Elektromobilität

E-Autos abschleppen: Diese Besonderheiten sollten Sie beachten

von Gertrud Teusen

Was ist, wenn das E-Auto liegen bleibt? Ist es hier möglich, selbst zu reparieren? Und sind Pannenhelfer notwendig? aio hat sich schlau gemacht.

Eine gewundene Straße, umgeben von Wiesen und leichten Bergen auf der ein rotes Auto fährt.
Irgendwo im Nirgendwo: Mit dem Auto liegen zu bleiben ist nie angenehm. Beim E-Auto gibt es aber einige Besonderheiten, die Sie beachten sollten. Foto: CC0: Unsplash/Simon Hattinga Ver

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Pannen mit dem E-Auto aus der Statistik fallen
  • Wie die leere Batterie zum Pannengrund Nummer eins wird
  • Wieso Abschleppen bei E-Mobilität noch keine Routine ist
  • Welche Besonderheiten gilt es beim Abschleppen von E-Autos zu beachten?
  • Weshalb die gelben Engel meist nur elektrotechnisch unterwiesene Personen sind

Warum Pannen mit dem E-Auto aus der Statistik fallen

Laut ADAC-Statistik rückten 2017 die „Gelben Engel“ rund 4 Millionen Mal aus, um liegen gebliebene Fahrzeuge wieder flott zu machen. Bei knapp 40 Prozent aller Einsätze war die "Batterie" der Grund.

Insgesamt spielen E-Autos in dieser Statistik kaum eine Rolle. Ein Problem, das sich statistisch nicht messen lässt, ist keins – möchte man denken. Doch Thomas Reynartz von der ADAC-Pannenhilfe sieht das durchaus anders:

"Es gibt derzeit noch verhältnismäßig viel mehr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und da sich der Bestand auch nur sehr langsam erneuert – das Durchschnittsalter der Pannen-Fahrzeuge liegt bei über neun Jahren – wird sich in den nächsten Jahren an der Arbeit der Pannenhelfer (und der Statistik) wohl noch nicht so viel ändern", so Reynartz.

Dennoch erhält die Elektromobilität Zuwachs, wenn auch langsam: 2016 fuhren mehr als 11.000 E-Autos auf deutschen Straßen. Fakt ist: Verlässliche Pannenstatistiken für Elektroautos gibt es bislang nicht. Dafür aber jede Menge Besonderheiten, die man beachten sollte, wenn das Fahrzeug dann doch mal liegen bleibt.

Wie die leere Batterie zum Pannengrund Nummer eins wird

Derzeit sind in Deutschland über 20 rein elektrisch fahrende Modelle von 14 verschiedenen Herstellern auf dem Markt. Die Reichweiten laut Herstellerangaben variieren je nach Größe der Batterie und des Fahrzeuges. Die Faustformel lautet: Je mehr Reichweite, desto teurer das E-Auto. Sie liegt also bei 150 Kilometern (etwa beim Citroën C-Zero) und reicht bis zu 600 Kilometern bei Tesla-Modellen.

Das Worst-Case-Szenario für Elektroautofahrer ist, wenn der Akku schwächelt, bevor die nächste Ladestation erreicht ist. Anders als beim Verbrenner hilft hier kein Ersatzkanister – ist der Akku leer bleibt man zwangsläufig liegen.

Bei Minusgraden im Winter und Heizung im Auto kann man locker 25 Prozent von der Reichweite abziehen.

ÖAMTC Reichweiten Testbericht

Faktoren, die die Reichweite beeinflussen

Der tatsächliche Verbrauch von E-Autos ist von verschiedenen Faktoren abhängig. So spielt die Jahreszeit eine maßgebliche Rolle. Bei Minusgraden im Winter und Heizung im Auto kann man locker 25 Prozent von der Reichweite abziehen. Das hatte beispielsweise der ÖAMTC im Testbetrieb herausgefunden.

Eine Reichweitenanzeige im Elektroauto.
Die Batterie ist nicht nur im Diesel oder Benziner der häufigste Grund fürs Liegenbleiben. Auch beim E-Auto ist ein leerer Akku die Hauptursache für den Anruf beim Pannendienst. Foto: picture alliance

Übrigens: "Klimaanlagen im Sommer beschränken die Reichweite ebenfalls, allerdings weniger stark als die Heizungen", so die Tester.

Im Alltag mit E-Autos lernt man recht schnell, dass auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Beispielsweise der persönliche Fahrstil oder die Routenwahl:

"Trotz des Ausbaus der Elektromobilität bleiben leere Batterien der Hauptgrund, warum Autofahrer Pannenhilfe benötigen. Bei E-Autos ist das immer noch der Klassiker", sagte ein ÖAMTC-Pannenhelfer in einem Zeitungsinterview.

Ist die Batterie erst einmal leer, dann kann auch der Pannenhelfer nichts mehr tun, außer, den Abschleppdienst zu rufen. Mobile Ladestationen an Bord von Pannenfahrzeugen gibt es noch nicht.

Wieso Abschleppen bei E-Mobilität noch keine Routine ist

Die hohe Kunst der Pannenhilfe bei E-Autos beginnt (und endet) häufig mit dem Abschleppen. Generell ist das Risiko, dass am Elektroantrieb etwas kaputt geht, geringer als bei Verbrennungsmotoren.

"E-Mobile haben viel weniger bewegliche Verschleißteile, anfällige Bauteile wie Getriebe oder Abgasanlagen gibt es nicht. Elektromotoren gelten außerdem als robust und langlebig", erklärt der ADAC. Allerdings fehlen vielfach noch die Erfahrungswerte.

Auch nach dem Ausschalten des Hochvolt-Systems kann eine Restspannung vorhanden sein – je nach Hersteller noch mehrere Minuten.

VGB Information zu Pannen mit E-Autos

Welche Besonderheiten gilt es beim Abschleppen von E-Autos zu beachten?

Bleibt ein E-Auto (aus welchem Grund auch immer) liegen, ist in den meisten Fällen eine Abschleppaktion notwendig. Mit wenigen Handgriffen vor Ort lassen sich mögliche Defekte eher selten beheben. Qualifizierte Pannenhelfer werden jedoch geschult, wie man E-Autos stromlos macht und wie man sie für ein Abschleppen absichert:

  • Zündschlüssel abziehen (Achtung: Transpondersysteme schalten sich automatisch bei Annäherung ein)
  • Danach Trennstecker/ Disconnector der Hochvolt-Batterie ziehen
  • Ein unbeschädigtes Fahrzeug kann immer auf ein Bergungsfahrzeug (Plateaufahrzeug) verladen werden
  • Beim Abschleppen mit Seil oder Stange sind die Herstellervorgaben zu beachten
  • Beim Ziehen mit einer Winde dürfen sich keine Hochvolt-Komponenten im Bereich der Anschlag oder Ansetzpunkte befinden und beschädigt werden
  • Das gilt auch beim Heben mit einem Wagenheber oder Ladekran

Alles nicht so einfach – denn jedes Modell hat andere Voraussetzungen und empfohlene Vorschriften. Was diese im Besonderen sind, erfährt man vom Hersteller.

Im Rettungshandbuch des BMW i3 liest es sich beispielsweise so:

  • „Das Fahrzeug darf nicht über die Achsen geschleppt werden, da durch den Elektromotor eine Spannung in das Hochvolt-System eingespeist werden könnte.“
  • Auch das Schieben per Hand aus der Gefahrenzone darf nur „über maximal 500 Meter und in Schrittgeschwindigkeit erfolgen“
  • Und weil das mehr oder minder für alle E-Autos gleichermaßen gilt, ist der Hänger zum Abtransport das Mittel der Wahl

Aber selbst beim Verladen ist Vorsicht geboten:

  • Der Tesla S darf nur an vier speziellen Hebepunkten angehoben werden, weil sonst die unter der Bodenplatte montierte Hochspannungsbatterie brechen könnte
Ein Abschleppseil mit Karabiner, der gerade an einem Auto befestigt wird.
Ziehe oder heben? Beim normalen Auto ist das oft nicht so entscheidend. Beim E-Auto kann das Ziehen beim Abschleppen aber großen Schaden anrichten. Foto: picture alliance / dpa Themendie

Ja und dann ist da noch die Sache mit der Restspannung. „Auch nach dem Ausschalten des HV-Systems kann eine Restspannung vorhanden sein – je nach Hersteller noch mehrere Minuten. Es wird empfohlen unbedingt die Kennzeichnungen zu beachten!“ erklärt der VGB in seiner Broschüre „Elektro- und Hybridfahrzeuge – Tipps und Infos zum sicheren Umgang und zur Pannenhilfe.“

Fazit – was gilt es zu beachten: Learning-by-doing ist also keine so gute Idee, das Studium der Herstellerinformationen jedoch schon. Eine gute Alternative ist das Warten auf den Profi von der Pannenhilfe.

Weshalb die gelben Engel meist nur elektrotechnisch unterwiesene Personen sind

Das Berufsbild der „Gelben Engel“, wie man beispielsweise die Pannenhelfer des ADAC nennt, hat sich geändert. Heute ist für sie der Tablet-PC fast ebenso wichtig, wie der Schraubenschlüssel.

Schon seit einiger Zeit werden die Mitarbeiter für die Hochvolt-Systeme geschult – denn nur dieses Personal darf unter die Haube und auf die Batterie des E-Autos schauen.

Viel mehr dürfen sie allerdings nicht, denn sie sind als EuP (die Abkürzung steht für „Elektrotechnisch unterwiesene Personen“) zertifiziert – und das entspricht der niedrigsten Stufe der Qualifikation. Das bedeutet, der ADAC- oder ÖAMTC-Fahrer erkennt Hochvolt-Teile, darf aber nicht an ihnen arbeiten.

Sie kennen also die Gefahren, die von der Hochvolt-Technik ausgehen. Das ist notwendig, weil E-Autos über Hochvolt-Netze mit einer Spannung von 400 bis 600 Volt verfügen – ein Stromschlag wäre hier tödlich. „Allerdings“, so der ADAC, „verhinderten Sicherheitsvorkehrungen, dass die Karosserie unter Spannung gerät.“

Die Weiterbildung der Pannenhelfer ist allerdings obligatorisch. Schutzhandschuhe, Schutzbrille und Messgerät gehören mittlerweile zur Standardausrüstung der Pannenfahrer. Hinzu kommen eine Technik-Hotline, die ständig besetzt ist, und eine Datenbank mit Tipps und Tricks, die online jederzeit zugänglich ist. Beim österreichischen Automobilclub ÖAMTC werden die Erfahrungswerte bei Panneneinsätzen mit Elektroautos in einer eigenen Plattform gesammelt.

Fazit: Wie gefährlich ist eine Panne mit dem E-Auto?

Generell sind Fahrer und Pannenhelfer keiner elektrischen Gefährdung ausgesetzt, selbst im Falle einer Panne. Das ist systembedingt und durch eine Vielzahl von Maßnahmen der Hersteller abgesichert, solange zur Störungsbeseitigung keine Eingriffe in die HV-Anlage notwendig werden.

Allerdings sind die Systeme von E-Auto zu E-Auto je nach Hersteller verschiedenen. Einzig die orangefarbene Kennung der Stromführenden Kabel ist einheitlich.

Das ausführliche Studium der Hersteller-Informationen und des Rettungsdatenblatts ist deshalb dringend zu empfehlen.
Oder wie Tesla im Rettungshandbuch schreibt: „Eine Nichtbeachtung der empfohlenen Vorgehensweisen kann zu schweren oder tödlichen Verletzungen führen."

Neu angetrieben

Nachhaltigkeit bei Audi.

Mehr erfahren

Fakt ist: An E-Autos sollten ausschließlich Vollprofis ran.

Welche Risiken es beim Laden des Elektroautos gibt – und wie Sie diese vermeiden – das erfahren Sie ebenfalls bei aio.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.