Elektromobilität

Pedelec, Lastenrad und E-Tretroller: Der Kampf um den Radweg

von
Marten Zabel

E-Tretroller und andere Last-Mile-Fahrzeuge teilen sich jetzt den Radweg. Das könnte eng werden, wenn die Politik nicht rechtzeitig reagiert.

Eine Straße mit Radweg-Markierungen aus der Vogelperspektive.
Verschiedene Verkehrsmittel beanspruchen Platz im öffentlichen Raum – aber der ist begrenzt. Foto: getty images

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum es trotz Ausbau auch künftig zu wenig Radwege gibt
  • Welche Fortbewegungsmittel neben E-Tretrollern künftig hinzukommen
  • Was die Politik tun müsste, um mehr Platz auf den Fahrradwegen zu schaffen

Ein großer Teil der Mobilität verlagert sich vermutlich in den kommenden Jahren auf alternative Fahrzeuge mit Elektroantrieb: Personenbeförderung auf der kurzen Strecke wird mit E-Tretrollern und anderen Last-Mile-Fahrzeugen stattfinden. Und innerstädtische Paketlieferungen können per Lastenrad oft günstiger und schneller durchgeführt werden als mit klassischen Lieferwagen

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Das stellt die städtische Infrastruktur vor neue Herausforderungen: Der Radweg wird als Verkehrsfläche immer wichtiger – und es gibt immer mehr Akteure, die ihn nutzen wollen.

Das Lastenrad im Lieferdienst

Eine Studie des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt aus dem Jahr 2016 hat ergeben, dass zwischen acht und 23 Prozent aller Fahrten von Lieferwagen unter 3,5 Tonnen auch mit Lastenrädern erledigt werden können.

Das haben die großen Paketdienstleister inzwischen durchaus erkannt, da es für sie viele Vorteile bringt, vom Lieferwagen auf Lastenräder mit und ohne Hilfsantrieb umzusteigen: Keine Treibstoffkosten, geringere Lieferzeiten auf kurzen Strecken und keine Probleme bei der Parkplatzsuche.

Für die Straßen- und Parkplatzsituation in den verstopften Innenstädten sind das gute Nachrichten. Für die Radwege hingegen nicht, denn auf denen wird es damit deutlich enger: Lastenräder können bis zu eine halbe Tonne Gewicht mitbringen und mehrspurig auch breiter werden, als die Fahrzeuge, für die ein durchschnittlicher Fahrradweg ausgelegt ist.

Fahrradstraßen, wie sie einige größere Städte inzwischen zögerlich einrichten, können dabei Abhilfe verschaffen, sind aber keine vollständige Lösung für die Problematik. Außerdem ist die Rechtslage für Fahrzeuge wie elektrische Mofas hier noch völlig unklar und von Ausnahmeregelungen geprägt, die auf jeder der wenigen Fahrradstraßen zu anderen Rahmenbedingungen führen.

E-Tretroller kommen 2019 dazu

Zumal noch eine weitere Fraktion von neuen Verkehrsteilnehmern auf die Radwege drängt, und zwar nicht von der Straße, sondern vom Fußweg her: Elektro-Tretroller werden im Mai endlich eine rechtliche Grundlage erhalten – und damit zu einem weiteren Benutzer des Radwegs.

Im Gegensatz zu Lastenrädern, Fahrrädern und Pedelecs fahren die kleinen Gefährte zwar ohne Muskelkraft und rein elektrisch, ihre Geschwindigkeit muss laut Gesetzgeber allerdings auf 25 Kilometer pro Stunde begrenzt sein. Die Benutzungspflicht für Radwege ist dabei ebenso vorgesehen wie ein Versicherungskennzeichen und die Helmpflicht – anders als bei den genauso schnellen aber mit Muskelkraft unterstützten Pedelecs.

Fahrradwege: Ausbau geht nicht schnell genug

Es gibt in der Politik zwar durchaus Überlegungen, die Radwegpflicht für mehrspurige Lastenräder aufzuheben und sie damit auf die Straße zu lassen. Diese Gedanken sind allerdings noch lange nicht spruchreif.

In Städten gibt es, je nach Region, meist vier verschiedene Verkehrswege: Fußweg, Radweg, Straße und Schiene. Die aktuelle Entwicklung geht dahin, dass viele Kommunen die Radwege zwar ausbauen wollen, diese aber mit immer neuen Fahrzeugen auch stärker belastet werden als der Rest: Elektrofahrzeuge, die nicht groß oder schnell genug sind, um als Autos durchzugehen, sollen den Radweg in größerem Maße nutzen, und mit mehr Lastenrädern wird Verkehr von der Straße weg verlagert.

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Der Radweg ist als Sammelbecken für alles, was im Verkehr zwischen Fußgängern und Autos unter "ferner liefen" unterwegs ist durchaus sinnvoll, in der Praxis aber nicht dafür ausgelegt. Entsprechend liegt es an der Politik und der Stadtplanung, ihn auszubauen und ihm den Raum zu geben, den er für seine neuen Funktionen braucht.

Das schafft Sicherheit für die Fußgänger aber auch mehr Entspannung für den Autoverkehr – denn Lasträder, Pedelecs und Co. benötigen natürlich deutlich weniger Platz als Lieferwagen und Pkw. Dafür muss die Politik allerdings auf die im Wandel befindliche Realität reagieren, dass sich das Verkehrswesen in der Stadt ändert und künftig mehr Energie in Form von Strom und Muskelkraft verwenden wird als in Form fossiler Brennstoffe.

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