Leben

Neue Studien besagen: Kaum Entlastung durchs Free-Floating

von
Daniela Pemöller

Der Bundesverband CarSharing e.V. hat in einer neuen Studie verschiedene Carsharing Modelle verglichen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Carsharing-Auto beim Querparken
Carsharing-Autos quetschen sich meist eher zwischen den bestehenden Verkehr, als ihn zu entlasten. Foto: picture alliance / dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Carsharing Free-Floating-System die Städte kaum entlastet
  • Warum am Ende sogar mehr Autos unterwegs sind, als ohne Carsharing
  • Wie sich Straßen besser entlasten lassen

Sie galten als die Lösung für verstopfte Straßen: die free-floating Carsharing Angebote von Firmen wie „car2go“ von Daimler oder „DriveNow“ von BMW. Mietwagen sind hier nicht an feste Stationen gebunden, sondern lassen sich innerhalb eines klar definierten Geschäftsbereichs überall ausleihen und abstellen.

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Rund zehn Jahre nach dem Start dieses neuen Mobilitätskonzepts kommt der Bundesverband CarSharing e.V. nun zu einem ernüchternden Ergebnis. Anhand einer neuen Studie wurde untersucht, wie sich die beiden Modelle „free-floating“ und „stationsbasiertes“ Carsharing auf den Besitz und die Nutzung von Autos auswirken. Dafür befragte der Verband im Mai und Juni 2018 online 1.122 Carsharing-Kunden und 185 Nicht-Kunden in Frankfurt, Köln und Stuttgart.

Free-Floating entlastet Städte kaum

Das Ergebnis: Free-Floating Nutzer entlasten den Straßenverkehr weit weniger als die von stationsbasierten Modellen wie „stadtmobil“, „cambio“ oder „book-n-drive“. Während auf 1000 stationsbasierte Nutzer nur noch 108 private PKW kommen, besitzen 1000 free-floating Nutzer noch schlappe 485 private Autos. Der Anteil von autofreien Haushalten unterscheidet sich ebenfalls drastisch. Bei den Free-Floatern liegt die Quote nur bei 32 Prozent, bei den stationsbasierten schon bei 66 Prozent.

Gunnar Nehrke, Geschäftsführer vom Bundesverband CarSharing, fasst das Ergebnis zusammen: „Stationsbasiertes Carsharing kann die Belastung der Städte und Kommunen durch den Auto-Verkehr reduzieren. Free-floating Carsharing wird hingegen oft eher als Ergänzung zum privaten Auto genutzt.“

Nutzer von Free-Floating sind auf Spaß aus

Ein möglicher Grund für die Unterschiede liegt unter anderem bei der unterschiedlichen emotionalen Einstellung der Carsharing-Kunden zum Auto. 77 Prozent der Free-Floater bringt Autofahren eben richtig Spaß. Bei Nutzern des stationsbasierten Carsharing gilt das nur für 39 Prozent.

Geschäftsführer Nehrke sieht darin eine große Herausforderung: „Wir müssen uns jetzt darüber Gedanken machen, wie wir die Auto-affinen Free-Floating-Kunden davon überzeugen können, ihr privates Auto aufzugeben.“ Eine mögliche Lösung zieht er ebenfalls aus der Studie.

Es gibt Anbieter, die verbinden die beiden Varianten und bieten ihren Kunden sowohl stationsbasierte als auch free-floating Fahrzeuge an. Ein Modell, was die Straßen wirklich entlastet. Denn die Studie zeigt, die Quote autofreier Haushalte liegt bei diesen Kunden bei 78 Prozent und auf 1000 Personen kommen lediglich 104 private PKWs.

Ein ähnlich entlastendes Ergebnis findet sich bei Kunden, die beide Varianten kombinieren. Auf 1.000 Personen kommen hier 173 Fahrzeuge und 68 Prozent dieser Haushalte sind autofrei.

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Kombiniertes Carsharing entlastet verstopfte Straßen besser

Die Studie "Share" vom Öko-Institut und dem ISOE (Institut für Sozialökologische Forschung) kommt ebenfalls zu dem überraschenden Ergebnis, dass Free-Floating Carsharing keine Treibhausgasminderung bewirkt. Denn die Anzahl von PKW im Straßenraum verringern sich nicht. Laut der Studie schaffen nur drei Prozent der Free-Floater ihr privates Auto ab. "Die dadurch erzielte Minderung der privaten PKW sei geringer als die Anzahl der eingesetzten Carsharing-Autos", schreibt das Öko-Institut.

In Deutschland gibt es zurzeit vier Anbieter, die insgesamt 7900 Free-Floating Fahrzeuge an zwölf Orten zur Verfügung stellen (Stand 1.1.2018, Quelle: Bundesverband CarSharing). Weit mehr Anbieter gibt es beim stationsbasierten Modell. Hier buhlen 161 Firmen um Carsharer. Im Einsatz sind 10.050 Fahrzeuge in 677 Städten und Gemeinden. Auf jedes free-floating Auto kommen etwa 215 Nutzer, während es beim stationsbasierten Fahrzeug bloß 53 sind.

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