Elektromobilität

Die französische Stadt Orléans will den Nahverkehr komplett elektrisieren

von
Carola Franzke

Von der Straßenbahn bis zum Bus: Die französische Stadt an der Loire plant, den öffentlichen Nahverkehr bis 2024 komplett auf Elektroantriebe umzustellen.

Der Bahnhof in Orléans.
In Orléans wird der Nahverkehr immer mehr elektrisiert: Von der Straßenbahn, über den Bus, bis hin zum Sammeltaxi soll bald alles mit Elektroantrieb laufen. Foto: Shutterstock / Liudmyla Leshchynets

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Orléans bis 2024 den Nahverkehr komplett auf Elektro umstellen will
  • Wie die elektrische Straßenbahn den Weg für den Elektro-ÖPNV ebnet
  • Wie die Elektromobilität auch in anderen Städten auf dem Vormarsch ist

Orléans will den kompletten Nahverkehr innerhalb der nächsten sechs Jahre elektrifizieren: Ab 2024 sollen alle Fahrzeuge und Verkehrsmittel, die zum ÖPNV der Stadt gehören, mit Elektroantrieb fahren. Einen entsprechenden Vertrag haben die 22 Gemeinden aus der Region Orléans mit dem Transportunternehmen Keolis geschlossen. Die Stadt in Zentralfrankreich hat etwa 280.000 Menschen im Einzugsgebiet, und es gibt bereits eine elektrisch betriebene Straßenbahn mit zwei Linien im Stadtkern.

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Folgen sollen die Busse, die in der Stadt verkehren, sowie die Fahrzeuge, die "on demand" vor allem in den Außenbezirken von Orléans verkehren. Auch sie sollen komplett auf Elektroantrieb umgestellt werden. Zudem will die Stadt mehr als 1100 Elektroräder anschaffen. Die Rede ist von "long term rentals", also Dauermietern – ein ähnliches Konzept verfolgt derzeit auch Paris. Doch wie genau die Räder ins neue Verkehrskonzept eingebunden werden, ist noch offen.

Es lässt sich aber vermuten, dass sie die bisher vorhandenen Mieträder ergänzen sollen: Aktuell gibt es schon eine Art Stadtrad-Programm, bei dem Nutzer verschiedene Arten von Abonnements mit Laufzeiten von drei Monaten bis zu einem Jahr abschließen können. Neben all diesen Plänen will die Stadt auch die Transportdienstleistungen für Menschen mit Gehbehinderungen verbessern.

Spezialisten für Elektromobilität und Autonomie

Die Verantwortung für die Umstellung liegt bei Keolis, dem Betreiberunternehmen des öffentlichen Nahverkehrnetzes in Orléans namens "TAO": Transports de l'agglomération orléanaise, was soviel heißt wie "Sammeltransporte in Orléans".

Die Straßenbahn in Orléans.
Kein neues Prinzip, aber der Ausgang für die Elektrifizierung: Die Straßenbahn in Orléans. Foto: Keolis

Keolis ist mit dem Betrieb des Nahverkehrs in Orléans seit 2012 beauftragt und hat mit dem neuen Vertrag eine Verlängerung um sechs Jahre bekommen. Das Unternehmen gehört zu 70 Prozent der französischen Bahn (SNCF) und ist weltweit in verschiedenen Städten in insgesamt 15 Ländern als Betreiber im öffentlichen Nahverkehr engagiert, darunter Boston, Las Vegas, Melbourne und Shanghai.

Für seine Projekte kooperiert Keolis mit dem französischen Hersteller autonomer Shuttlebusse, Navya, dessen Fahrzeuge unter anderem in Wien fahren. Unter anderem in Las Vegas fährt bereits ein autonomer Shuttleservice von Keolis.

Nach der kompletten Umstellung auf Elektromobilität des öffentlichen Nahverkehrs wird der TAO-Fuhrpark die geringste Emissionsrate aller französischen Nahverkehrsnetze haben, so Frédéric Baverez, CEO von Keolis.

Altbewährt: Elektrische Straßenbahnen

So ganz neu sind elektrische Fahrzeuge im Nahverkehr nicht: Fast alle Straßenbahnen, Trams oder Stadtbahnen werden elektrisch betrieben. In vielen Städten gehören sie seit Jahrzehnten fest zum Stadtbild, wie etwa in Leipzig, Düsseldorf, und den Metropolen Prag und Zürich. Dort sind die Tramstrecken mit der Stadt gewachsen, und die Autofahrer sind geübt in Begegnungen mit den Schienenfahrzeugen.

Die elektrische Straßenbahn in Aarhus.
In einigen Städten gehört die elektrische Straßenbahn seit Jahrzehnten zum Stadtbild – das dänische Aarhus entdeckte sie erst kürzlich für sich. Foto: Aarhus Letbanen

Andere Städte entdecken die Technik neu: So ist im Mai 2018 im dänischen Aarhus die erste Straßenbahn des Landes wiedereröffnet worden. Nachdem rund 50 Jahre zuvor die dortige Straßenbahn stillgelegt worden war, sollen nun insgesamt 110 Kilometer Strecke neu in Betrieb genommen werden. Sogar Pendler aus dem Umland werden in den Genuss des Schienenverkehrs kommen, sobald alle Genehmigungen vorliegen. Denn die Straßenbahn fährt bis weit vor die Tore der Stadt. Diesem Beispiel wollen auch die Hauptstadt Kopenhagen und Odense, drittgrößte Stadt Dänemarks, folgen.

Elektromobilität

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Die Elektro-Bahnen fahren zur Freude der Stadtbewohner ohne Abgase – denkt man an historische Stadtkerne wie in Prag oder Zürich, freuen sich auch Denkmalschützer über diese Tatsache. Unbestreitbarer Nachteil: Die meist üblichen Oberleitungen stören das ästhetische Empfinden von Stadtplanern. Bodennahe Stromschienen sind im Stadtverkehr allerdings als Alternative nicht empfehlenswert, da sie anfällig für Schneeverwehungen und Verschmutzungen sind. Von Gefahren durch Stromschlag für Menschen und Tiere ganz zu schweigen.

Insgesamt wiegen die ästhetischen "Nachteile" durch Oberleitungen vergleichsweise wenig. Und man kann sich nur wünschen, dass sich viele Städte ein Beispiel an Städten wie Orléans und Aarhus nehmen, und ganz oder teilweise auf Elektromobilität umstellen.

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