Technik

Plastic Roads: Holländer bauen Straßen aus Plastikmüll

von Paul Bandelin

Eine Firma aus den Niederladen will Straßen aus Plastikmüll bauen. Die Plastic Roads sollen besser sein als herkömmliche Straßen – und umweltfreundlicher.

Unterwasseraufnahme eines hellblau leuchtenden Gewässers.
Die Weltmeere sind voll mit Plastikmüll. Forscher denken jetzt darüber nach, wie sie diesen nutzen können. Foto: Shutterstock / Damsea

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Plastic Roads einer Firma aus den Niederlanden den Plastikmüll reduzieren sollen
  • Warum die Straßen fast keinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen
  • Wieso bei der Nutzung der Plastic Roads wiederum Mikroplastik entstehen könnte

Plastikmüll hat die Menschheit in den letzten Jahrzehnten nun wahrlich genug produziert – zehn Millionen Tonnen landen Schätzungen zufolge jedes Jahr in den großen Gewässern des Planeten.

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Nachdem er die Ozeane und Strände wie ein Krebsgeschwür befallen hat, wird es nun Zeit, das Plastik sinnvoll und nachhaltig einzusetzen. Ein niederländisches Unternehmen hat dafür eine ebenso einfache wie geniale Idee parat: Es will Straßen daraus bauen. Die sogenannten Plastic Roads sollen einfacher und günstiger zu bauen sein als herkömmliche Straßen – und zudem länger halten.

VolkerWessels, das zweitgrößte niederländische Bauunternehmen, präsentierte Ende 2015 seine Idee: Das Konzept sieht vor, den Plastikmüll aus dem Meer zu fischen und anschließend unter hohem Druck in kastenförmige Elemente zu pressen. Diese Elemente könnten als Bausteine für Straßen ausgelegt werden – wie bei LEGO.

Innen sind sie hohl und können somit für Rohrleitungen, Kabel oder andere Stromzuführungen genutzt werden, die beispielsweise eine Smart City benötigt.

Fast unsichtbarer ökologischer Fußabdruck

Die Vorteile der Plastic Roads liegen auf der Hand: Die Technik ist leicht und benötigt kein aufwendiges Fundament. Zudem bedürfen sie eines geringeren Instandhaltungsaufwandes und geraten auch bei für andere Straßenbeläge schädlichen Temperaturen noch nicht ins Wanken.

Zwischen -40 und 80 Grad sollen die Straßen aus Plastikmüll vertragen können und somit dreimal so lange halten wie herkömmliche Straßen. An dieser Stelle bringt die Langlebigkeit von Plastik etwas Positives mit sich. Die leichte Konstruktion sorgt neben einem einfachen Transport auch für eine ungewohnte Geräuscharmut bei den jeweiligen Anwohnern.

Eine weitere Besonderheit ist der geringe ökologische Fußabdruck, den die neuen Straßen hinterlassen sollen. Zum einen wird für die Konstruktion und den Transport kein schweres Gerät benötigt, und zum anderen ist die Straße aufgrund ihres modularen Aufbaus schnell und leicht zu reparieren – es kann einfach ein Teil entfernt und das nächste an gleicher Stelle eingesetzt werden.

Der fehlerhafte Abschnitt kann recycelt und durch den gleichen Herstellungsprozess zu einem neuen Element verarbeitet werden.

Verteilung von Mikroplastik als Gefahr

Die Stadt Rotterdam hat gleich nach der Vorstellung der Plastic Roads öffentlich Interesse geäußert und angeboten, das stadteigene Straßenlabor für eine weitere Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Eine Teststrecke gibt es allerdings noch nicht, da vorher noch einige Unwägbarkeiten geklärt werden müssen.

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So stellt sich zum einen die Frage, wie die Oberfläche der Elemente strukturiert sein muss, damit die Autos auch bei Regen und Schnee genügend Haftung haben, sich aber der Verschleiß an den Reifen gegenüber Asphalt nicht verschlechtert. Zudem wurde noch nicht untersucht, wie sich die Plastic Roads im Falle eines brennenden Autos verhalten.

In größtem Maße Sorgen bereitet den Forschern jedoch der Abrieb der Straße durch den Verkehr. Durch Abrieb könnte Mikroplastik entstehen, und die Partikel könnten in den Wasserkreislauf und so über die Umwelt in die Körper der Menschen gelangen. Das würde den weltweiten Bemühungen entgegenlaufen, das Problem von Mikroplastik zu reduzieren.

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