Technik

Nie mehr durchfallen? Mit der VR-Brille zum Führerschein

von Nele Justus

Am Simulator Fahren lernen? Das ist in China bereits Pflicht. Ein neuer Simulator mit Virtual Reality könnte jetzt auch in Deutschland die Durchfallquote senken.

Frau am Steuer ihres Auto
Das echte Leben: Auf solchen realen Straßenverkehr soll künftig verstärkt der Simulator vorbereiten. Foto: Unsplash/Samuel Foster

Das erfahren Sie gleich:

  • Ein neuer Simulator mit VR-Brille verspricht ein extrem realistisches Fahrgefühl
  • Fahrschulen schwören auf Fahrstunden im Simulator
  • Fahrschüler brauchen weniger Stunden und fallen seltener durch

Neuer Simulator aus Karlsruhe

Chinesische Fahrschulen erleben einen enormen Andrang. 30 Millionen Menschen machen in China jedes Jahr ihren Führerschein, Tendenz steigend. Dabei gibt es nur ein Problem: Die Straßen sind schon jetzt brechend voll, und auf den Stadtautobahnen herrschen Stau und Chaos. Um die Straßen zu entlasten, muss deshalb jeder chinesische Fahrschüler erstmal im Simulator üben – und zwar sieben Stunden lang. Das ist Pflicht.

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Der Nachteil an dieser Art der Fahrausbildung? Die bisherigen Simulatoren ähnelten eher einem Computerspiel. Nicht nur wegen der Optik, sondern auch, weil man das Fahrgefühl eines echten Autos kaum nachstellen konnte. Das Karlsruher Institut für Technologie arbeitet jetzt zusammen mit chinesischen Partnern an einem neuartigen Simulator, der dem Fahren mit einem echten Auto schon sehr nahe kommt.

VR-Brille in der Fahrschule

Für den „DriveSim“, wie der Simulator heißt, haben die Techniker kurzerhand einen Mittelklassen-Pkw umgebaut, der häufig in chinesischen Fahrschulen eingesetzt wird, und ihn mit aufwendiger Projektionstechnik und der Hard- und Software für Virtual Reality ausgestattet. Der Fahrschüler sitzt also am Steuer eines echten Fahrzeugs und trägt dabei eine VR-Brille, die ihn mitten in eine künstliche Welt beamt. In dieser kann er mehrere Lektionen üben: unterschiedliche Verkehrssituationen, Wetterlagen und Fahrbahneigenschaften.

Die VR-Brille ist dabei mit einem Eye-Tracking-System verbunden, sodass ganz genau nachvollzogen werden kann, wohin der Schüler während des Fahrens schaut. Hat er den Schulterblick richtig ausgeführt und vorm Fahrbahnwechsel in den Rückspiegel geschaut? Wenn nicht, gibt ein integriertes Tutoring-System direkt einen Hinweis und Verbesserungsvorschläge – so wie ein echter Fahrlehrer das auch tun würde.

Mit Hilfe von Druckluft sorgt das System dafür, dass Fahrbahnunebenheiten oder Beschleunigungen zu spüren sind, sobald der Fahrer das Lenkrad dreht, das Gaspedal tritt oder den Gang wechselt. Damit fühlt sich das Fahren fast so real an wie in einem echten Auto. Noch befindet sich der DriveSim in der Prototypen-Phase. Aber schon im kommenden Sommer soll er in China auf den Markt kommen, so der Plan.

In Deutschland ist der Simulator noch selten

Zeigt China uns hier, wie die Fahrausbildung der Zukunft auch in Deutschland aussehen könnte? Hier sind nämlich Unterrichtseinheiten am Simulator noch eine Seltenheit. Von den rund 10.000 Fahrschulen in Deutschland setzen derzeit nur 600 bis 900 Betriebe solche Fahrsimulatoren ein, schätzt die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Ein Grund sind unter anderem die hohen Anschaffungskosten. Denn bisher kostet ein Simulator so viel wie ein Kleinwagen. Die Fahrschulen aber, die einen Simulator im Einsatz haben, schwören darauf.

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Die Motorik in der ersten echten Fahrstunde ist deutlich besser, wenn im Simulator die Grundtechniken trainiert wurden

Er sei „Stressvermeidung für alle“, betont etwa die Monheimer Fahrschulleiterin Petra Bremer gegenüber RP. Das gilt für die Fahranfänger genauso wie für die genervten Autofahrer, die keine Lust haben, hinter einem Fahrschulauto herzuzuckeln. Dazu kommt: „Die Motorik in der ersten echten Fahrstunde ist deutlich besser, wenn im Simulator die Grundtechniken trainiert wurden“, so die Fahrlehrerin. Denn die Nervosität sei dann weg. Das Auto abwürgen, bis man ein Gefühl für die Kupplung hat, gehört damit auch der Vergangenheit an.

Mehr Fahrschüler bestehen die Prüfung

Aber wollen deutsche Fahrschüler das überhaupt? Ja, belegt eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft. 72 Prozent der deutschen Fahrschüler wären bereit, Übungsstunden im realen Fahrzeug durch Stunden am Simulator zu ersetzen. Die teuren Fahrstunden kann man dadurch aber trotzdem nicht auf ein Minimum reduzieren: Im Schnitt vier Stunden weniger benötigen Fahrschüler, die vorher Übungsfahrten am Simulator abgelegt haben. Ein Vorteil aber ist: Sie rasseln im Durchschnitt weniger oft durch die Führerschein-Prüfung. Allein, um sich diesen Stress zu sparen, würde sich der Einsatz für viele schon lohnen.

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