Technik

Öffentlicher Nahverkehr: In Arlington kommen Busse auf Bestellung

von Carola Franzke

Sinneswandel: Arlington macht den Sprung von "gar kein öffentlicher Nahverkehr" zum modernsten Ansatz überhaupt – mit autonomen Taxis und Bussen on demand.

Der Rangers Ballpark Arlington von oben.
Der Rangers Ballpark Arlington ist einer der meistfrequentierten Orte der Stadt – auch hier sollen autonome Taxis und Busse on demand operieren. Foto: Shutterstock / Felix Mizioznikov

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum in Arlington, Texas, die einzige Buslinie nach nur vier Jahren den Betrieb wieder einstellte
  • Wie sich die Metropole den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft vorstellt
  • Warum autonome Taxis und Busse on demand zwar dem Zeitgeist entsprechen – aber dennoch Kritik ernten

Arlington ist mit rund 400.000 Einwohnern nicht gerade eine Kleinstadt, zumindest aus europäischer Sicht: Laut Definition der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 ist der Ort mit mehr als 100.000 Einwohnern eine Großstadt – und sie hat keinen öffentlichen Nahverkehr.

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Die Stadt gehört zur Metropolregion Dallas-Fort-Worth und beherbergt immerhin das Baseballstadion Rangers Ballpark, sozusagen die Homebase der Texas Rangers, und das Stadion des Football-Teams Dallas Cowboys.

Neustart für öffentlichen Nahverkehr mit autonomen Taxis

Dennoch startete in Arlington erst 2013 die erste öffentliche Buslinie der Stadt: MAX, kurz für Metro ArlingtonXpress. Schon nach vier Jahren stellte die Stadt den Busverkehr allerdings wieder ein, weil im Durchschnitt nur 300 Passagiere täglich den Service genutzt hatten.

Arlington möchte sein Transportproblem aber nicht einfach auf sich beruhen lassen, sondern mit modernsten Mitteln ein Ende machen. Statt auf traditionelle Nahverkehrsmittel wie Busse oder Bahnen setzt die Stadtverwaltung zukünftig auf autonome Taxis und Mini-Busse on demand, also quasi auf Bestellung. Die sollen den öffentlichen Nahverkehr nun wieder beleben.

Im Sommer 2018 hat Arlington dafür ein Testprojekt von Drive.ai genehmigt: Ab Oktober sollen testweise autonome Taxis des Unternehmens im Amüsierviertel der Stadt verkehren, vorbei an den größten Attraktionen der Gegend, wie etwa den beiden großen Sportarenen und dem Six-Flags-Freizeitpark.

Noch ist es ein kleiner Test, um die Technik zu erproben: Zunächst werden nur drei autonome Taxis unterwegs sein. Und wie bei derartigen Testläufen üblich wird auch hier weiterhin ein menschlicher Sicherheitsfahrer mit im Fahrzeug sitzen, um im Zweifelsfall eingreifen zu können.

Langfristig soll die Kooperation mit Drive.ai den Weg für ein größeres Vorhaben ebnen: flächendeckender Service durch autonome Fahrzeuge on demand, der den traditionellen öffentlichen Nahverkehr mit festen Routen und Fahrplänen ersetzen soll. Der Test mit autonomen Taxis ist ein Teil dieses Vorhabens, gleichzeitig läuft bereits ein anderer Test mit Mini-Bussen.

Via bringt Mini-Busse on demand

Arlington unterstützt bereits Via, einen Mitbewerber von Uber und Lyft, der Mitfahrgelegenheiten on demand anbietet. Fahrgäste können per App einen Fahrtwunsch anmelden und werden dann in der App informiert, wann und wo der Mini-Bus hält.

Im Gegensatz zu den Mitbewerbern Uber und Lyft wird der Fahrgast bei Via aber nicht unbedingt vor seiner Haustür einsteigen können. Stattdessen fordert der Fahrdienst die Passagiere auf, zu einer bestimmten Straßenecke zu gehen, sodass das Fahrzeug möglichst wenig von der berechneten Route abweichen muss: Sie wird automatisch berechnet, damit alle Passagiere eine möglichst kurze Strecke fahren.

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Kritiker monieren, dass der Mini-Bus on demand zu teuer sei: Die Buslinie MAX konnte mit einer Tageskarte für fünf Dollar genutzt werden, mit Via kostet jede einzelne Fahrt drei Dollar. Dafür allerdings deckt Via ein deutlich größeres Areal ab – jedoch bisher nur bis neun Uhr abends. Wer also nach dem Kinobesuch nach Hause möchte, ist bislang noch auf andere Optionen angewiesen.

Das Verkehrskonzept weist derzeit noch Lücken auf, hat aber zweifellos großes Potential. Arlington könnte, wenn die Projekte erfolgreich sind, ein Vorbild für modernen öffentlichen Nahverkehr sein: Nahverkehr, der sich dem Lebensstil der Menschen anpasst, anstatt sie in feste Fahrpläne zu pressen.

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