Leben

Plastik im Meer: Bringen drei Erfindungen die ersehnte Lösung?

von
Paul Bandelin

Zehn Millionen Tonnen Plastikmüll finden jedes Jahr den Weg ins Meer. Drei Erfindungen sollen dabei helfen, das Plastik aus dem Meer zu fischen.

Ruhiges Meer mit blau wirkendem Wasser. Im Hintergrund sind die Konturen einer Insel zu erkennen
Der Schein trügt: Trotz blauer Oberfläche ist die Meeresverschmutzung mit Plastikmüll gewaltig. Foto: Unsplash/Thomas Vimare

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Menge von Plastik im Meer wächst und wächst
  • Wir stellen drei Erfindungen gegen die Verschmutzung der Ozeane vor
  • Unterschiedliche Ansätze aus Australien, Niederlande und Deutschland – ein gemeinsames Ziel

100 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer

Laut Experten landen jedes Jahr bis zu zehn Millionen Tonnen Plastik im Meer. Die Ozeane ächzen unter der Belastung, und im Pazifik hat sich aufgrund unterseeischer Strömungen ein Flickenteppich aus Plastikmüll gebildet, der so groß ist wie Zentraleuropa: der „Great Pacific Garbage Patch“. Auf 2400 mal 800 Kilometern haben sich mittlerweile schätzungsweise 100 Millionen Tonnen Müll angesammelt – Tendenz steigend.

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Plastik im Meer gefährdet nicht nur die Existenz von Millionen Meerestieren, sondern wird über kurz oder lang auch den Weg in unsere Nahrungskette finden und das Leben der Menschen beeinträchtigen. Wie die Menschheit dieser Meeresverschmutzung Herr werden soll, ist noch ungewiss. Hoffnung machen aber Naturschützer, Ingenieure und andere Freiwillige, die sich weltweit des Themas annehmen.

Drei Ideen gegen Meeresverschmutzung

Der 2016 von den zwei australischen Surfern Andrew Turton und Pete Ceglinski erfundene Seabin ist ein erster Schritt. In ruhigen Gewässern wie beispielsweise Yachthäfen oder Buchten kommen seine Fähigkeiten am besten zum Tragen. Der etwa einen Meter hohe und mit einer runden Öffnung versehene Behälter treibt an der Wasseroberfläche und zieht durch eine eingebaute Pumpe Müll aus der Umgebung an.

Im Inneren befindet sich ein Filter, der das Wasser durchlässt und nur den Ausschuss behält. Er nimmt alles auf, was nicht ins Wasser gehört – sogar Mikroplastik ab einem Durchmesser von zwei Millimetern. Mit jeder Füllung kann er so bis zu 1,5 Kilogramm Müll aufnehmen.

Große Objekte werden von der Pumpe herangezogen, nicht mehr freigegeben und können bei der nächsten Leerung entfernt werden.

Einziger Nachteil dabei ist die händische Leerung, die am besten zweimal täglich vollzogen wird. Schwierigkeiten entstehen bei größeren Objekten. Ein besonderer Kniff sorgt aber dafür, dass sie von der Pumpe herangezogen, nicht mehr freigegeben und bei der nächsten Leerung entfernt werden können. Laut den beiden Erfindern ist das weltweite Interesse riesig – zwischen 3300 und 4100 US-Dollar (umgerechnet etwa 2600 bis 3300 Euro) kostet einer der Behälter derzeit.

Viel Aufmerksamkeit für Ocean Cleanup Array

Auch Europa macht sich seine Gedanken zu den Problemen des Plastik im Meer. Seit 2012 trägt der mittlerweile weltberühmte Niederländer Boyan Slat dazu bei: Schon als 17-Jähriger hatte er die Idee des Ocean Cleanup Array, die er mit einem Team aus Experten und Ingenieuren über Jahre hinweg entwickelt, getestet und verbessert hat. Nun befindet sich die Technik nach einigen Fehlschlägen auf dem Weg ins Meer und soll demnächst Plastikmüll zusammentreiben. Im Mai 2018 soll die „größte Aufräumaktion der Geschichte“ – wie es Slat selbstbewusst nennt – im Nordpazifik starten.

Das System gegen die Meeresverschmutzung funktioniert wie folgt: Auf luftgefüllten Planken aus Polyethylen treiben zwei v-förmige Arme. Die Strömungskraft der Meere treibt den Plastikmüll in Richtung des 3000 Kubikmeter großen Speichers, der an einer drei Meter ins Wasser ragenden Barriere befestigt ist. Diese ist wiederum am Meeresboden verankert, um sich nicht zu verselbstständigen.

Der besondere Clou ist, dass Lebewesen unter die Barrieren gedrückt werden, während das Plastik gefangen gehalten wird. Solarenergie treibt dabei die verwendeten elektronischen Komponenten an – somit ist die Erfindung komplett klimaneutral. Die ersten Entwürfe finanzierten sich über Crowdfunding, Spenden und einen Zuschuss der niederländischen Regierung.

Ziel von The Ocean Cleanup ist es außerdem, das gesammelte Plastik zu recyceln und an Unternehmen als Rohstoff zu verkaufen. Boyan Slat glaubt an eine hohe Nachfrage, weil die Firmen „auf einen Imagegewinn“ setzen dürften.

Ein Rochen gegen Plastik im Meer

Die Aachener Architektin Marcella Hansch hat sich ebenfalls Gedanken zu dem Thema gemacht und der Welt eine völlig neue Idee präsentiert, die für eine Revolution sorgen könnte. Sie will den Plastikmüll aus dem Ozean fischen und dabei noch Energie gewinnen. Ihr Entwurf erinnert dabei an einen überdimensionalen exotischen Rochen, der an drei Seiten geschlossen ist und im Ganzen 400 mal 400 Meter misst. Das Ganze nennt sie Pacific Garbage Screening.

Über Drahtseile soll die Konstruktion am Meeresboden verankert werden und sich mit der offenen Seite in die Strömung drehen. Da der Austausch zwischen Oberflächen- und Tiefenwasser einen beträchtlichen Teil der Plastiken bis in eine Tiefe von 30 Metern zieht, soll das Pacific Garbage Screening mit einer Vielzahl von 35 Meter tiefen Kielen ausgestattet sein. Diese sollen ihrerseits die Strömung aufhalten und die Plastikteile somit wieder an die Meeresoberfläche befördern.

Die Infografik beschreibt die Auswirkungen von Plastikmüll auf den weltweiten Klimawandel
Plastik ist einfach zu produzieren und leicht zu verwenden – doch die Auswirkungen von Plastikmüll auf die Umwelt sind fatal. Foto: Esther Gonstalla

Im Computermodell hat diese Technik bislang gut funktioniert. Marcella Hansch konnte zudem schon ein Team von 15 freiwilligen Experten aus allen Fachrichtungen (unter anderem Strömungsmechaniker, Bau- und Umweltingenieure, Geografen und Maschinenbauer) um sich scharen.

Wie bei solchen Vorhaben üblich, steht und fällt das Ganze mit der Finanzierung. Ohne externe Geldgeber aus Wirtschaft und Industrie ist das 2016 mit dem Bundespreis für Ecodesign ausgezeichnete Projekt gegen die Meeresverschmutzung nicht realisierbar.

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Erste Anfragen in der Branche zeigten der Aachenerin aber, dass ihr Traum vom Ende des Plastiks im Meer kein völliges Hirngespinst ist. Eine erste finanzielle Spritze würde zumindest die Umsetzung eines Prototyps in kleinerem Maßstab realisieren.

aio meint:

Bitte mehr davon! Der Schutz der Ozeane muss in den Fokus der Menschen rücken, auch kleine Ideen und Initiativen sind wichtig.

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