannung und sogar für Events genutzt werden kann.

Von Plastik zum Lebensraum für Flora und Fauna: Neben Wasserpflanzen wachsen auf den Blöcken sogar Bäume. Auf diese Weise schafft die Stadt Nahrungs- und Brutplatzmöglichkeiten für Vögel und Fische.

Nur neun Prozent des Plastikmülls werden recycelt

Die schwimmenden Plastikparks in Rotterdam sind eine Initiative der Organisation Recycled Island Foundation, die damit ein Zeichen setzen möchte.

Kunststoff als weltweites Umweltproblem ist zwar jedem bekannt, wird aber gerne auch verdrängt. Bislang werden gerade mal neun Prozent des weltweiten Plastikmülls recycelt. Die restlichen 91 Prozent landen auf der Straße, in der Natur oder eben im Ozean.

Bevor die Recycled Island Foundation das Inselprojekt startete, fischte sie bereits jahrelang Plastik aus der Maas und probierte verschiedene Lösungsansätze zur Nutzung von Plastikabfall. Ihre Idee, Müll als Grundlage für schwimmende Inseln zu nutzen, sorgte bei den Niederländern für großes Aufsehen.

Dabei stand auch die Frage im Raum, inwieweit sich die Plastikinseln durch den Einfluss von UV-Strahlen zersetzen und dann wieder winzige Plastikteile ins Wasser abgeben. Diese Zweifel sind laut der Recycled Island Foundation unbegründet, denn bei der Konzeption des Müllprojekts wurde diese Gefahr bereits berücksichtigt.

So seien die schwimmenden Müllinseln sehr robust konstruiert worden und verfügen zudem über einen speziellen hinzugefügten UV-Schutz, der die Festigkeit der Blöcke gegenüber der Sonneneinstrahlung erhöht. Dennoch werde der Sonneneinfluss stetig beobachtet, um sicherzustellen, dass nicht doch ein UV-Abbau stattfindet.

Weniger Mikroplastik: Das Projekt soll auch andernorts starten

Für ihr Projekt hat sich die Recycled Island Foundation das perfekte Gewässer ausgesucht. Die wellenarme Maas ist hervorragend für die Sammlung der Kunststoffabfälle und für die Stabilität der Inseln geeignet. Für ersteres interessiert sich insbesondere die Universität Wageningen, die als Kooperationspartner und führendes Forschungszentrum für Recyclingverfahren den gefischten Müll sortiert und analysiert.

Ein weiterer Kooperationspartner ist der Habo Maritiemservice, der den Plastikmüll reinigt und in die sechseckigen Wasserblöcke verwandelt. Laut der Recycled Island Foundation ist der Prototyp aus der Hafenstadt so weit fortgeschritten, dass die schwimmenden Inseln mittlerweile weltweit in Flüssen, Flussmündungen und Häfen eingesetzt werden könnten.

So werden entsprechende Installationen beispielsweise schon im Auffangbecken von Brüssel und auf der Insel Ambon in Indonesien geplant. So innovativ die Idee der schwimmenden Müllinseln auch ist, hinterlässt das Projekt aber auch einen faden Beigeschmack: Die Müllproblem verschwindet nicht – es bleibt sichtbar. Aber vielleicht braucht der Mensch ja gerade diese permanente Erinnerung.

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