Leben

Organspende: Spenderorgane von Tieren sollen Menschen retten

von
Marten Zabel

Keine Wartelisten und keine Abstoßung: Spenderorgane von Tieren könnten in der Zukunft mit den Zellen eines Organempfängers aufbereitet werden.

Ansicht eines medizinischen Körpermodells mit geöffnetem Brustkorb und Blick auf die Organe.
Das geht ins Innerste: Weil die Zahl der Organspenden in Deutschland weiter rückläufig ist, könnten künftig speziell behandelte Schweinelungen transplantiert werden. Foto: Unsplash/Samuel Zeller

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Forscher mit Spenderorganen von Tieren arbeiten
  • Wieso die Spenderorgane nicht abgestoßen werden
  • Welche tierfreundlichen Alternativen es gibt

Warum Forscher mit Spenderorganen von Tieren arbeiten

Jeden Tag sterben weltweit Menschen, die auf Transplantationslisten stehen und vergeblich auf Spenderorgane warten. Es gibt Hoffnung, dass sich diese Situation irgendwann ändert und Tierorgane die Gesundheit und das Leben dieser Patienten retten werden.

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Ein neuer Forschungsansatz der Harvard Medical School experimentiert mit Lungen von Ratten und Schweinen. Dabei wird das genetische Material der Tiere aus den Organen ausgewaschen, so dass nur noch die Zellmembranen übrig bleiben.

Diese Masse ist dann sozusagen das Gerüst, auf dem mit Hilfe einer Nährlösung Stammzellmaterial des potentiellen Organspende-Empfängers angesiedelt wird.

Wieso die Spenderorgane nicht abgestoßen werden

Die verantwortliche Projektleiter Harald Ott sieht darin einen gewaltigen Schritt in der medizinischen Forschung. Da bei der Methode Zellmaterial des Empfängers verwendet wird, hofft er, dass die Organe gut angenommen werden.

Abstoßungsreaktionen sind bei Organtransplantationen ein riesiges Problem, und Empfänger einer Spende müssen üblicherweise ihr Leben lang sogenannte Immunrepressiva schlucken – Medikamente, die das Immunsystem daran hindern, das neue Organ wie einen Feind zu bekämpfen.

Mit der neuen Methode könnten Schweinelungen in der Tat irgendwann so aufbereitet werden, dass sie menschlichen Patienten eingesetzt werden können. Die Tiere sind Menschen biologisch sehr ähnlich.

Die Experimente an Rattenlungen werden wegen der Organgröße weitergeführt: In nur rund zwei Stunden ist eine Rattenlunge ausgewaschen, und es kann mit der Ansiedlung neuer Zellen begonnen werden.

Welche tierfreundlichen Alternativen es gibt

Ein weiterer Forschungsansatz, bei dem mit dem Zellmaterial des Transplantationsempfängers gearbeitet wird, ist der 3D-Druck von Organen. Das Verfahren ist zumindest aus Laiensicht ganz ähnlich: Das „Gerüst“, auf dem die Stammzellen angesiedelt werden, kommt dort allerdings aus dem Drucker anstatt von einem tierischen Spender.

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Warum die Zahl der Organspenden zurück geht

Die Zahlen bei den Organspenden sind rückläufig, Eurotransplant spricht von einem „historischen Tief“: Immer weniger Menschen in Deutschland sind zu einer Organspende bereit. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gab es 2016 nur 857 Organspenden – das sind knapp 30 Prozent weniger als noch 2011.

In vielen Ländern sehen die Quoten anders aus, denn dort ist jeder bis auf Widerruf ein potentieller Spender. Frankreich, Italien, Griechenland: Hier gilt, wer nicht ausdrücklich zu Lebzeiten widersprochen hat, kann bei entsprechender Eignung Organspender werden und so möglicherweise nach dem eigenen Tod noch Leben retten.

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