Elektromobilität

Neuheiten mit Brennstoffzelle: Wo bleiben die Wasserstoffautos?

von
Michael Penquitt

In Wasserstoffautos wird seit Jahren große Hoffnung gesetzt. Auf neue Modelle können wir noch lange warten. Wieso sind nur so wenige von ihnen unterwegs?

Die Wasserstoffstation HafenCity in Hamburg
Die Wasserstoffstation HafenCity in Hamburg – eine von 50 Tankstellen für Wasserstoff in Deutschland. Der Ausbau der Infrastruktur geht hierzulande nur schleppend voran. Foto: aio

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Vorteile Wasserstoffantriebe bieten
  • Wieso so wenige Autofahrer davon profitieren
  • Welche Hersteller immer noch große Hoffnung in den Antrieb setzen

Seit Jahrzehnten gilt die Brennstoffzelle als die Zukunft der Automobilität. Nach großspurigen Ankündigungen folgte allerdings zumeist Ernüchterung. Auf den Durchbruch wartet die Technologie noch immer. Serienreife Wasserstoffautos bleiben nach wie vor Mangelware, konkrete neue Modelle stehen derzeit nicht in Aussicht.

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Doch so langsam klingen die Pläne mancher Autohersteller tatsächlich vielversprechend.

Was sind die Vor- und Nachteile von Wasserstoff?

Der Antrieb von Autos mit Wasserstoff ist weitestgehend klimaneutral und kommt daher als alternativer Antrieb in Frage. Brennstoffzellen wandeln das Gas in Strom um und die Elektroautos stoßen keine CO2-Emissionen aus – es entsteht lediglich Wasserdampf. Brennstoffzellenfahrzeuge sind damit theoretisch eine hervorragende Alternative zu klassischen Verbrennern.

In den frühen Jahren der Elektromobilität versprachen diese Autos im Vergleich zu batteriebetriebenen Fahrzeugen einen hohen Wirkungsgrad und eine größere Reichweite. Ein H2-Tank lässt sich außerdem genauso schnell betanken wie der eines Benziners – klarer Vorteil gegenüber einem rein elektrisch betriebenen Fahrzeug.

Diesen Vorteil haben Brennstoffzellenautos mittlerweile zu großen Teilen eingebüßt. Bis heute sind nur sehr wenige dieser Autos auf der Straße zu sehen. Das liegt an einer Vielzahl von Gründen, angefangen bei der Herstellung des Wasserstoffs. Die Produktion des Gases ist extrem aufwendig, nicht besonders klimaschonend und kostspielig. Als sich langsam abzeichnete, dass die Zukunft der Mobilität dem Elektromotor gehört, hat die Industrie begonnen, an effizienteren Lösungen zu arbeiten. Man hoffte, die Produktion des Kraftstoffs günstiger gestalten zu können, doch es waren Lithium-Ionen-Akkus, die mehr Anlass zum Hoffen gegeben haben. Zunächst schienen letztere zwar im Nachteil zu sein, machten aber schnellere Fortschritte als Brennstoffzellen und Wasserstoffantriebe.

Blick auf die Brennstoffzelle eines Hyundai Nexo
Die Wasserstofftanks sitzen meist da, wo sonst der Benzintank sitzt. Eine Brennstoffzelle generiert daraus während der Fahrt Strom für den Elektromotor. Foto: Shutterstock / Grzegorz Czapski

Batterien werden immer günstiger, versprechen mehr und mehr Reichweite und können Energie effizienter speichern als die Brennstoffzelle. Das gilt bereits für Lithium-Ionen-Akkus der aktuellen Generation und wird erst recht bei Feststoffakkus der Fall sein. Deren Zeit wird schon in wenigen Jahren kommen, so die Einschätzung unzähliger Fachleute. Und je mehr Menschen sich für einen Elektroantrieb und gegen ein Wasserstoffauto entscheiden, wonach es aktuell aussieht, desto stärker klaffen auch die Voraussetzungen für einen Markteintritt auseinander.

Denn: Für gerade mal gefühlt eine Handvoll Kunden ein gesamtes Netz an Wasserstofftankstellen aufzubauen – das lohnt sich nicht. Zumal die Unternehmen bereits Milliarden Euro in den Ausbau der Stromladeinfrastruktur stecken. Zugleich ist das schwach ausgebaute Wasserstoffnetz eines der schwerwiegendsten Argumente gegen den Kauf eines E-Autos mit Wasserstofftank. Derzeit sind in ganz Deutschland nur rund 50 solcher Tankstellen in Betrieb, etwas mehr als 30 werden aktuell gebaut.

Diese Hersteller setzen dennoch auf Wasserstoff

Nicht wenige Fachleute sagen der Brennstoffzelle in erster Linie eine Zukunft in größeren Fahrzeugen wie Bussen oder Lkw voraus. Pkw mit Wasserstoffantrieb werde es wohl nur in höheren Preisklassen und in kleiner Stückzahl geben. Die Autoindustrie scheint im Großen und Ganzen auch nicht überzeugt zu sein, doch einige Autobauer scheinen das anders zu sehen.

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Der Fahrdienst-Anbieter CleverShuttle fährt nutzt den Toyota Mirai
Ein seltenes Bild: Viele Wasserstoffautos auf einem Fleck – hier in Form der Flotte von CleverShuttle in Hamburg. Das Unternehmen fährt mit dem Toyota Mirai durch die Hansestadt. Foto: aio

Dabei tun sich vor allem ostasiatische Autohersteller hervor: Hyundai hat mit dem Hyundai Nexo und dem Hyundai ix35 Fuel Cell bereits zwei serienreife Wasserstoffautos auf dem Markt und glaubt fest an den Antrieb. Bis 2030 will der Konzern zum unangefochten Weltmarktführer aufsteigen und pro Jahr 500.000 Fahrzeuge dieser Art verkaufen. Auch Toyota setzt perspektivisch auf Wasserstoff. Mit dem Toyota Mirai haben die Japaner den ersten Schritt gemacht, ab etwa 2025 sollen weitere Fahrzeuge in Serienproduktion folgen. Die Toyota-Tochter Lexus hat angekündigt im Jahr 2020 ein erstes eigenes wasserstoffbetriebenes Auto in Serie zu bringen. In Japan und den USA ist zudem Honda mit seinem Clarity Fuel Cell auf der Straße vertreten.

Für deutsche Hersteller ist die Entwicklung von Wasserstoffantrieben dagegen eher eine Absicherung für die Zukunft, falls rein batteriebetriebene Autos unerwartet nicht zünden sollten. Lediglich Mercedes-Benz bietet den GLC F-Cell seit 2018 zum Leasen an. Konkurrent Audi hat in Aussicht gestellt, bis Mitte des kommenden Jahrzehnts ein erstes Modell in Kleinserie zu produzieren. Ab dann könne sich Konzernchef Herbert Diess auch bei VW eigene Wasserstoffautos vorstellen.

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