Leben

Plastikmüll-Recycling: Auf den richtigen Kreislauf kommt es an

von Peter Michaely

Plastikmüll als Chance? China hat den Müll-Import drastisch reduziert – Recycling und die Vermeidung von Plastikverpackungen bieten aber gute Möglichkeiten.

In Quader gepresster Plastikmüll, der – bereit zum Recycling – reihenweise zu großen Türmen aufgestapelt ist.
Recycling statt den Plastikmüll zu verschiffen: Anfang 2018 kündigte China an, dass das Land künftig keinen Müll mehr aus dem Ausland importiert. Foto: Shutterstock/Menzl Guenter

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Entscheidung Chinas, die Einfuhr von Plastikmüll zu stoppen, eine Chance fürs Recycling in Deutschland bietet
  • „Design4Recycling“: Weshalb beim Entwurf smarter Verpackungen die Recyclingfähigkeit bereits mit einfließt
  • Wie in einem Supermarkt Plastikverpackungen zu Gunsten von biologisch abbaubaren Materialien verschwinden

Liegt Zero Waste in weiter Ferne?

Wir haben schon darüber berichtet: Zero Waste, also der Trend, jeglichen Müll zu vermeiden könnte dabei helfen, den Müll zu reduzieren. Oder Raupen, die Plastikmüll einfach auffressen.

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Das Problem ist drängender denn je. Pünktlich zum Jahresbeginn hat China nämlich die Einfuhr von 24 Müllsorten aus aller Welt untersagt. Betroffen ist vor allem Plastikmüll. Allein Deutschland hat 2016 fast 800.000 Tonnen Kunststoffreste ins Reich der Mitte abgeschoben, vor allem Verpackungsmaterial.

Im Jahr zuvor hatte dessen Verbrauch hierzulande mit 18,5 Millionen Tonnen einen neuen Höchststand erreicht. Aus den Augen, aus dem Sinn? Funktioniert nicht mehr – so einfach können wir uns das Leben nicht mehr machen.

Keine Utopie: Der perfekte Recycling-Kreislauf

Bedeutet das den Anfang einer Krise oder ist es eine Chance? Das Duale System Deutschland („Der Grüne Punkt“) sieht den chinesischen Importstopp jedenfalls eher als Weichenstellung. Denn die Menge an wiederverwerteten Kunststoffabfällen könnte sich binnen weniger Jahre verdoppeln.

„Wir beraten seit langem unsere Kunden, wie sie Verpackungen recyclingfreundlich gestalten können“, sagt Michael Wiener, der Geschäftsführer des Grünen Punkts. „Auf dem Weg zu einer echten Kreislaufwirtschaft ist es unerlässlich, schon bei der Gestaltung die Kreislauffähigkeit eines Produktes mitzudenken“, so Wiener.

Viele Kunststoffreste wandern nach wie vor in die Verbrennungsanlage.

Gerade Verpackungen bestehen häufig aus komplexen Kunststoffmischungen, was das Recycling erschwert. Sie verbrauchen also schon bei der Produktion neben Energie wertvolle Ressourcen, wandern aber zum Schluss trotzdem häufig in die Verbrennungsanlage.

Der Grüne Punkt setzt deshalb auf seine Initiative „Design4Recycling“, die von Beginn an die Recycelbarkeit des eingesetzten Verpackungsmaterials mitbedenkt und zudem für eine recycelgerechte Zusammensetzung sorgt.

EU will Plastikverpackungen reduzieren

Der Zeitdruck ist hoch, denn in Deutschland muss die Wiederverwertungsquote von Plastikmüll von derzeit 36 Prozent auf 58,5 Prozent in 2019 steigen. Für 2022 gilt eine Recyclingquote von 63 Prozent.

Die EU-Kommission wiederum hat im Januar ihre europäische Plastikstrategie vorgestellt und sich zusammen mit Verhandlungsteams des Parlaments und der Ratspräsidentschaft Ende Februar auf EU-einheitliche Ziele verständigt.

Demnach forderten sie für alle Mitgliedstaaten eine Quote an Recycling für anfallenden Verpackungsmüll: 65 Prozent bis 2025 , 70 Prozent bis 2030. Bei Kunststoffverpackungen liegen die Quoten bis 2025 bei 50 und bis 2030 bei 55 Prozent. Allerdings sind diese Vorgaben noch nicht rechtskräftig.

Außerdem könnte ein einheitliches Verbot für Plastik-Einwegartikel auf die Mitgliedsstaaten zukommen.

Updates

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Bunte Tomaten in Plastikschalen verpackt; die Schalen stapeln sich.
Recycling oder einfach den Plastikmüll vollständig vermeiden? Eine niederländische Supermarktkette hat ein spezielles Sortiment plastikfrei verpackt – ein kleiner Erfolg in Sachen Umweltschutz. Foto: Shutterstock/Roman Rybaleov

Es geht auch ohne Plastikmüll

Dass es auch ganz ohne Plastikverpackungen geht, beweist eine niederländische Supermarktkette. Sie hat Ende Februar ein spezielles Sortiment mit mehreren hundert Produkten eingeführt, die allesamt in biologisch abbaubaren Materialien verpackt sind – und die nicht teurer sein sollen als solche in Plastikverpackungen.

Hinter der Aktion, die Pilotcharakter hat, steht eine Aktionsgruppe namens „A Plastic Planet“. Sie verfolgt das Ziel, Plastikverpackungen für Lebensmittel drastisch zu reduzieren. Ihr Motto: „Wenn wir glutenfrei, fettfrei und milchfrei einkaufen können – warum können wir dann nicht auch plastikfrei einkaufen?“ Warum eigentlich nicht?

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