Leben

Nextbike, Mobike und Co: Warum gibt es so viel Bikesharing?

von Stefan Adrian

Immer mehr Bikesharing-Dienste bieten ihre Dienste in deutschen und europäischen Metropolen an. Das hat für die Kunden aber nicht in allen Fällen Vorteile.

Nahaufnahme der Vorderräder von drei Bikesharing-Rädern, die an einer Station geparkt sind.
Rad an Rad: Jedes Jahr wächst der Bereich Bikesharing um 20 Prozent. Aber nicht alle Leihräder stehen so ordentlich an Stationen wie diese hier. Foto: Shutterstock/Grisha Bruev

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Bikesharing-Dienste es gibt
  • Was in den AGB von Mobike steht
  • Welche Folgen das Nextbike-Urteil hat
  • Worum es beim Bikesharing eigentlich geht

Welche Bikesharing-Dienste es gibt

Vor vier Jahren veröffentlichte der Unternehmungsberater Roland Berger seine Studie Shared Mobility. Als eines der Trendthemen darin war Bikesharing aufgeführt. Bis ins Jahr 2020, hieß es, rechne man in dem Segment mit einer jährlichen Wachstumsrate von 20 Prozent.

Blickt man sich heute in vielen Städten und Ballungszentren um, scheint das eingetreten: Bikesharing-Dienste wie Yobike, Mobike, Obike, Bluegogo, Ofo, Donkey Republic, Lime Bike oder Byke teilen sich das Straßenbild mit etablierten Anbietern wie Nextbike und Call a Bike.

In allen Farbskalierungen finden sich die bunten Hop-On-Räder, deren Anmietung zumeist unkompliziert per App und Code funktioniert und ihren Kunden damit das Leben leichter machen.

Oder vielmehr: Sie liegen achtlos hingeschmissen rum, werden zu Skulpturen aufeinander getürmt oder gleich in städtischen Gewässern versenkt. In München war der Unmut im Herbst 2017 groß, als der chinesische Anbieter Obike über Nacht 7000 Räder aufstellte. Die Folge: Ein Teil davon landete in der Isar. Die Münchener waren nicht alleine in ihrem Ärger.

Ende Februar 2018 verkündete der Anbieter GooBee Bike den Rückzug aus Frankreich. Der Grund: Rund 1000 Räder wurden landesweit gestohlen, etwa 3400 beschädigt.

Ein schwarzes Mountainbike liegt auf einem Fußwerg, im Hintergrund rollen Autos vorbei.
Wegwerf-Artikel: Der Boom des Bikesharing hat auch die Zahl der achtlos liegen gelassenen Fahrräder erhöht – dieses hier scheint allerdings privat zu sein. Foto: Shutterstock/Rainer Fuhrmann

Was in den AGB von Mobike steht

Die bunten Zweiräder scheinen einen gewissen Wunsch nach zivilem Ungehorsam auszulösen. Vielleicht sind die zerpflückten Fahrräder aber auch Symptom des Verdachts, wie im Deckmantel des Umweltbewusstseins der Datenschutz umgangen wird, seien die Start-ups nun holländischen, amerikanischen oder chinesischen Ursprungs.

Ofo etwa wird maßgeblich vom chinesischen Giganten Alibaba finanziert. Mobike, im November 2017 in Berlin gestartet, greift auf Gelder von Apple-Zulieferer Foxconn sowie Alibaba-Konkurrent Tencent zurück, dem hinter Facebook fünftgrößten Internetunternehmen der Welt.

Die Anbieter entwerfen gerne ein Bild von anonymisierten Datenströmen, die lediglich zur Verbesserung ihres Produktes oder gar der Stadtplanung dienen.

Manche AGB spricht aber eine deutliche Sprache, etwa bei Mobike: "Die von Ihnen erhobenen Daten werden in ein Land außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums („EWR”), wie China und Singapur, wo ein anderes Datenschutzniveau als im EWR bestehen kann, übermittelt und dort verarbeitet und genutzt."

Welche Folgen das Nextbike-Urteil hat

Grund, warum die Räderbulks schier nach Lust und Laune aufgestellt werden dürfen, ist eine Entscheidung aus dem Jahre 2009. Da erreichte Nextbike, 2004 in Leipzig gegründet, das Urteil, seine Räder in Hamburg aufstellen zu dürfen, obwohl man eine Ausschreibung gegen die Deutsche Bahn verloren hatte.

Auf dieses Urteil können sich nun internationale Anbieter berufen. Nur: Je zentraler in der Stadt, desto höher die Fahrraddichte. In Stadtrandgebieten sieht man Leihräder so gut wie nie.

Diese Umverteilung ist den Städten auch bewusst. "Nur ein öffentliches Leihfahrradsystem stellt eine verlässliche Versorgung sicher", meint daher Matthias Tang, Berliner Pressesprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Wie dauerhaft und verlässlich daher neue Angebote sind, kann derzeit nicht eingeschätzt werden.

"Ein privater Betreiber kann sein Angebot jederzeit streichen, Preise erhöhen, Regionen abkoppeln oder aus der Bedienung streichen. Niemand außer dem Unternehmen kann Qualität definieren oder einfordern. Wie dauerhaft und verlässlich daher neue Angebote sind, kann derzeit nicht eingeschätzt werden."

In Berlin ist Nextbike der Partner für das öffentliche Leihfahrradsystem. Dafür mussten die Leipziger zusichern, bis Ende 2018 ihre Flotte auf 5000 Räder zu erhöhen. Freimütig räumt das mit festen Stationen betriebene Nextbike ein, ohne öffentliche Zuschüsse auch gar nicht profitabel sein zu können.

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Worum es beim Bikesharing eigentlich geht

So ist das große Bikesharing-Angebot für den Verbraucher mit Sicherheit bequem, scheint am Ende aber ein bekanntes Format widerzuspiegeln: Daten zu gewinnen für andere Geschäfte.

Deswegen sollte man Bikesharing als Konzept weder verteufeln noch auf ein paar grüne Meter verzichten; vielleicht lohnt es sich aber, ein paar Nachforschungen darüber anzustellen, wessen App man sich auf sein Handy lädt. Oder sich in Zukunft nicht darüber wundern, warum man ständig ein Angebot der Drogerie oder des Burgerladens auf dem Handy hat, an dem man gerade vorbeirollt …

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