Leben

Buggy aus Abfall: Mit Plastikmüll und Solarenergie zum Südpol

von Paul Bandelin

Das Projekt Clean2Antarctica will mit einer Südpol-Expedition auf Plastikmüll in der Welt aufmerksam machen. Der Clou: Das Gefährt besteht selbst aus Müll.

Die weißen Weiten der Antarktis.
Die Antarktis, weiße Weiten – ohne den schützenden Antarktis-Vertrag könnte sich das in Zukunft ändern. Foto: Shutterstock / torbik

Das erfahren Sie gleich:

  • Weshalb ein niederländisches Ehepaar mit einem aus Plastikmüll gefertigten Buggy zum Südpol fahren will
  • Wie das Unterfangen mit selbsterzeugter Solarenergie gelingen soll
  • Warum beim Projekt Clean2Antarctica der Antarktis-Vertrag eine entscheidende Rolle spielt

Das Vorhaben der beiden Niederländer Liesbeth und Edwin Ter Velde klingt völlig verrückt: Mit einem aus Plastikmüll selbst gebauten Buggy machen sie sich auf die rund 2400 Kilometer lange Reise zum Südpol – mitten durch die Antarktis.

Anfang August fand die letzte Probefahrt des Solar Voyager an einem niederländischen Nordseestrand statt. Danach ging es per Frachtmaschine Richtung Antarktis. Die Ter Veldes wollen damit vor allem eines: Aufrütteln. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass ein Leben ohne Plastikmüll möglich und zudem notwendig ist, um unseren Planeten vor dem Untergang zu bewahren. Am 26. November startet das Projekt Clean2Antarctica.

Clean2Arctica: Ein Gefährt aus Plastikmüll

Dass aus der anfänglichen Idee, "etwas mit Plastik zu machen", ein Ausflug in die Antarktis würde, hätten sich die beiden nicht träumen lassen. Auch welche Herausforderungen schon in der Vorbereitung auf sie zukommen würden, davon hatten die beiden keine Vorstellung.

"Um sich in der Antarktis zu bewegen, braucht es eine kreative Denkweise. Wie schaffen wir es, uns auf dem Schnee fortzubewegen und uns mit Trinkwasser zu versorgen oder Gletscher zu überqueren? Wie können wir mit dem Mission Control Center kommunizieren?", so Edwin Ter Velde.

Was für uns als ein Rätsel aus Plastik begann, ist nun ein Hightech-Fahrzeug, das für die Antarktis gebaut wurde.

Edwin Ter Velde

Mit Solarenergie durch die Antarktis

Um den Solar Voyager aus Plastik zu bauen, formte das Ehepaar kleine sechseckige Blöcke aus recyceltem Müll, die es als Verkleidung auf dem Gerüst des Buggys anbrachte. Zunächst begannen die beiden mit dem hauseigenen Müll. Später produzierten mehrere 3D-Drucker die von einer Wabe inspirierten Bausteine.

Zusammengebaut besteht der Solar Voyager aus einem vierrädrigen Buggy, der zwei Zweiradanhänger hinter sich herzieht. Für die Räder haben sich die beteiligten Ingenieure etwas Besonderes ausgedacht. Sie sind mit einem speziellen Netz verstärkt, um sich noch besser auf Schnee und Eis fortbewegen zu können. Die Anhänger beherbergen insgesamt zehn beidseitig funktionstüchtige Solarpaneele sowie Nahrung für 47 Tage. Trinkwasser sucht man allerdings vergeblich – dafür will das Ehepaar Eis in solaren Vakuumröhren schmelzen.

Mit einem Gewicht von 1485 Kilogramm ist der Solar Voyager verhältnismäßig leicht, bedenkt man, was die beiden für Hin- und Rückweg an Ausrüstung benötigen. Das insgesamt 16 Meter lange Fahrzeug bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von acht Kilometern pro Stunde über das ewige Eis, unabhängig davon, mit welcher Intensität die Sonne scheint. Fünf Wochen gibt sich das Team, um vom Basiscamp den Südpol zu erreichen. Währenddessen werden sie Temperaturen von -30 Grad Celsius und 24-stündigem Sonnenlicht ausgesetzt sein.

Antarktis-Vertrag schützt den Kontinent

Viele fragen sich, warum die Ter Veldes die Antarktis als Ziel ausgesucht haben – eine lebensfeindliche Gegend, in der Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 200, mitunter sogar 300 Kilometern pro Stunde toben. Die gefühlte Temperatur kann hier auch mal bei -50 Grad Celsius liegen.

Edwin Ter Velde erklärte daraufhin, dass "die Antarktis 90 Prozent des weltweiten Eises beherbergt und niemandem gehört. Aufgrund seines außergewöhnlichen Status und des absoluten Müllverbots ist der Kontinent das perfekte Ziel für eine Unternehmung, die Welt auf das globale Müllproblem aufmerksam zu machen. Zudem wollen wir ein Bewusstsein für den Antarktis-Vertrag schaffen. Wird dieser nicht verlängert, wird der Kontinent 2048 für die kommerzielle Nutzung geöffnet sein."

In der internationalen Übereinkunft wurde 1959 festgelegt, dass die Antarktis ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleibt und etwa der Abbau von Bodenschätzen verboten ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich hier nicht vielleicht ebenso bereits große Mengen an Plastikmüll verbergen – wie eine Studie dies am Nordpol nachwies.

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