Leben

Nie wieder einen Platten: Ein Reifen aus dem 3D-Drucker von BigRep

von
Sabrina Lieb

Der Airless-Reifen von BigRep kommt aus dem 3D-Drucker und soll nie einen Platten haben. Wie soll das funktionieren? Und ist das Konzept schon serienreif?

Stand-Luftpumpe vor einem blauen Hintergrund.
Ein Reifen aus dem 3D-Drucker, der keine Luft mehr verliert – kann die gute alte Luftpumpe jetzt in Rente gehen? Foto: Getty Images/ Creative Crop

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich der Airless-Reifen von BigRep an seine Umgebung anpasst
  • Was den Reifen aus dem 3D-Drucker so stabil macht
  • Wie andere Unternehmen mit dem 3D-Drucker Ersatzteile herstellen

Wenn der Fahrradreifen platt ist, muss er geflickt werden. Am Fahrrad den Schlauch oder die Reifen zu wechseln, dürfte wohl zu den häufigsten Tätigkeiten eines Radfahrers zählen. So gut die Qualität des Reifens auch ist, spätestens wenn der Zahn der Zeit am Material genagt hat, das Reifenprofil abgefahren oder durch Risse aufgrund von zu niedrigem Luftdruck porös ist, wird eine Erneuerung unausweichlich.

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Letzteres sehen die Gründer des Berliner Start-ups BigRep etwas anders. Ihr Versprechen lautet: "So habt ihr nie wieder einen Platten." Und verweisen dabei auf ihren neuen Reifen aus dem 3D-Drucker – der quasi eine unbegrenzte Lebenserwartung haben soll.

BigRep: Wie sich der Reifen an die Umgebung anpasst

BigRep wurde 2014 in Berlin gegründet. Seither arbeitet das Unternehmen mit Hochdruck an einer neuen Dimension des industriellen 3D-Drucks. So eröffnet der Drucker BigRep ONE mit seinem 1m3 Volumen völlig neue Möglichkeiten bei der Herstellung von 3D-Objekten. Seit einiger Zeit interessiert sich das Unternehmen für Fahrräder und präsentiert jüngst einen neuen Reifen, der angeblich Reifenpannen vermeidet.

Dabei erklärt das Unternehmen auch, dass ihr Reifen sich an jede Umgebung anpassen kann und so Radfahrern ermöglicht, das Profil und die innere Struktur des Fahrradreifens anzupassen. Damit soll der Reifen aus dem Drucker gleichermaßen für das Fahren in der Stadt als auch auf Bergpfaden geeignet sein, da er sich mitunter auch an das Klima anpasst.

Nie mehr ein Platten: Was macht den Reifen so stabil?

Doch ist ein 3D-gedruckter Reifen wirklich unzerstörbar? Laut den Gründern ist die Antwort "ja". Ein Grund dafür soll die Wabenstruktur sein, die der Airless-Reifen aus dem 3D-Drucker aufweist. Ein ähnliches Prinzip kommt bereits bei den von Michelin entwickelten Reifen zum Einsatz. Nur mit dem Unterschied, dass die Reifen aus dem Hause BigRep an jeden Typ von Fahrrad angepasst werden können.

Aber auch das Material trägt seinen Teil zur Stabilität bei. Ein Prototyp des Reifens besteht aus Pro Flex-Filament. Das Material für den 3D-Druck basiert auf Thermoplastischem Polyurethan (TPU). Die Vorteile des Materials:

  • TPU ist flexibel – und damit ideal für Reifen
  • Das Material weist eine gute Beständigkeit gegen hohe Temperaturen und Stöße auf
  • Es ist sehr haltbar
  • Und weist ein gutes Dämpfungsverhalten auf

Durch das additive Verfahren des 3D-Drucks entsteht so ein Reifen, der von der Konsistenz her weich und elastisch wie Gummi ist, jedoch keine Luft enthält und somit auch nicht platzen kann. Entworfen hat den angeblich revolutionären Reifen der Designer Marco Mattia Cristofori.

Reifen aus dem 3D-Drucker: Bisher nur ein Konzept

BigRep betont, dass es den 3D-Druck verwendet hat, um vor allem mehr Individualisierung sowohl für die Lauffläche als auch für die Radgröße bieten zu können. Darüber hinaus besteht der Reifen nur aus einem einzigen Material, womit er auch sehr einfach zu recyceln wäre. Klingt nach dem perfekten Reifen, der sicherlich auch ideale Anwendung bei E-Bikes und Pedelecs finden würde.

Einziges Manko: Der Reifen steht noch nicht zum privaten Verkauf. Der visionäre Reifen ist bislang nur ein Konzept-Design, mit dem das Unternehmen das Feld des 3D-Drucks weiter erkunden möchte.

Fahrzeug-Teile aus dem Drucker: Andere Hersteller ziehen nach

Ob dieser Reifen jemals in Serie produziert wird, ist noch unklar. Denn momentan dauert der Druck des 3D-Reifens rund acht Stunden. Für die Massenproduktion ist das viel zu lange, denn das würde am Ende den Preis für den Reifen ins Unermessliche treiben. Dennoch ist das 3D-Druck-Unternehmen längst für seine innovativen Ideen bekannt. So hat es beispielsweise schon eine voll funktionsfähige klangvolle Geige mit dem 3D-Drucker produziert.

Während der Druck von Musikinstrumente sicherlich erstmal in die Schublade der skurrilen Ideen gehört, wandert der 3D-Druck von Fahrzeug-Teilen immer mehr in die Realität. BigRep sei daher dringend geraten, den Motor für die Produktion des 3D-Reifens möglichst bald anzuwerfen. Denn BigRep ist nicht das einzige Unternehmen, das den Reifen neu denkt.

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Auch der Reifenhersteller Michelin hat ein Konzept für einen 3D-Druck für Autoreifen vorgestellt. Der 3D-gedruckte Reifen für Autos kommt ebenfalls ohne Luft aus und wird aus einem organischen und biologisch abbaubarem Material gedruckt. Mit seiner Idee plant Michelin die Revolution des Autoreifens. So sollen sich bei den Reifen mittels 3D-Drucker auch abgefahrene Reifen wieder auf Vordermann bringen lassen oder gar Sommerreifen in Winterreifen verwandeln lassen.

Aber auch die Elektromobilität hat den 3D-Druck für sich entdeckt: Zuletzt entwickelte das slowakische Unternehmen Kinazo Design das Enduro E-Bike Kinazo E1. Es ist das erste mit dem metallischen 3D-Druck hergestellte E-Bike.

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