Leben

Online vernetzt per Anhalter: Trampen ist wieder voll im Trend!

von Daniela Pemöller

Trampen ist wieder angesagt: Im digitalen Zeitalter fahren Menschen gut vernetzt mit Apps und Online-Portalen per Anhalter – und für den guten Zweck.

Ein Tramper streckt einen Daumen raus.
Daumen raus und los? Trampen ist heute meist komplexer und vernetzter. Foto: CC0: Unsplash/Atlas Green

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Menschen heute wieder mehr trampen
  • Wie Tramper online vernetzt für den guten Zweck reisen
  • Wie das Fahren per Anhalter den ÖPNV ersetzen könnte
  • Wie Sie sich beim Trampen vor Übergriffen schützen

Sie gehören zum Lebensgefühl der 70er Jahren wie Koteletten und Schlaghose: die Tramper. Die meist jungen Leute warteten damals an Raststätten und Autobahnen mit hochgestrecktem Daumen und Pappschild auf eine kostenlose Mitfahrgelegenheit.

Doch schon Mitte der 90er waren sie von Deutschlands Straßen fast verschwunden. Nun feiert das Fahren per Anhalter ein Comeback. Bei jungen aber auch älteren Leuten.

Trampen: Geldmangel oder politisches Statement?

Ein roter Punkt in der Windschutzscheibe des Autos signalisierte damals Hitchhikern, dass der Fahrer bereit war, sie mitzunehmen. Der Punkt galt als Protest gegen drastisch erhöhte Fahrpreise beim öffentlichen Nahverkehr. Heute fahren immer noch viele aus Geldmangel per Anhalter.

Doch einigen geht es auch um ein politisches Statement. Sie wollen umweltschonend reisen und den interkulturellen Austausch fördern. Manche trampen sogar, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Dabei lockt natürlich das Abenteuer.

Doch trampen war noch nie so einfach wie heute. Auch wenn die meisten Autofahrer mittlerweile meist blind ihrem Navi folgen und die Namen der Städte auf ihren Strecken gar nicht mehr kennen – geschweige denn Pausen für das entspannte Fahren einbauen.

Tramper sind online bestens vernetzt

Dafür sind die Anhalter von heute online bestens informiert. Sie tauschen sich über zahlreiche Tramper-Seiten im Internet aus und teilen Erfahrungen – zum Beispiel über gute Anhalter-Spots. Es gibt spezielle Hitchhiking-Apps wie HitchHiking oder Hitchhiking Maps mit Karten, die auch im Offline-Modus die besten Plätze für eine Mitfahrgelegenheit angeben.

Blogger Timo Peters, der übers Trampen ein eBook geschrieben hat und selber viel auf der Straße unterwegs ist, schwört auf diese Art zu reisen. "Es ist die maximalen Freiheit!" Außerdem entwickele man unterwegs seine Persönlichkeit.

Durchs trampen wirst Du schlagfertiger und geduldiger. Du lernst, mit unvorhersehbaren Situationen besser umzugehen und zu improvisieren. Das alles sind Fähigkeiten, die fürs Leben wichtig sind.

Blogger Timo Peters

... und reisen für den guten Zweck

Die Ersten, die in Deutschland das Trampen wiederbeleben wollten, war die Deutsche Autostop Gesellschaft „Abgefahren e.V.“ Seit 2007 engagieren sich ihre Mitglieder in Aufbau, Wartung und Betrieb von Ortsdatenbanken für Tramper und liefern online hilfreiche Tipps rund ums Trampen.

Vor zehn Jahren organisierte der Verein die erste deutsche Meisterschaft im Trampen. Zwölf Teilnehmern aus fünf Ländern waren dabei. Mittlerweile gibt es Tramperrennen auf der ganzen Welt. Viele davon finden sich auf der Webseite Hitchwiki.

Darunter auch BreakOut: Den Charity-Reisewettbewerb gibt es seit vier Jahren. Er ist auf Zweierteams ausgerichtet, die in 36 Stunden ohne Geld so weit wie möglich kommen müssen. Gestartet wird in München, Berlin oder Barcelona. Pro gereistem Kilometer sammelt jedes Team Spenden von seinen Teamsponsoren. In diesem Jahr gingen 109 Teams an den Start und bekamen über 76.000 Euro zusammen. Das Geld ging an die Organisation EinDollarBrille e.V.

Per Anhalter statt mit dem Bus

Auch Menschen aus ländlichen Gegenden, in denen der ÖPNV nicht so gut aufgestellt ist, entdecken das Trampen – neben dem Carsharing – auf kurzen Strecken wieder für sich. In vielen kleinen Ortschaften in Schleswig Holstein, Rheinland-Pfalz oder Baden Württemberg wurden in den vergangenen Jahren sogenannte „Mitfahrbänke“ aufgestellt.

Die Mitfahrerbank in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm).
Ein Schild zeigt das Fahrziel der Tramper an: Die Mitfahrerbank in Speicher im Kreis Bitburg-Prüm. Foto: dpa

Die Bänke verfügen über klappbare Richtungsschilder. So weiß ein vorbeifahrender Autofahrer gleich, wohin die Person möchte. Angeblich warte in der Regel selten jemand länger als zehn Minuten auf eine Mitfahrt in die nächste Stadt.

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Wie sicher ist Trampen?

Aber ist Trampen nicht gefährlich? Erst vor kurzem ist eine 28jährige, deutsche Studentin beim Trampen zu Tode gekommen. Laut einer Studie des Bundeskriminalamts Wiesbaden von 1989 ist das tatsächliche Risiko beim Trampen Opfer eines Verbrechens zu werden niedriger als allgemein gedacht.

Trotzdem sollten gerade Frauen einige Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen: Am besten nur bei Frauen oder Paaren mitfahren und möglichst nicht allein trampen. Außerdem sollte das Nummernschild des Autos sowie das Fahrtziel einer Vertrauensperson gleich zu Beginn der Fahrt per Handy mitgeteilt werden. Wer sich trotzdem noch unsicher fühlt, kann auf digitale Helfer zurückgreifen, die in Echtzeit den eigenen Standort an eine andere Person senden.

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