Leben

Öffentliche Videoüberwachung: Straßenhunde tragen mobile Kameras

von
Paul Bandelin

Ein Unternehmen in Thailand stattet Straßenhunde mit Überwachungskameras aus. Das Ziel: Mehr Sicherheit für die Bürger – und mehr Sympathien für die Hunde.

Nahaufnahme eines Mischlinghundes, der mit offener Schauze nach links schaut.
Kommissar Rex: Hunde schaffen Sicherheit. Foto: Unsplash/Deonny Rantetandung

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Thailand mit Straßenhunden gegen die steigende Kriminalität vorgeht
  • Wie die öffentliche Videoüberwachung genau funktioniert
  • Wie stark die Überwachung in Thailand ausgeprägt ist

Kameraüberwachung kommt auf den Hund

Schätzungen zufolge gibt es in Thailand rund 100.000 streunende Hunde, die niemandem gehören und großen Teilen der Bürger ein Dorn im Auge sind. Genervte Bewohner prügeln, misshandeln und vergiften sie, kurz: Sie stehen in der gesellschaftlichen Rangordnung ganz unten. Ein weiteres massives Problem in Thailand ist die steigende Kriminalität, die die örtliche Polizei nicht in den Griff bekommt.

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Um gegen diese beiden Missstände vorzugehen, startete Samsungs Tochterunternehmen Cheil im März 2017 ein Projekt, dass dem Leben der Straßenhunde einen Sinn geben und gleichzeitig die Sicherheit im Land erhöhen soll: Sogenannte Watch Dogs wurden mit Überwachungskameras ausgestattet und sollen somit ihren Beitrag im Kampf gegen das Verbrechen leisten.

Versteckte Kameras in Smart Vests

Die Werbeagentur Cheil hat die streunenden Hunde mit sogenannten „Smart Vests“ ausgestattet. Die Überzieher wurden mit neuester Technologie ausgerüstet und in Zusammenarbeit mit Hunde-Experten der Soi Dog Foundation entwickelt, einer Rettungsorganisation für herrenlose Hunde.

Die bislang nur als Prototypen gefertigten Westen verfügen über eine sich unter der Schnauze des Trägers befindliche Kamera. Diese ist zwar nicht permanent eingeschaltet, aber wenn, überträgt sie in Echtzeit und mit 4G-Netzanbindung Bilder in die Zentrale. Darüber hinaus ist sie mit einer wiederaufladbaren Batterie versehen und wetterfest.

Der besondere Clou ist ein Detektor, der die versteckte Kamera einschaltet, sobald der Hund auffällig auf ein Ereignis reagiert. Dazu zählen hektisches Bellen oder auch ein signifikant erhöhter Puls des Tieres. Entscheidet der beaufsichtigende Beamte, dass eine Gefahrensituation vorliegt, rückt unvermindert eine Streife aus.

Wie lange das Pilotprojekt noch laufen soll und wie es in Zukunft weitergeht, steht noch nicht fest. Ob die Watch Dogs und die öffentliche Videoüberwachung wirklich für eine erhöhte Sicherheit sorgen, lässt sich noch nicht zweifelsfrei sagen – es gibt schlicht zu viele Unwägbarkeiten. So gibt es für die Hunde eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit, über ihre Überwachungskameras einen Fehlalarm auszulösen.

Das Projekt wird den Menschen das Gefühl geben, dass streunende Hunde die Nachtwächter für ihre Nachbarschaft werden können.

Pakornkrit Khantaprap, Cheil

Aus bürgerrechtlicher Sicht wären die Watch Dogs ein grober Einschnitt in die Privatsphäre der Thais, da die mit Kameras bewaffneten Straßenhunde eine Massenüberwachung erschaffen würden – gewissermaßen wäre jeder Quadratzentimeter des Landes unter Beobachtung.

Thailand würde einen ähnlichen Weg wie China beschreiten. Trotz dessen sind die ersten Rückmeldungen der Bürger auf die öffentliche Videoüberwachung durchweg positiv. Mit den Hunden in ihrer Umgebung fühlen sich viele Anwohner sicherer.

Starke Überwachung in Thailand

Mit zunehmender Sicherheit steigt in der Regel auch der Grad der Überwachung – und die hat in Thailand Tradition. Die Liste der Staatsstreiche ist lang, und seit dem letzten erfolgreichen im Jahr 2014 wird besonders das Internet massiv überwacht – zum Schutz des Königs, heißt es offiziell.

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Ein Kapitalverbrechen in Thailand ist die Majestätsbeleidigung. Auch deshalb sind die Sittenwächter rund um die Uhr damit beschäftigt, mögliche Gesetzesbrecher ausfindig zu machen. Eine als diffamierend interpretierte Nachricht kann dem Absender auch schon mal eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren einbringen.

Wie genau die Behörden im Netz agieren, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass sie in früheren Verfahren nahezu jedem der Angeklagten minutiös seine Aktionen im Internet aufzeigen konnten.

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