Leben

Mit GPS-Halsband gegen Waldbrände: Ziegen als Landschaftspfleger

von Marten Zabel

Ziegen sind perfekte Landschaftspfleger: Sie fressen trockenes Gebüsch und kommen fast überall hin. Das macht sie auch zu effektiven Brandbekämpfern.

Ziegen liegen auf einer Anhöhe im Gras. Die Uni Berkeley setzt sie als Brandbekämpfer ein.
Bergsteiger und Brandbekämpfer: Die Universität Berkeley lässt Ziegen gezielt Brandschneisen fressen. Foto:  Shutterstock / Chiara Zeni Photography

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Ziegen Waldbrände eindämmen können
  • Warum die Tiere für die Landschaftspflege zum Einsatz kommen
  • Wie ein GPS-Halsband beides noch effektiver gestalten könnte

Während der Waldbrände in Kalifornien gab es auf dem Campus der Universität Berkeley überraschende Bilder. Die hauseigene Ziegenherde des Berkeley Lab wurde auf neue Weidegründe getrieben, um bei der Eindämmung des Feuers zu helfen. Denn immer wenn die Waldbrandsaison in Kalifornien im Sommer ansteht, treiben die Pfleger sie auf die Hügel um die Labore der Uni, um möglichen Bränden den Boden vorzubeugen.

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Virtueller Schäfer und unsichtbarer Zaun

Diese brandbekämpfende Landschaftspflege könnte mit einer Entwicklung des norwegischen Start-ups Nofence AS noch besser zum Einsatz kommen. Denn sie haben mit einem GPS-Halsband sozusagen einen virtuellen Schäfer und unsichtbaren Zaun geschaffen.

Ein solarbetriebenes Halsband mit GPS-Empfänger namens Nofence-System gibt dem Trägertier einen leichten Stromschlag, wenn es sich aus einem vordefinierten Bereich heraus bewegt. Schnell lernen Ziegen und andere grasende Tiere, dass sie in diesem Fall lieber umkehren sollten. Mit dieser Technik lässt sich die Herde gezielt einsetzen – auch da, wo ein Schäfer nicht hinkommen würde.

Landschaftspflege per Ziegenherde

Tatsächlich sind die Paarhufer gut darin, Pflanzenbewuchs unter Kontrolle zu halten. Sie können nicht nur brennbares Unterholz in Wäldern so weit ausdünnen, dass sich Feuer dort nur noch schwer ausbreiten kann. Sie sind auch bei der Pflege alter Kulturlandschaften nützlich.

Ziegen erreichen Stellen, an die Menschen nur mit Kletterausrüstung gelangen können und an denen jeder Rasenmäher schlapp machen würde. Steile Felswände sind ebenso kein Problem für sie wie Staudämme oder Bäume.

In Norwegen sollen Ziegen mit den neuen Halsbändern ein UNESCO-Weltnaturerbe vor der Überwucherung retten. Das Dorf Geiranger am gleichnamigen Fjord in der Nähe von Kristiansund hat immer weniger Landwirte, die mit Herden die Gegend bewirtschaften.

Mit Nofence-System, das gerade per Crowdfunding finanziert wurde, würden Ziegen auch ohne Schäfer dafür sorgen, dass die schönen Aussichten nicht zuwachsen. Der Besitzer muss die Tiere nur einmal in ihr Weidegebiet bringen und kann sie danach sich selbst überlassen. Das geht für viele Wochen ohne Aufsicht gut. Die Voraussetzungen dafür sind, dass keine Raubtiere in der Nähe sind und dass das abgesteckte Gebiet groß genug ist.

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Eindämmung von Waldbrand

Die Ziegen von Berkeley sind vor allem für den Brandschutz gefragt. Mit den GPS-Halsbändern ließen sich Schneisen durch das Unterholz auch großflächig planen und über Monate hinweg aufbauen. Gerade Gegenden wie Nationalparks ließen sich so gezielt bearbeiten, ohne dass viele Menschen oder gar Baumaschinen vonnöten wären.

Bauern in ganz Norwegen überlegen indes bereits, die Nofence-Ziegen für die Landschaftspflege zu vermieten. Privatleute mit größeren Ländereien könnten diese so von Unterholz und hohem Gras befreien, ohne dass es Motorenlärm gäbe. Das dürfte den Käufern des Systems auch einen Teil der Sorgen um dessen Finanzierung nehmen. Immerhin kostet das Viererpack der Halsbänder künftig im Handel rund 1550 Euro. Eine ganze Herde auszustatten, wird dementsprechend nicht ganz günstig.

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