Gesundheit

Nie mehr piksen: Smarte Kontaktlinsen bei Diabetes

von Alexander Kraft

Smartphones und Wearables erleichtern nicht nur den Alltag, sondern auch die Kontrolle der Gesundheit. Davon könnten speziell Diabetiker profitieren.

Diabetiker müssen ihren Blutzucker regelmäßig kontrollieren. Diese Kontaktlinse hilft ihnen dabei.
Den Blutzucker stets im Auge: Smarte Kontaktlinsen machen es möglich. Foto: Unspalsh/ian dooley

Das erfahren Sie gleich:

  • Smartwatches können Diabetes anhand der Herzfrequenz erkennen
  • Smarte Kontaktlinsen überwachen den Glukose-Anteil im Tränenfilm
  • Diese Unterwäsche steuert das Smart Home

Smarte Gadgets erleichtern die Kontrolle

Allein in Deutschland sind fast sieben Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Die Dunkelziffer und die Zahl derer, die es selbst nicht wissen, dürfte um einiges höher liegen. Diabetes gehört zu jenen Krankheiten, die einer ständigen Kontrolle bedürfen und bei mangelnder Behandlung schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können. Regelmäßiges Kontrollieren des Glukose-Anteils im Blut ist deshalb Alltag von Diabetes-Patienten. Das Prozedere ist nicht nur aufwendig, sondern auch schmerzhaft. Denn immerhin stechen sich die Patienten dafür jedes Mal mit einer Nadel in den Finger, um den Wert des Blutzuckers zu messen. Doch vielleicht ist damit bald Schluss. Denn erste Wearables und Gadgets versprechen alternative Lösungen.

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Smartphones waren dabei nur der erste Schritt. Sie sind längst selbstverständlicher Begleiter in vielen Hand- und Hosentaschen. Doch mit ihrer Multifunktionalität und ihrem Alltagsnutzen stellen sie darüber hinaus auch technisch die Grundlage für viele weitere Innovationen im Bereich Internet of Things dar. Als besonders praktisch erweisen sich diese vielseitigen Geräte unter anderem beim Gesundheitsmonitoring: also dem Beobachten des eigenen Gesundheitszustandes. Neben unzähligen Fitness-Apps, die den Körper idealerweise präventiv gegen Erkrankungen abhärten sollen, gibt es auch jene, die Krankheiten kurativ begleiten.

Smartwatches erkennen Diabetes am Puls

Jüngst veröffentlichte das auf Herzprobleme spezialisierte Forschungsunternehmen Cardiogram gemeinsam mit der University of California eine Studie zum Thema Früherkennung bei Diabetes. An dem Test nahmen insgesamt 14.000 Apple-Watch-Besitzer teil. Das Ergebnis der Studie: In 85 Prozent der Fälle konnte die Apple Watch Diabetes korrekt erkennen. Der Herzfrequenzmesser der intelligenten Armbanduhr dient dabei als zentrales Element bei der Diagnose der Stoffwechselerkrankung und erkannte bei 462 Teilnehmern Diabetes oder ein Frühstadium der Zuckererkrankung.

Grundlage für den Test war die "Framingham Heart"-Studie von 2005. Diese belegt, dass sich Diabetes und Bluthochdruck anhand des Ruhepulses und Unterschieden des Herzschlags feststellen lassen. Weil auch andere Smartwatches und Wearables über einen Herzfrequenzmesser verfügen, sind theoretisch auch diese Geräte dazu in der Lage die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Voraussetzung dafür ist allerdings der KI-basierte Algorithmus, den Cardiogram eigens für den Test geschrieben hat.

Den Blutzucker im Auge behalten

Die Krankheit nicht erkennen, sondern bereits betroffenen Patienten bei der täglichen Therapie helfen, sollen neu entwickelte Kontaktlinsen. Einem Team südkoreanischer Wissenschaftler des Ulsan National Institute of Science and Technology ist es gelungen, die Flexibilität und den Tragekomfort weicher Kontaktlinsen mit intelligentem Nutzen zu verbinden.

Ein ähnliches Konzept hatte es schon vor einigen Jahren gegeben, allerdings waren damalige Prototypen an der visuellen Beeinträchtigung des Trägers und der Steifheit des Materials gescheitert. Die jüngst vorgestellten Kontaktlinsen sollen diese Probleme nun ausgemerzt haben. In die weichen Linsen ist winzige, nahezu unsichtbare Elektronik verbaut, die der medizinischen Überwachung des Blutzuckers dient. Als Indikator kommt die Tränenflüssigkeit zum Einsatz, auf der die Linse schwimmt und somit permanent kontrollieren kann. Eine kleine LED signalisiert dem Träger, ob die Werte in Ordnung sind. Ein optisches Signal warnt vor Abweichungen. Eine kleine Antenne versorgt den Glukose-Sensor derweil kabellos mit Energie.

Die smarten Kontaktlinsen behalten den Blutzucker im Auge – im wahrsten Sinne des Wortes. Allerdings dürfte es noch etwas dauern, bis die Kontaktlinsen ihren Weg in den Massenmarkt finden. Denn noch sind nicht alle Probleme beseitigt. Zum einen ist der Zuckerwert in der Tränenflüssigkeit nicht aktuell genug, heißt der Wert weicht von dem im Blut ab; bis der Blutzuckerwert in der Tränenflüssigkeit dem des Blutes entspricht, dauert es gut eine Stunde – de facto zu lange. Und: Der Insulinwert, den sich Diabetes-Patienten injizieren müssen, bemisst sich am Blutzuckerspiegel, der sich eben nur über das Blut ermitteln lässt.

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Wenn der BH weiß, welche Musik jetzt passt

Neben durchaus sinnvollen Anwendungsbereichen im medizinischen Sektor tun sich auch smarte Produkte hervor, die – nun ja – zunächst etwas kurios anmuten. Eines davon ist Skiin. Diese intelligente Unterwäsche soll ihrem Träger mittels Sensoren Aufschluss über die körperliche Konstitution geben. Unter anderem ermitteln die ins Textil eingewobenen Sensoren den Herzschlag, die Körpertemperatur, die Atmung und das Aktivitätsniveau.

Wer möchte, kann auch gleich noch sein Smart Home mit Skiin verbinden und so etwa das Licht oder die Musik über die Unterwäsche steuern lassen. Erkennt Skiin zum Beispiel, dass ich gestresst bin, etwa aufgrund meines Herzschlags, könnte sie stressreduzierende Musik wiedergeben lassen oder das Licht dimmen.

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