Technik

NGT: Hochgeschwindigkeitszug soll Containerschiffe ersetzen

von
Marten Zabel

Der Hochgeschwindigkeitszug NGT soll die ganze Welt verbinden – sowohl als Frachtzug als auch im Personenverkehr. Erste Strecke ist die neue Seidenstraße.

Ein Konzept-Design des Next Generation Train (NGT) des DLR.
Der Next Generation Train (NGT) könnte künftig sowohl Güter als auch Passagiere in Rekordgeschwindigkeit von Asien nach Europa befördern. Foto: DLR

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das Zugkonzept NGT des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt die Schiene revolutionieren soll
  • Warum die neue Seidenstraße zur Hauptverkehrsachse eines globalen Schienennetzes werden könnte
  • Weshalb der Hochgeschwindigkeitszug nicht nur umweltfreundlicher sondern auch effizienter wird

Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickeln Forscher nicht nur Weltraumtechnologie für Flüge ins All. Das DLR beschäftigt sich auch mit sehr irdischen Themen. So entstand dort das Projekt Next Generation Train (NGT), um einen sauberen und günstigen Warenfluss aus China zu etablieren.

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Das Konzept des NGT teilt sich in die Fracht- und die Passagiervarianten, NGT Cargo und die regulären NGT. Beide haben gemein, dass sie die Grenzen des Möglichen ausloten. 400 Kilometer pro Stunde soll die Höchstgeschwindigkeit betragen – etwa die sinnvolle Grenze der Rad-Schiene-Technik.

Dafür sollen sie aerodynamisch geformt sein. Zur Kostenersparnis und Lärmreduzierung soll die Energie nicht aus Oberleitungen, sondern aus Induktionssystemen im Gleisbett kommen. Einen Lokführer soll es auch nicht geben – und jeder der Waggons soll im Zweifelsfall autonom alleine unterwegs sein können.

Mit dem NGT die neue Seidenstraße erobern

Die Frachtvariante NGT Cargo hat bereits einen möglichen Einsatzraum: Auf dem, was Chinas Regierung als neue Seidenstraße bezeichnet, verkehren zwischen dem Reich der Mitte und Europa bereits jetzt jährlich mehrere Tausend Güterzüge.

Die brauchen derzeit zwei Wochen für die Strecke. Sie sind damit zwar schneller als Frachtschiffe, die Monate benötigen, dafür aber auch teurer. Außerdem fehlt es an Kapazitäten, und die Umspurung an den russischen Außengrenzen kostet viel Zeit und Geld.

NGT Cargo soll die Strecke Peking-Berlin in drei Tagen ermöglichen, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde. Derzeit liegt sie bei 20. Für nichtelektrifizierte Strecken sollen sich in jedem der Waggons eigene Batterien befinden. Die Spurbreite lässt sich laut Konzept direkt verstellen, wodurch die Fahrt durch Russland sehr viel einfacher wird.

Am Zielort angekommen, löst sich der Zug in seine einzelnen Wagen auf, die dann autonom zu lokalen Zielen fahren. So kann die Fracht direkt da hingelangen, wo sie auf andere Transportmittel umgeladen werden kann. Ein weiterer Vorteil: Kein Stau am Güterbahnhof.

Check-In beim Hochgeschwindigkeitszug

Auch das automatische Rangieren soll Zeit sparen. Diesen Vorteil hätte die Personenvariante des NGT ebenfalls. Sie soll energieeffizienter werden als der ICE – und natürlich auch schneller. Vor allem bei der Abfertigung soll der NGT allerdings anders funktionieren als bisherige Züge.

Auf neuen Bahnhöfen würden Fahrgäste ihr Gepäck einchecken wie bei einem Flugzeug und dann auf zwei Ebenen in die beiden Etagen des Zuges auf einer Seite ein- und auf der anderen aussteigen. Die Zugabfertigung ließe sich so in 90 Sekunden schaffen. Und das bei einem Zug mit doppelt so hoher Passagierkapazität, wie es bei heutigen Personenzügen der Fall ist.

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Ein NGT fährt in einen deutschen Bahnhof ein.
Auch eine Passagier-Version des NGT ist in Planung. Sie soll sehr viel effizienter sein als etwa ein ICE. Foto: DLR

Die EU will fördern, dass 2050 rund die Hälfte des kontinentalen Fracht- und Personenverkehrs auf Schienen läuft. Verkehrsintensive Lkw und schmutzige Frachtschiffe sollen dann immer weiter verschwinden. Obwohl auch bei Containerschiffen und Lkw bereits Bemühungen zum umweltfreundlicheren Transport im Gange sind.

Das NGT-Konzept lässt sich allerdings nicht nur in Eurasien anwenden, sondern würde auch in Afrika neue Möglichkeiten eröffnen. Selbst der Tunnel durch die Beringstraße, den Russland von Zeit zu Zeit wieder versucht anzuschieben, würde mit diesen Zügen noch effektiver nutzbar. Vielleicht rollen dann irgendwann Züge von Feuerland bis nach London.

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