Technik

Nicht nur in China: Überschall-Raumfahrt und -Passagierflugzeuge

von Carola Franzke

Überschall feiert ein Comeback: In China wird daran gearbeitet, Überschallflugzeuge in der Raumfahrt einzusetzen. Passagierflüge sind der nächste Schritt.

Das gigantische Überschallflugzeug Tupolew TU-144 bei ihrer Vorstellung am 21.5.1969 auf dem Moskauer Flughafen.
Das Überschallflugzeug Tupolew TU-144 bei der Vorstellung am 21. Mai 1969 auf dem Moskauer Flughafen. Foto: picture-alliance / dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie China Raumfahrt und Linienflüge mit Überschall-Technologie verbinden will
  • Warum die Flugzeuge der Zukunft per Überschall oder mit einem Elektromotor fliegen
  • Wie Überschallflugzeuge zur Jahrtausendwende ein unschönes Ende fanden

China entwickelt Überschallantrieb für Raumfahrt

Von dem Überschallantrieb, den China gerade entwickelt, können die Luft- und Raumfahrt des Landes gleichermaßen profitieren. Überschall-Passagierflugzeuge wären denkbar, wenn sich ein spezieller Antrieb realisieren lässt.

TRCC (Turbo Rocket Combined Cycle) soll bei dem Bau zum Einsatz kommen. So soll aus Militärtechnik ein sogenannter „Scramjet“-Antrieb enstehen – ein Überschall-Verbrennungs-Staustrahltriebwerk (Supersonic Combustion Ramjet). Zivile Luftfahrt ist aber nicht das Hauptziel dieser Technik.

Vor allem wollen die Chinesen damit ein zweistufiges Raumfahrtprogramm ermöglichen. Das Überschallflugzeug wäre darin die Trägermaschine, die die eigentliche Raumfähre an den Rand der Erdatmosphäre transportiert. Das Projekt verwundert kaum, schließlich stecken die Chinesen derzeit viel Geld in Raumfahrt – besonders auch die private Raumfahrt.

Flugzeuge der Zukunft: Elektrisch oder Überschall

Eine mögliche Renaissance der Überschallflüge muss also mindestens die Kriterien erfüllen, dass die eingesetzten Maschinen sicherer, leiser und sparsamer – somit auch günstiger – sind als früher. Nur dann können die Flugzeuge der Zukunft auch wieder sinnvoll die Schallmauer durchbrechen.

An einer Wiederbelebung des schnellen Flugverkehrs sind aber nicht nur die chinesischen Wissenschaftler interessiert. Auch die NASA arbeitet an einem Überschallflugzeug – gemeinsam mit dem traditionsreichen Flugzeugkonstrukteur Lockheed Martin.

Ihr Projekt trägt den Namen QueSST (Quiet Supersonic Technology). Ein spezielles Design soll die Lautstärke des Knalls beim Durchbrechen der Schallmauer reduzieren. Das erste Modell testen sie bereits im Windkanal – der erste Flug wird für 2020 erwartet.

Ein privat finanzierter Player ist ebenfalls in Sachen Überschall unterwegs: Boom Technology, ein Start-up aus Denver, arbeitet gleich an zwei Modellen: die kleine XB 1, intern auch „Baby Boom“ genannt, und die größere Boom 1 für zunächst 55 Passagiere. Blake Scholl, Gründer von Boom Technology, sieht realistische Chancen für einen Ticketpreis von rund 2500 US-Dollar auf der Strecke New York–London. Die Concorde-Flüge auf dieser Strecke hatten früher rund 18.000 Dollar gekostet.

Ob nun elektrische Linienflüge wie es Norwegen plant, oder mit Überschall, wie China und die USA es vorantreiben. In die Flugzeugbranche ist wieder mal Bewegung gekommen.

Passagierflugzeuge mit Überschall

Überschallflüge gibt es seit den späten Sechzigerjahren im großen Stil: Die russische Tupolew Tu-144 flog am 31. Dezember 1968 zum ersten Mal. Im März 1969 absolvierte die Concorde ihren Jungfernflug. Beide Modelle schafften mehr als Mach 1 – also mehr als die Schallgeschwindigkeit –, aber erst in der weiteren Entwicklung.

Die Concorde war von 1976 bis 2003 auf der Strecke Paris-New York im Einsatz. Während dieser Zeit flog sie auch andere Flughäfen an – teilweise ebenfalls im Linienbetrieb. Laute Triebwerke, hoher Kraftstoffverbrauch und damit verbundene teure Tickets führten zu einer sehr geringen Zahl an gebauten Maschinen (20 Stück) und zu einem schnellen Ende der Ära.

Das endgültige Ende der Passagierflugzeuge mit Überschallgeschwindigkeit schien durch den Absturz einer Concorde beim Start über Paris im Sommer 2000 besiegelt. 2003 fand der letzte Flug mit der Concorde statt.

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