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Elektromobilität

Norwegen - Musterland der Elektromobilität

von Alexandra Felts

Gut 120.000 E-Autos in einem Land mit nur fünf Millionen Einwohnern: In Norwegen ist es normal, ein Elektroauto zu kaufen. Was können wir in Deutschland daraus lernen?

Norwegen - Musterland der Nachhaltigkeit
Gut behütet: Eine von rund 850 Schnellladestationen in Norwegen. Foto: Shutterstock.com/Marius Dobilas

Das erfahren Sie gleich:

  • Halter von Elektroautos zahlen in Norwegen kaum Kfz-Steuer
  • Jedes dritte Auto in Norwegen fährt mit alternativen Antrieben
  • Dabei ist das Land mit der Ölförderung reich geworden

Nur über die Kfz-Steuer geht es

In Deutschlands Städten gleicht die Suche nach Elektroautos auf den Straßen immer noch einem Wimmelbildspiel. In Oslo, der Hauptstadt von Norwegen, geht sie dagegen ganz einfach: "Ach, schon das fünfte Elektroauto in Folge auf der Karl Johans Gate!" So sieht sie also aus, die Zukunft, denn Norwegen ist in den letzten Jahren zu einem vielzitierten Musterland der nachhaltigen Mobilität gereift. Aber wie kriegen die Norweger es hin, dass mit derzeit über 120.000 Elektroautos und rund 50.000 Hybridmodellen statistisch knapp jedes dritte Auto bereits ohne klassischen Verbrennungsmotor auskommt?

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„Denken Sie bloß nicht, dass es einfach war, diesen Wandel in der Politik umzusetzen,” erinnert sich Ola Elvestuen, liberaler Abgeordneter im norwegischen Parlament und als ehemaliger Vizebürgermeister von Oslo einst an der Schaltstelle der Elektrifizierung. „Es herrschte nicht automatisch Konsens - es waren zäheste Verhandlungen. Aber wir wollen gemäß den Klimazielen von Paris Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu senken.”

Die Lehre für Deutschland lautet - es geht nur über hohe Rabatte bei den Steuern. Will sich jemand in Norwegen ein Elektroauto kaufen, bedeutet es konkret für ihn:

  • Der Staat erlässt die Mehrwertsteuer von 25 Prozent
  • Die Kfz-Steuer entfällt
  • Die Luxussteuer (bei Verbrennern bis zu 85 Prozent) wird nicht eingezogen
  • Halter von Elektroautos zahlen keine Mautgebühren
  • Das Parken in den Städten ist kostenlos

Das Elektroauto kostet Norwegen Millionen

Durch diesen Verzicht des Finanzministeriums ist zum Beispiel die elektrische Luxuslimousine Tesla Model S derzeit günstiger als ein herkömmlicher BMW 5er hierzulande. Die beherzte Weichenstellung kostet das Auto-Importland Norwegen allerdings Ausfälle in einem dreistelligen Millionenbereich. Durch das Nordseeöl ist das früher arme Norwegen reich geworden, aber auch von der Fluktuation am Energiemarkt abhängig. „Wir dürfen unseren Haushalt nicht überstrapazieren” sagt Politiker Elvestuen mit Blick auf Deutschland und seine Autobauer. Anders als England und Frankreich, die schon angekündigt haben, den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2040 verbieten zu wollen, planen die Skandinavier, ab 2025 Verbrennern das Leben noch schwerer zu machen. Schrittweise werden allerdings auch die finanziellen Vergünstigungen für Elektroautos abgebaut. Außerdem plant das Land laut dem Nachrichtenportal "VG" und dem Fernsehsender "TV2", eine Steuer auf besonders schwere Elektroautos zu erheben. Damit würde sich laut den Berichten ein Tesla Model X um rund 7500 Euro verteuern.

Alle 50 Kilometer eine Schnellladestation

„Wir haben eine interessante Situation in unserem Land", sagt Christina Bu, Generalsekretärin der norwegischen Vereinigung für Elektromobilität mit über 40.000 Mitgliedern. "Wir exportieren Öl, beziehen aber unsere Energie im Land zu fast 95 Prozent aus Wasserkraft, bieten also folglich nicht nur lokal emissionsfreies Fahren.” Auch wenn die günstigen Anschaffungskosten für ein Elbil (so heißt ein Elektroauto in Norwegen) verlocken: Ohne die passende Ladeinfrastruktur bleiben auch im Hohen Norden Hemmungen.

Wir exportieren Öl, beziehen aber unsere Energie im Land zu fast 95 Prozent aus Wasserkraft.

„In Oslo sieht es noch gut aus.” Wenn man mit einem Stromer dort unterwegs ist, entdeckt man beinahe soviel Ladestationen wie Parkuhren. „Jetzt müssen wir das Netz für das ganze Land ausbauen.” Ihr Ziel: circa alle fünfzig Kilometer eine Schnellladestation. Jetzt gibt es rund 850. „Ideal wäre in Zukunft auch eine Versorgung mit den noch schnelleren 150-kW-Geräten.”

Auch in Norwegen stehen viele auf SUV

Die Norweger haben natürlich dankend die staatlichen Anreize, die nicht ganz so bescheiden wie die deutsche Förderung der E-Autos und Hybride ausfallen, angenommen. Aber schmunzelnd erzählt sie, dass auch den Skandinaviern der Sinn nach dem boomenden SUV-Segment steht. „Da würde ich mir von den Herstellern nicht nur mehr Geländewagen, sondern auch Kombis mit E-Antrieb wünschen.” Mit dem „Think” und dem „Buddy” hatte Norwegen sogar schon einmal vor Jahren zwei eigene E-Mobile entwickelt. Die Produktion wurde mangels Nachfrage eingestellt.

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