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Gesundheit

Ob Pflaster oder Tabletten – auch in der Medizin wird jetzt alles smart

von Leonie Butz

Pflaster, die Medikamente abgeben oder Tabletten, die ihre eigene Einnahme überwachen: Die Medizin wird smart. Aber was ist mit der Datensicherheit?

Ob Pflaster oder Tabletten – auch in der Medizin wird jetzt alles smart
Tabletten wissen, ob wir sie genommen haben – das könnte zukünftig tatsächlich möglich sein. Foto: Unsplash/freestocks.org

Das erfahren Sie gleich:

  • Pflaster könnten bald Wunden überwachen und Medikamente abgeben
  • Tabletten wissen zukünftig, ob und wann wir sie genommen haben
  • Experten warnen vor Gefahren für die Datensicherheit

Smarte Pflaster vernetzen Arzt und Patienten

Bei 1,8 Prozent der Operationen in Deutschland infiziert sich die Wunde nach dem Eingriff. Das klingt wenig, aber laut dem statistischen Bundesamt sind das jährlich 225.000 Wundinfektionen. Daraus resultieren einerseits rund eine Million zusätzliche Tage im Krankenhaus. Andererseits sterben rund 4.500 Patienten im Jahr an den Folgen der Infektion – so eine Schätzung des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an der Medizinischen Hochschule Hannover. Wundinfektion ist also ein sehr ernstzunehmendes Problem, dem sich auch die smarte Technologie widmet.

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Ein smartes Pflaster würde sowohl die Sicherheit der Patienten erhöhen als auch eine Verkürzung des Krankenhausaufenthalts mit sich bringen.

Mitte November stellte das kalifornische Start-up TracPatch ihr gleichnamiges Pflaster auf der Medizinmesse Medica in Düsseldorf vor. Das smarte Pflaster misst die Temperatur um die Wunde herum und kann so frühzeitig vor einer drohenden Infektion warnen. So könnte der Patient früher aus dem Krankenhaus entlassen werden, da die Ärzte die Wunde per Ferndiagnose überwachen können. Das System würde also sowohl die Sicherheit der Patienten erhöhen als auch eine Verkürzung des Krankenhausaufenthalts mit sich bringen.

Ein ähnliches Pflaster stellten Forscher der Technischen Hochschule Zürich gemeinsam mit dem Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie und dem Unispital Zürich Anfang 2017 vor. Anders als beim kalifornischen Start-up misst das Wundpflaster der Schweizer jedoch den pH-Wert sowie den Glukose- und Sauerstoffspiegel auf der Wunde, die Auskunft über den Zustand der Wunde geben. Spezielle Chemikalien im Pflaster reagieren mit den unterschiedlichen Stoffen und zeigen an, ob die Wunde sauber verheilt.

Smarte Pflaster vernetzen Arzt und Patienten
Ein Pflaster, das die Wunde überwacht: Im Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie (Empa) entwickelten Forscher eine solche Technologie. Foto: Empa

Ein etwas anderes smartes Pflaster stellten Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf der Medica in Düsseldorf vor. In Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School und der University of Nebraska-Lincoln haben sie ein Pflaster entwickelt, das Medikamente direkt in die Wunde abgibt. In gelförmigen Einlagerungen sind die Medikamente im Pflaster gespeichert. Über einen leichten Stromimpuls erwärmt sich das Gel und gibt so die gewünschte Menge an Medikamenten ab. Den Stromimpuls steuern Patienten oder Ärzte per Smartphone-App.

Smarte Tabletten oder Datensicherheit

Und auch Tabletten werden smart – bisher aber nur in den USA. Erstmals genehmigte die US-amerikanische Behörde für Lebensmittel und Medikamente (FDA) Tabletten, die mit Sensoren ausgestattet sind. Diese informieren den Arzt, wie oft der Patient die Tabletten nimmt. Bei den Tabletten handelt es sich um "Abilify MyCite", ein Medikament gegen Psychosen wie Schizophrenie oder Bipolare Störungen.

Offiziell nennt sich das System "digitales Schluck-Tracking". Dabei sendet die Pille ein elektrisches Signal, wenn sie mit Magensäure in Berührung kommt. Kupfer und Magnesium sind als Leiter in der Pille enthalten – völlig unbedenkliche Stoffe, wie die FDA vermerkt. Eine Benachrichtigung auf dem Smartphone des Arztes oder der Pflegekraft zeigt dann an, dass der Patient die Tabletten genommen hat. Das ist natürlich nur dann möglich, wenn der Patient dafür seine Einwilligung gegeben hat. Da das System noch nicht ausgereift ist, weist die FDA jedoch darauf hin, dass die Benachrichtigung noch fehlerhaft sein kann.

Bis smarte Pflaster oder Tabletten hierzulande verfügbar sind, wird es noch dauern – denn die Datensicherheit ist in Deutschland ein wichtiges Gut.

Problematisch bei all den Datensammlungen ist die Datensicherheit. Ganz besonders bei medizinischen Daten ist die Verpflichtung sehr hoch, diese mit Vorsicht zu behandeln und zu schützen. Die Horror-Vorstellung von Datenschützern sind Datensammlungen, die medizinische Details für Versicherungen einsehbar machen. Theoretisch könnten die Versicherungsbeiträge dann von der regelmäßigen Einnahme der Tabletten oder anhand des digital verfügbaren Gesundheitszustands abhängen. Aus diesem Grund wird es sicherlich noch einige Zeit dauern, bis smarte Pflaster oder Tabletten hierzulande verfügbar sein könnten – denn die Datensicherheit ist in Deutschland ein wichtiges Gut.

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