Gesundheit

OP in 360 Grad: Die Medizin entdeckt die VR

von Leonie Butz

OP in 360 Grad: Die Medizin entdeckt die VR
OP am Hirn in VR: Ein britisches Team von Chirurgen macht dies erstmals möglich – mit 360-Grad-Kameras auf dem Kopf. Foto: Unsplash/Piron Guillaume

Das erfahren Sie gleich:

  • In London filmten Chirurgen erstmals eine Hirn-OP in VR
  • Medizin-Studenten könnten zukünftig über VR lernen
  • VR-Videos könnten die Medizin weltweit vernetzen

Eine Hirn-OP als VR-Video? Das klingt erst einmal makaber, könnte aber in Zukunft die Mediziner weltweit live miteinander vernetzen.

Bei einer Hirn-OP in VR zuschauen

Zwei Männer in blauen Kitteln und Hauben ziehen mich durch einen schmalen Flur. Ich liege auf dem Rücken, sehe nur weiße Wände und ebenso weiße Deckenplatten. Das grelle Licht der Deckenleuchten blendet mich. Durch eine hellbraune Tür, die von zwei ebenso in blaue Kittel gekleideten Männern gehalten wird, fahre ich in einen Raum voller Schränke, Regale – und einer Deckenapparatur mit mehreren Teleskoparmen. Dann wird alles um mich herum schwarz. Gut, dass nicht ich es bin, die da liegt – ich sehe nur alles so, als wäre ich gerade selbst in dem Raum.

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Das Video bietet einen virtuellen Einblick in eine Hirn-OP, der für Medizin-Studenten als hilfreicher Lehrfilm dienen kann.

Mit diesen beklemmenden Bildern startet die OP in VR, die ein Team von Neurochirurgen am Royal London Hospital mit 360-Grad-Kameras filmten. Da die Chirurgen die Kameras einerseits am Kopf befestigt haben, andererseits aber auch Aufnahmen in unterschiedlichen Ecken des Raumes entstanden, kann der Nutzer zwischen der Perspektive des Arztes und der eines Zuschauers wechseln. Optimiert sind die Aufnahmen für VR-Brillen, aber auch ohne Brille sind die Aufnahmen faszinierend. Eigentlich ist das VR-Video als Lehrfilm für Medizin-Studenten gedacht, es bietet aber auch anderen Interessierten einen spannenden Einblick in eine Hirn-OP.

Zu Beginn gibt das Video den Zuschauern noch einige allgemeine Informationen zu Hirnaneurysmen auf den Weg, bevor die OP beginnt. Demnach leiden Frauen im Verhältnis 3:2 häufiger an lebensgefährlichen Hirnblutungen als Männer. Besonders betroffen sind Raucher zwischen 35 und 60 Jahren; Anzeichen können Übelkeit und Brechreiz, sehr starke Kopfschmerzen, verschwommene Sicht sowie Nackensteifheit sein.

VR: Ein Gewinn für die Medizin

Das allgemein populärste Umfeld, in dem VR zum Einsatz kommt, ist zwar noch immer die Spieleszene. Trotzdem bietet die Technologie auch in anderen Feldern spannende Möglichkeiten. So haben Reisebüros jüngst entdeckt, dass potentielle Kunden eher von der Buchung einer Kreuzfahrt oder einer Rundreise überzeugt werden können, wenn sie den Zielort vorher in VR sehen.

In der Medizin sind herkömmliche Livevideos schon seit längerem im Einsatz – etwa bei schweren Verletzungen auf hoher See. Und auch erste OPs mit AR-Brillen, die bei der Entfernung von Krebsgewebe helfen sollen, testete jüngst das Fraunhofer Institut. Mit der neuen VR-Liveübertragung könnten sich aber Experten aus der ganzen Welt hinzuschalten, um das operierende Team bei schweren OPs zu unterstützen.

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