Elektromobilität

MIT: Aggressivere KI soll den Spurwechsel beherrschen

von Marten Zabel

Mit einem aggressiveren Fahrstil könnten selbstfahrende Autos den Spurwechsel wie ein Mensch durchführen. Forscher vom MIT arbeiten daran.

Eine achtspurige Straße aus der Vogelperspektive.
Menschen können aggressiv die Spur wechseln – autonome Autos bisher nicht. Foto: Shutterstock / fotogenicstudio

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum der Spurwechsel ein Problem für selbstfahrende Autos ist
  • Weshalb die Software der KI maßvolle Aggressivität lernen muss
  • Wie die autonome Software des MIT menschliche Züge erhält

Der Spurwechsel als Herausforderung für die KI

Selbstfahrende Autos sind die Zukunft der Elektromobilität. Sie erschaffen um sich herum eine Pufferzone, die sie möglichst von anderen Fahrzeugen freizuhalten versuchen. Das wirkt sich auf den Spurwechsel aus, den die Software der KI sehr viel konservativer angehen muss, als ein Mensch.

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Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben jetzt einen Algorithmus entwickelt, mit dem autonome Software etwas aggressiver ausscheren kann. Der Trick: eine variable Pufferzone.

Bisher hat KI mit einem Spurwechsel noch Probleme. Autonome Fahrzeuge halten ihre virtuelle Pufferzone anhand vorausberechneter Parameter relativ groß und fahren so sehr defensiv. Die verschiedenen Möglichkeiten, wie sich andere Verkehrsteilnehmer bewegen könnten, sind fast unendlich zahlreich. Daher lassen sie sich nicht in Echtzeit im Fahrzeug berechnen.

Dieses Problem zu lösen oder zumindest zu umgehen, war das Ziel des Teams vom MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL).

Die Software der KI muss aggressiver werden

Die Forscher wollten, dass ihre Software das Auto so steuert, wie es ein Mensch könnte – und nicht als übermäßig defensiver Verkehrsteilnehmer, der über die Straße schleicht. Dazu muss die KI mit so wenigen Informationen wie möglich eine sichere Entscheidung treffen können, wann sie ausschert.

In der Simulation haben die Entwickler daher die Pufferzone immer dann eingeschränkt, wenn ihre Beachtung zu schlechteren Fahrergebnissen führte, als bei einem Fahrer aus Fleisch und Blut. Die autonome Software lernte so, ihre Pufferzone situationsbedingt zu variieren.

So ließ sich der Faktor der fahrerischen Aggressivität anhand der Aufmerksamkeitsreichweite der Sensoren fließend einstellen. Das ist aber nicht der erste Versuch, dem autonomen Auto menschliche Züge zu verleihen. Vor Kurzem stellte das CSAIL ein System vor, das ein autonomes Auto ohne 3D-Kartendaten steuern soll.

Autonome Software mit menschlichen Zügen

Die Möglichkeit, bei einem autonomen Fahrzeug die Aggressivität hochzufahren, mag zunächst erschreckend klingen, ist aber sinnvoll. Eine zu defensive Fahrweise ist vor allem in Verbindung mit menschlichen Verkehrsteilnehmern nicht nur störend, sondern kann auch gefährlich sein.

Verhält sich das Auto vor einem nicht, wie man es erwartet, führt das zu einer erhöhten Unfallgefahr – entsprechend müssen Software und KI sich auch im Straßenverkehr "menschlicher" verhalten. In der Simulation der Forscher waren die Ergebnisse ihrer Methode jedenfalls vielversprechend.

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Die unterschiedlichen Verhaltensweisen der selbstfahrenden Autos, die bei verschiedenen Aggressivitätseinstellungen zu Tage kommen, würden im richtigen Leben allesamt zu einem besseren Verkehrsfluss führen. Und solange noch Menschen am Steuer am Verkehr teilnehmen, müssen diese der wichtigste Anhaltspunkt dafür sein, wie sich alle Verkehrsteilnehmer verhalten.

Und bis der Computer vollständig übernimmt – und das Lenkrad ausgedient hat – vergeht sicherlich noch viel Zeit.

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