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Technik

Neue Raumanzüge: SpaceX und Boeing bringen Style ins Weltall

von Carola Franzke

Der Starman von SpaceX reist auf Elon Musks Geheiß hin in einem Auto durch das All. Wie sehen die Raumanzüge der nahen Zukunft aus – und was können sie?

Der Kopf eines Astronauten, der in einem Raumanzug steckt.
Nicht nur SpaceX schneidert: Boeing arbeitet zusammen mit der NASA an einem neuen Raumanzug. Er soll leichter sein als das bisherige Modell. Foto: Boeing/Bob Ferguson

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der neue Raumanzug von SpaceX und Elon Musk zwar schick ist, aber nicht den Außeneinsatz taugt
  • Welche Arten von Raumanzügen es für welche Einsatzzwecke überhaupt gibt
  • Warum eine Marsmission auch eine Herausforderung für die Raumanzüge wäre

Elon Musks PR-Coup: Der SpaceX-Raumanzug

Der Livestream des Starman war nach dem Start der Falcon Heavy von SpaceX eine beliebte Attraktion im Netz und zeigte ein etwas surreales Bild: eine Gestalt im Raumanzug am Steuer von Elon Musks rotem Tesla Roadster – im Weltraum, mit Kurs weg von der Erde in Richtung des Asteroidengürtels.

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Der Anzug entspricht laut Musk dem fertigen Design dessen, was Astronauten an Bord bemannter Flüge seines Unternehmens tragen sollen. Dabei fällt auf, wie viel stylisher das Ganze im Vergleich mit Bildern wirkt, die man von den Außeneinsätzen der ISS kennt.

Dieser Vergleich hinkt allerdings – und der SpaceX-Anzug ist nicht die einzige modische Neuerung, die in den nächsten Jahren im All zu sehen ist.

Die Rettungsanzüge schützen den menschlichen Körper vor dem Vakuum und versorgen den Träger kurzzeitig mit Sauerstoff.

Der Anzug, den SpaceX als Starman ins All geschickt hat, ist eigentlich nicht für seine jetzige Umgebung gemacht: Wenngleich es kaum offiziellen Daten zu der Technik gibt, zählt er mutmaßlich zu den sogenannten Rettungsanzügen.

Diese sind nicht für den Einsatz bei Außenaktivitäten von Raumfahrzeugen gedacht, sondern dienen als Sicherheitssystem innerhalb einer Kapsel oder Raumstation, sollte der Druck abfallen. Sie schützen den menschlichen Körper vor dem Vakuum und versorgen den Träger kurzzeitig mit Sauerstoff.

Wenn Elon Musk erklärt, dass man mit seinem Raumanzug problemlos in eine Vakuumkammer steigen könnte, dann ist das korrekt – im freien All erwarten den Astronauten allerdings noch weitere Probleme jenseits des niedrigen Drucks.

Im Weltall braucht ein Astronaut nicht nur Luft

Ein Astronaut muss im Weltall nicht nur atmen können, sondern auch extremen Temperaturunterschieden trotzen: Zwischen rund minus 150 und plus 120 Grad Celsius wechseln sich etwa bei Außeneinsätzen an der ISS ab. Überhitzung ist dabei das größere Problem: Dank den Gesetzen der Thermodynamik ist es einfacher, einen Raumanzug zu beheizen, als Wärme im Vakuum des Alls abzuführen.

Neben den extremen Temperaturen sind kosmische Strahlen das Hauptproblem für Raumanzüge. Die Strahlung beschädigt auch härtere Materialien und ist für die begrenzte Lebensdauer von vielen komplexeren Robotersonden verantwortlich – sie wird auch den Roadster im All innerhalb einiger Jahre schwer beschädigen oder zerstören.

Raumanzüge für den Außeneinsatz

Für Außeneinsätze werden sogenannte Extra Vehicular Activity Suits verwendet, kurz EVA-Suits. Diese sind massiger und verfügen über Schichten zum Schutz vor Strahlung und Mikrometeoriten. In den dicken Schichten verlaufen zudem Kühlkanäle und Versorgungsleitungen, und der EVA-Suit ist mit einem Rucksack verbunden, der für Sauerstoff, Luftreinigung und Energieversorgung sorgt.

Auf der Internationalen Raumstation ISS werden zwei Modelle verwendet: Der EMU-Anzug der NASA, seit 1982 kaum verändert, und der russische Orlan, dessen aktuellstes Modell 2009 seinen Erstflug hatte, die erste Version stammt allerdings aus dem Jahr 1977.

Beide wiegen mit ihrem Rucksackmodul deutlich mehr als 100 Kilogramm – auf der Erde könnten die meisten Astronauten damit kaum gehen. China nutzt mit dem Feitian eine eigene Weiterentwicklung des Orlan mit ähnlichen Spezifikationen wie das Original.

Neue Raumanzüge sind in Arbeit

Die nahe Zukunft bringt bei den Raumanzügen definitiv Neuerungen: Neben dem von SpaceX gezeigten Rettungsanzug arbeitet auch die NASA gemeinsam mit Boeing an einem Anzug. Dieser, in Blau gehalten, soll leichter ausfallen als die bisher bei der US-Raumfahrtbehörde genutzten Systeme und dabei auch mehr Beweglichkeit bieten.

Die Handschuhe sind so konstruiert, dass sich damit auch ein Touchscreen bedienen lässt. Und neuartige Ventile sorgen dafür, dass der Anzug mit Außendruck luftig und kühl ist, bei Druckabfall aber sofort einen eigenen Innendruck aufbauen kann.

Wissenschaftler erwarten, dass Sand und Staub auf dem roten Planeten vor allem für die Gelenke von Raumanzügen eine echte Gefahr darstellen.

Auch für Außeneinsätze erprobt die NASA aktuell neue Systeme: Zum einen soll mit dem PXS ein neuer Raumanzug für Außeneinsätze im erdnahen All getestet werden, zum anderen haben die Ingenieure den Mond und den Mars im Blick. Dafür haben sie den Z-2-Raumanzug entwickelt, der auch das harsche Marsklima und den längeren Kontakt mit Staub überleben soll.

Das ist bei einer Marsmission allerdings auch notwendig: Wissenschaftler erwarten, dass Sand und Staub auf dem roten Planeten vor allem für die Gelenke von Raumanzügen eine echte Gefahr darstellen. Nebenbei sieht der neue Anzug auch noch futuristischer aus als die EVA-Module der alten Apollo-Missionen.

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Der Anzug des Spaceman von SpaceX mag also schick aussehen – im All könnte man damit allerdings nur wenige Minuten überleben. Dennoch ist die aktuelle Entwicklung von Raumanzügen spannend: Was werden künftige Forscher im erdnahen Orbit tragen? Wie werden die ersten Weltraum-Touristen eingekleidet sein? Wie wird der erste Mensch auf dem Mars durch den Staub stapfen?

Kaum eine Umgebung ist so lebensfeindlich wie das Vakuum des Alls – besser, man trägt dort die richtige Ausrüstung.

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