Leben

Smarte Klimaanlage: Energiesparen und Wohlfühlen

von Carola Franzke

Was Kritik an der Bauhaus-Ikone Le Corbusier mit Energiesparen zu tun hat: Ein Schritt weg von Standard-Lebenseinheiten und hin zum personalisierten Raum.

Mit der Klimaanlage per Du: Energiesparen und Wohlfühlen
Was für eine schöne Aussicht: Das Smart Home steuert auch die Klimaanlage – und hilft beim Energie sparen. Foto: Unsplash/al ghazali

Das erfahren Sie gleich:

  • Energiesparen und Wohlfühlen passen sehr gut zusammen – dank moderner Sensortechnik
  • Individuelle Einstellungen für moderne Klimaanlagen kommen per App mit persönlichem Tracking
  • Clevere Klimaanlagen: Smart-Home-Systeme steuern auch zuhause nicht nur das Licht

Energiesparen zwischen Forschung und Kunst

Während der Biennale 2014 gab es eine Installation namens „Local Warming“: Gebündelte Infrarotstrahlen erzeugten persönliche Wärmeblasen, die die Besucher mit Hilfe von Bewegungssensoren verfolgten. Aus dem Kunstprojekt wurde nun – in Kooperation mit dem italienischen Architekten Carlo Ratti – eine ganz reale Anwendung: Die personalisierte Klimaanlage. Hierfür flossen ebenfalls Erkenntnisse aus einem MIT-Projekt mit ein.

Öffentliche Gebäuden heizen oder kühlen häufig ins Leere, unabhängig davon, wie viele Menschen sich darin aufhalten.

Im italienischen Turin statteten sie das Gebäude der Agnelli-Stiftung mit einer personalisierbaren Klimasteuerung aus, die langfristig Energie sparen soll. Öffentliche Gebäuden heizen oder kühlen häufig ins Leere, unabhängig davon, wie viele Menschen sich darin aufhalten. Nicht so der Sitz der Agnelli-Stiftung.

Ganz persönliches Klima statt Standardisierung

In den Räumen überwachen Sensoren Temperatur, Helligkeit und die Anzahl der Leute im Raum. Menschen, die in das Gebäude der Stiftung kommen, können ihre Vorlieben im Steuerungsprogramm per Smartphone-App hinterlegen und jederzeit anpassen. Während sie sich im Gebäude aufhalten, verfolgt das System ihre Bewegungen und passt Klima- und Lichtsteuerung entsprechend an. Die Idee dahinter: Zeitgleich ein individuelles Wohlfühlklima erzeugen und Energie sparen. In Simulationen wurde ein mögliches Sparpotential zwischen 25 und 40 Prozent errechnet. Damit möchte Architekt Carlo Ratti der Gleichmacherei von Bauhaus-Ikone Le Corbusier explizit eine Absage erteilen: „Architektur soll wie eine dritte Haut sein, ein unendlich konfigurierbarer Raum, der sich an die Bedürfnisse des Menschen anpasst. Nicht andersherum.“

Eine Behausung kann standardisiert gebaut werden, um die Bedürfnisse eines Standard-Lebens zu erfüllen.

Le Corbusier, einer der bekanntesten Vertreter des Bauhaus-Stils, war geradezu besessen von der Idee, Dinge zu standardisieren und die Funktion in den Mittelpunkt zu stellen. Inspiriert vom pragmatischen Lebensgefühl der Amerikaner und von Henry Fords Ansatz der Massenproduktion schrieb er: „A dwelling can be standardised to meet the needs of men whose lives are standardised“. Sinngemäß heißt das, eine Behausung könne standardisiert gebaut werden, um die Bedürfnisse eines Standard-Lebens zu erfüllen. Entsprechend reduziert und „einfach“ sind die prägenden Elemente des Bauhaus-Stils, häufig dominiert von rohem Beton.

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Smart Home für Klimaanlage und Heizung

Dieser Geist der Standardisierung hat sich bis heute in der Architektur gehalten. Wohnungen haben Standard-Grundrisse, Standard-Ausstattungen und eben auch Standard-Einstellmöglichkeiten für Klimaanlagen und Heizungen. Doch so langsam kündigt sich ein Trendwechsel an. In vielen anderen Lebensbereichen passen wir Dinge an unseren Geschmack an: Turnschuhe, Fahrräder, Handyhüllen, fast alles lässt sich „customized“, also individualisiert, erwerben.

Längst gibt es Heizkörperthermostate, die sich per App von unterwegs oder zuhause per Sprachbefehl steuern lassen.

Nun kann sich zwar nicht jeder ein Haus oder eine Wohnung nach Maß leisten, aber man kann sehr wohl das Vorhandene an den eigenen Lebensstil anpassen. Das gilt im privaten wie im öffentlichen Raum, wenn sich die Erkenntnisse aus Carlo Rattis Projekten bewähren und sich das Energiesparpotential der intelligenten Klimasteuerung in der Praxis nachweisen lässt. Ein klein wenig Carlo-Ratti-Feeling gibt es aber auch fürs Zuhause. Längst gibt es Heizkörperthermostate, die sich per App von unterwegs oder zuhause per Sprachbefehl steuern lassen. Die verschiedenen Smart-Home-Systeme haben alle jeweils solche intelligenten Regler im Programm. Sind mehrere Leute mit unterschiedlichen Bedürfnissen im Raum, bleibt allerdings erst einmal nur, auf die weitere Entwicklung der energiesparenden Zukunft zu warten.

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