Elektromobilität

Elektro-Pionier Oslo: Boom und Krise liegen so nah beieinander

von Leonie Butz

Zu wenige Lademöglichkeiten für zu viele Elektroautos: Oslo steckt in der E-Krise. Die Stadt ist aber nur ein Beispiel für Länder, die auf Elektro umstellen wollen.

Oslo: Boom und Krise liegen so nah beieinander
Oslo geht der Saft aus: Der E-Auto-Boom überfordert die Metropole. Foto: CC0: Pixabay/AlexvonGutthenbach-

Das erfahren Sie gleich:

  • Oslo im Elektro-Boom: Die Stadt ist von der Nachfrage überfordert
  • Hand in Hand mit Vermietern und Wohnungsgenossenschaften will die Stadt das Problem in den Griff bekommen
  • Wie in Oslo wird es allen großen Städten mit der Elektromobilitätswende ergehen

Oslo: Die Metropole der Elektromobilität

Kaum eine Stadt macht es für seine Bewohner so attraktiv wie Oslo, ein Elektroauto zu fahren. Mehrwertsteuer, Importsteuer, Kfz-Steuer: All das fällt weg, wenn sich die Norweger für ein Elektroauto entscheiden – das macht ein E-Auto rund fünfzehn Prozent günstiger als einen Verbrenner. Kein Wunder also, dass derzeit 40 Prozent der neu zugelassenen Autos in Oslo Elektro- oder Hybridautos sind. Im Ballungsraum rund um die Stadt sind 50.000 Elektroautos und 30.000 Hybridautos registriert. Zum Vergleich: In ganz Deutschland sind es nur rund 32.000 Elektroautos. Und auch bei den Ladestationen rüstet Oslo kräftig auf: Die Kommune verfügt laut der Stadtverwaltung bereits über 1300 kommunale Ladestationen. Und jedes Jahr kommen derzeit 26 Prozent dazu.

Oslo: Die Metropole der Elektromobilität
Eine Stadt ohne Strom: Für rund 80.000 E- bzw. Hybrid-Autos reichen die Ladestationen in Oslo nicht aus. Foto: CC0: Pixabay/MabelAmber

In Oslo leben rund 60 Prozent der Einwohner in Wohnungen statt in eigenen Häusern mit Garagen.

Aber das, so hat die Stadt festgestellt, reicht noch lange nicht aus. Deshalb rät die Elektrowagenvereinigung des Landes inzwischen vom Kauf eines E-Fahrzeuges ab. Auf der anderen Seite macht die Stadtverwaltung den Wohnungsbaugenossenschaften und großen Vermietern Druck, in ihren Parkgaragen Steckdosen für Elektroautos zu installieren. Denn in Oslo leben rund 60 Prozent der Einwohner in Wohnungen statt in eigenen Häusern mit Garagen. Außerdem fordert das Land seine Nachbarländer auf, in gleichem Maße wie Norwegen die Elektromobilität zu fördern. Denn nur so könnten die Unternehmen in großem Maße produzieren und ihre Produkte entwickeln.

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Der Boom macht vor keiner Stadt halt

Aber dieses Problem ist nicht auf Oslo beschränkt: Auch in Deutschland sehen Experten genau diese Schwachstellen für den Elektro-Boom. Weniger Reichweite als Benziner bedeutet, dass die Elektroautos eher auf kurzen Strecken zum Einsatz kommen, etwa in der Stadt. Dort haben aber nur die wenigsten eine eigene Garage oder einen Stellplatz, an dem sie eine Ladestation für das Elektroauto montieren können. Auf dem Land hingegen, wo Raum für die eigene Station gegeben wäre, ist die geringere Reichweite im Vergleich zu Verbrennern noch immer unattraktiv für Kunden.

Auch auf London kommen Probleme zu, wenn Großbritannien tatsächlich bis 2040 komplett auf Elektrobetrieb umstellen will.

Dieses Paradoxon tritt in Oslo gerade deshalb so stark zu Tage, weil der Staat den Kauf von Elektroautos so stark fördert. Das Problem hingegen ist nicht prinzipiell auf Norwegen beschränkt. Alle Städte, die auf Elektromobilität umrüsten wollen, müssen sich dem stellen. Ähnliche Probleme kommen sicherlich auch auf London zu, wenn Großbritannien tatsächlich bis 2040 komplett auf Elektrobetrieb umstellen will. Die Mega-City, in der der größte Teil der Bevölkerung in Wohnungen und nicht in eigenen Häusern mit Garagen wohnt, wird sich sicherlich auch auf eine E-Krise einstellen müssen.

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