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Leben

Neue Mega-WGs: Die Wohnung teilen statt alleine wohnen

von Carola Franzke

So wird Wohnen in der Stadt bezahlbar: Wohnungen mit Fremden zu teilen ist wieder hochaktuell – und nicht nur was für Hippies und ewige Studenten.

Auf zwei Regalböden stehen jeweils bunt zusammengemixte Teller und Schüsseln.
Küche, Bad und Wohnraum teilen: In alternativen Wohngemeinschaften teilen längst nicht mehr nur Studenten ihre Wohnung – mit Fremden oder Freunden. Foto: CC0: Unsplash/Bro0ke Lark

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum alternative Wohngemeinschaften nicht nur für Studenten interessant sind
  • Welche Vorteile gemeinsam genutzter Wohnraum – gerade in Ballungsräumen – bietet
  • Wie gerade ältere Menschen von dem Prinzip des geteilten Wohnraums profitieren

Nicht nur Studenten teilen die Wohnung

In San Francisco entstehen Wohnheime, die nicht für Studenten gedacht sind, sondern für ganz normale Leute, die bereit sind, sich eine Wohnung zu teilen. In den „Starcity dorms“ wohnt die Mittelschicht der Gesellschaft, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum zunehmend scheitert.

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Für normale amerikanische Verhältnisse ist das fast unvorstellbar – in Einfamilienhäusern ist es gängig, dass zu jedem Schlafzimmer ein eigenes Bad gehört. Die Starcity-Wohnheime vermieten dagegen fast ausschließlich einzelne Zimmer, Küche und Bad sind Gemeinschaftsräume. Das Carsharing ist also schon lange nicht mehr der einzige Bereich, in dem Menschen mit Fremden teilen.

Wohnraum effizienter nutzen

In vielen Großstädten weltweit ist Wohnraum ein knappes Gut – und entsprechend teuer. So finden in vielen Städten Menschen in mehr oder weniger harmonischen Zweckgemeinschaften zusammen – und nutzen Wohnraum gemeinsam effizienter.

Was San Francisco als neues Lebensmodell verkauft, hat in Russland eine gewisse Tradition. Hier gibt es die sogenannten Kommunalkas seit der Revolution. Besonders oft findet man sie noch in St. Petersburg, wo breite Boulevards von den großzügig angelegten Wohnhäusern ehemaliger Adliger und reicher Bürger gesäumt sind.

Während der Oktoberrevolution 1917 enteignet, wurden die Wohnungen zimmerweise an die Bürger der neuen Sowjetrepublik verteilt. Nach dem Motto „Eine Familie, ein Zimmer“ entstanden die Kommunalkas, die Gemeinschaftswohnungen, um Wohnraum effizienter zu nutzen.

Auch in Japan pflegen insbesondere die großen Unternehmen die Tradition der „Company Dorms“, also unternehmenseigene Wohnheime für unverheiratete Angestellte. Kaum irgendwo ist Wohnraum so knapp und teuer wie in Tokio, sodass es für Pendler nicht ungewöhnlich ist, zwei oder drei Stunden täglich zurückzulegen – pro Strecke.

Das System in Japan dient aber nicht nur der Entlastung der Mitarbeiter durch bereitgestellt Schlafsälen. Das gemeinsame Wohnen mit Kollegen soll auch das Zugehörigkeitsgefühl zur „kaisha“, zum Unternehmen, stärken. Das beinhaltet eine ganze Lebenseinstellung – und nicht nur einen nüchternen Arbeitsplatz.

Ein Blick über San Francisco, im Hintergrund ist die Bucht von San Francisco zu sehen.
In San Francisco der neuste Trend: Sich die Wohnung mit Fremden zu teilen wird besonders in teuren Wohngegenden immer beliebter. Foto: CC0: Unsplash/Gordon Mak

Alternative Wohngemeinschaften gegen Einsamkeit

Menschen, die sich auf solche Modelle einlassen, sind oft nicht nur auf der Suche nach günstigem Wohnraum. Viele treibt die Suche nach Sinn und Gesellschaft in alternative Wohngemeinschaften, um nicht allein zu sein oder nicht allein alt zu werden. Ob Alters-WG mit extra Zimmer für die gemeinsame Pflegekraft oder Mehrgenerationen-Haus, alternative Wohngemeinschaften haben viele Formen.

In die Starcity-Wohnheime ziehen die meisten Bewohner zwar aus wirtschaftlichen Gründen. Aber sie berichten auch, dass die Gemeinsamkeit ihre Vorteile hat. So wie die 38jährige Carla Shiver, die neu nach San Francisco gezogen ist und sich erst nicht mit dem Gemeinschaftsbad anfreunden konnte: „Die Räume sahen nett aus, und ich konnte mir kein eigenes Apartment leisten. Inzwischen habe ich hier neue Freunde gefunden.“

Für Singles hat so ein Wohnheim viele Vorteile, denn es ist immer jemand da, der sich kümmert. Mindestens der Gebäudemanager, der unter anderem auch Hundebetreuung und Wäscheservice arrangieren kann, oder eben Medikamente besorgt, wenn jemand krank ist. Das Modell des gemeinsamen Wohnens könnte angesichts der demografischen Entwicklung in den Industrieländern für viele Menschen den Weg aus der Vereinsamung bedeuten.

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