Technik

Neue Techniken – und plötzlich will jeder Autos bauen

von Christian Merten

Die Elektromobilität verändert die Welt - und revolutioniert den Autobau. Immer mehr Unternehmen, von denen man es gar nicht erwartet hätte, werden zu Autoherstellern.

Neue Techniken – und plötzlich will jeder Autos bauen
Der lange Arm des Roboters: Auftragsproduktion und neue Fertigungstechnik revolutionieren den Bau von Automobilen Foto: iStockphoto.com/PhonlamaiPhoto

Das erfahren Sie gleich:

  • Der Trend zum Elektroauto revolutioniert den Autobau
  • Immer mehr Unternehmen werden zum Autohersteller
  • Start-ups setzen auf Auftragsproduktion

Plötzlich entstehen überall neue Autos

Sie haben es einfach getan. Drei junge Unternehmensgründer aus München haben ein Auto konstruiert, dass demnächst in Serie gehen soll. Dabei sind sie gerade einmal Mitte 20. „Das Coole am Sion ist, dass die komplette Karosserie mit Solarzellen bedeckt ist“, sagt Jona Christians, einer der drei Gründer von Sono Motors, über sein Elektroauto. „Dadurch lädt die Sonne die Batterien während des Tages. Auch wenn es wolkig ist.“ Das notwendige Geld zum Autobauen besorgte er mit seinen Freunden im Internet durch ein Crowd-Funding bei Indigogo. Ende Juli 2017 hat Sono Motors seinen neuen Wagen der Öffentlichkeit präsentiert.

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Der erste rein elektrische SUV von Audi.

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Nicht nur im Silicon Valley wird getüftelt

Ob Faraday Future, Otto, Uniti, FMC, Lucid Motors, Karma Automotive, Kyburz, NextEV, Siemens, Google, Apple oder die Deutsche Post – immer mehr Unternehmen, von denen man es gar nicht erwartet hätte, wollen plötzlich ein Auto bauen. Dabei kommen sie eigentlich aus ganz anderen Branchen oder wurden gerade erst gegründet. Die vielen Neueinsteiger wecken Erinnerungen an die Zeit um 1900, als es allein in Deutschland über 50 Autohersteller gab und 75 in den USA.

Mitfahrvermittler Uber kaufte sich gleich eine ganze Lkw-Firma.

Auch Google hat bereits Fahrzeuge auf die Straße gebracht, die schon Millionen von Kilometern bei Testfahrten zurücklegten. Und der Mitfahrvermittler Uber kaufte sich gleich eine ganze Lkw-Firma, die von ehemaligen Ingenieuren des Google-Projektes gegründet wurde. Währenddessen zeigt sich Amazon als Komponentenhersteller und bringt seine künstliche Intelligenz Alexa in die neuen Modelle von Ford. Selbst über Apple hieß es lang, dass sie mehr als 1000 Mitarbeiter an einem Elektroauto bauen lassen und die Zentrale der Entwicklung angeblich in Berlin sei. Doch bei der verschwiegensten Firma der Welt weiß man nie so genau, ob sie nun wirklich an einem Auto baut.

Die Software wird immer wichtiger

Wie kommt es plötzlich zu diesem Fieber? In der Autobranche hatten es Neueinsteiger bisher immer schwer wegen des sehr hohen Bedarfs an Kapital und Know-how. Doch das ändert sich jetzt durch die Elektromobilität und den Trend zum autonomen Fahren.

Autos mit Elektromotor bestehen aus weniger Komponenten und lassen sich viel einfacher zusammenbauen. Und besonders bei den Selbstfahrern kommt es mehr auf die Software an als auf den Motor oder die Karosserie. Deshalb sind es auch vor allem Software- und Elektronik-Hersteller wie Google oder Apple, die sich in das neue Elektroauto-Abenteuer stürzen. Oder Start-ups, die überzeugt sind, dass sie mit neuen revolutionären Ideen die Welt aus den Angeln heben können.

Der Trend geht zur Auftragsproduktion

Sehr hilfreich beim Autobauen sind die vielen Möglichkeiten zur Auftragsproduktion: Das schwedische Start-up Uniti lässt seinen Elektrowagen beispielsweise in einer vollautomatischen Fabrik von Siemens produzieren. Und auch der Sion aus München soll ab 2019 bei einer anderen Firma vom Band laufen. Sono Motors möchte bis 2027 eine sechsstellige Zahl seiner Solar-Elektroautos absetzen. Um die Fertigungskosten zu drücken, bedient sich das Team bei lizenzfreien Standardprodukten, die bereits auf dem Markt sind, erklärte Christians bei der Sion-Vorstellung im Hightech Presseclub. Es kann also sein, dass beispielsweise das Lenkrad schon in anderen Autos verbaut wurde.
Das Konzept scheint auch beim Autobauen zu funktionieren: einfach von überall die besten Komponenten kaufen und dann unter dem eigenen Namen auf den Markt bringen. Ein Auto aus Standard-Komponenten wie ein Personalcomputer. Und genauso elektrisch.

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