Technik

Mobi-Wize lässt autonome Autos Straßenbelag spüren

von Carola Franzke

Das Start-up Mobi-Wize analysiert Daten aus den vorhandenen Sensoren in autonomen Autos und zieht daraus Rückschlüsse auf den Zustand der Straße.

Nahaufnahme eines Reifens und die Fahrspur, die er auf dem Asphalt hinterlässt.
Rauh, glatt oder uneben: Mobi-Wize lässt autonome Autos die Oberfläche der Straße mithilfe von Sensoren und KI ertasten. Foto: Shutterstock / Yauhen_D

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein israelisches Unternehmen haptisches Fühlen per KI in autonomen Autos installieren möchte
  • Welche Daten Mobi-Wize dafür auswertet
  • Welche ähnlichen Systeme und Technologien bereits versuchen, autonomen Autos Sinneswahrnehmungen beizubringen

Es klingt nach einer guten Idee: Statt weiterer Sensoren, die Kosten verursachen und anfällig für Reparaturen sein könnten, nutzt ein israelisches Start-up die Daten aus bereits vorhandenen Sensoren. Damit geben sie dem Auto sozusagen ein Gefühl dafür, wie die Straße unter den Reifen beschaffen ist.

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Autonome Fahrzeuge sind darauf angewiesen, ihre Umgebung korrekt und in Echtzeit zu erfassen. Sie sind also bis unter das Dach voll mit allen möglichen Sensoren, die Sinneswahrnehmungen ersetzen. Sie können sozusagen "sehen" dank Lidar, Radar und Kameras. Mit Mikrofonen können sie zudem "hören", was um sie herum vorgeht – ob eine Sirene ertönt, Bremsen quietschen oder jemand hupt.

Keine neue Hardware: Mobi-Wize nutzt vorhandene Daten

Mobi-Wize will autonomen Autos nun auch einen Tastsinn verleihen, ohne dafür zusätzliche Hardware einzubauen. Das Unternehmen aus der israelischen Hafenstadt Haifa spricht dabei von "virtuellen Sensoren".

Es handelt sich um einen virtuellen Sensor, integriert in Software. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen nutzen die Daten, die von den vorhandenen Sensoren geliefert werden.

Amit Nisenbaum, CEO von Mobi-Wize

Zu den Daten, die Mobi-Wize verarbeitet, gehören etwa die Geschwindigkeit der Räder, der Neigungsgrad von Gas- und Bremspedal und der Einschlag des Lenkrades. Aus allen Informationen zusammengenommen zieht das System Rückschlüsse auf die Straßenverhältnisse.

Der Ansatz ähnelt bereits vorhandenen Systemen wie der elektronischen Stabilitätskontrolle (ESP) oder der Antriebsschlupfregelung (ASR), auch als Traktionskontrolle bekannt. Im Prinzip verarbeitet Mobi-Wize nur mehr Daten noch schneller. Das System gibt zudem Rückmeldungen an die Fahrzeugelektronik: etwa, wie viel Bremskraft bei Bedarf sinnvoll ist, ohne das Auto ins Schleudern zu bringen.

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Reifen, die die Straße spüren

Das System aus Haifa ist der komplette Gegenentwurf etwa zu den Activalves vom Bostoner Start-up Clear Motion: Das Unternehmen hat technisch hochkomplexe, "intelligente" Stoßdämpfer entwickelt, die den Straßenzustand genau aufzeichnen und in Sekundenbruchteilen jede Unebenheit ausgleichen, ohne dass die Insassen sie spürt.

Auch andere Systeme setzen eher auf mehr Technik als auf weniger – wie Tyrata aus North Carolina oder auch namhafte Hersteller wie Pirelli und Goodyear. Sie alle wollen Sensoren in die Reifen integrieren, die den Zustand von Straße und Reifen überwachen – das autonome Auto den Asphalt also wortwörtlich spüren zu lassen.

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