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Elektromobilität

Mietwohnung und Elektroauto: Wie kann das gehen?

von Manuel Berkel

Wer in einer Mietwohnung lebt, muss nicht auf ein Elektroauto verzichten. Doch vor der Installation einer Wallbox gibt es einiges zu beachten.

Mietwohnung und Elektroauto: Wie kann das gehen?
Keine lange Leitung: Da Elektroautobesitzer schlecht ein Kabel von ihrer Mietwohnung bis zum Parkplatz verlegen können, brauchen sie einen festen Stellplatz mit einer Wallbox. Foto: CC0: Unsplash/chuttersnap

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich ein Elektroauto auch bei einer Mietwohnung mit Strom versorgen lässt
  • Warum der Vermieter der Installation einer Wallbox zustimmen muss
  • Warum auch der Arbeitgeber davon profitiert, eine Ladestation für Elektroautos auzustellen

Trotz zum Teil gegenteiliger Auffassungen ist das Ladenetz für Elektroautos in Deutschland bereits auf einem guten Weg. Den knapp 14.500 klassischen Tankstellen stehen mehr als 13.000 öffentliche Ladesäulen gegenüber. Wer in Großstädten oder auf Autobahnen unterwegs ist, findet nahezu immer einen passenden Anschluss.

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Dennoch laden rund 80 Prozent der Nutzer eines Elektroautos ihr Fahrzeug lieber daheim. Oft ist das auch kein Problem, denn wer elektromobil fährt, besitzt meist auch ein Eigenheim. Beim Wohnen zur Miete gestaltet sich das Laden hingegen etwas schwieriger – egal ob auf dem Land oder in der Stadt.

Das Problem beginnt beim Anschluss

Haben Mieter überhaupt eine Chance, einen eigenen Stromer zu fahren? Ein E-Auto ergibt im Zusammenhang mit einer Mietwohnung jedenfalls nur dann Sinn, wenn der Besitzer einen gesicherten Zugang zu einer brauchbaren Steckdose hat. Davon ist Stefan Nakazi von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen überzeugt.

Das heißt: Ein fester Stellplatz ist die erste Voraussetzung – am besten auf einer abgetrennten Parkfläche oder in einer Tiefgarage. Keine gute Idee ist es, ein Ladekabel über einen öffentlichen Gehweg zu legen.

Wenn mal ein Fußgänger darüber stolpert, möchte ich den Versicherungsaufstand nicht erleben.

Stefan Nakazi zu Ladekabeln im öffentlichen Raum

Zum Glück gibt es bereits jetzt bessere Lösungen für genau dieses Problem. Allerdings müssen da die Vermieter mitspielen.

Eine Wallbox sichert höhere Leistung

Am Parkplatz sollte zum Laden eine geeignete Wallbox installiert werden. Von normalen Haushaltssteckdosen raten Verbraucherschützer ab. Schuko-Stecker sind nicht darauf ausgelegt, über längere Zeit hohe Leistungen zu übertragen. Sie erwärmen sich, theoretisch könne es sogar zu Bränden kommen, sagt Nakazi.

Wenn ein Elektriker eine passende Wallbox einbaut, wirft er auch gleich noch ein Auge auf den Zustand der Stromleitungen. Sind die nicht mehr robust genug, verlegt er bis zum Zähler neue Kabel. Wenn dafür Beton aufgebrochen werden muss, kann das allerdings teuer werden. Immerhin: Ein Fünftel der Lohnkosten für den Handwerker können Mieter häufig direkt von der Steuer absetzen.

Moderne Technik hilft beim Regeln der Spannung

Damit die Modernisierung eines Wohnhauses mit Wallboxen möglich ist, muss das vorhandene Stromnetz den zusätzlichen Verbraucher auch verkraften können. Ist das nicht der Fall, kann es in einzelnen Wohnungen oder im gesamten Haus zum Auslösen der Sicherungen kommen.

Die entsprechende Notwendigkeit einer Umrüstung der Technik könnte Hausverwaltern ein Dorn im Auge sein. Dem entgegenwirken soll das Open-Source-Projekt “openWB” des deutschen Informatikers Kevin Wieland. Die Software ist kostenlos und erweiterbar, für die Hardware gibt es Bausätze als Kit ab knapp 400 Euro.

Das System ermittelt den aktuellen Bedarf aller angeschlossenen Geräte und vergleicht ihn mit der maximalen Leistung des Netzes. Kommt es beim Laden eines Elektroautos zu einer potenziellen Überlastung, regelt das Gerät die Ausgangsleistung der Wallbox entsprechend herunter. Das Auto lädt dann zwar langsamer, dafür fliegt keine Sicherung im Haus.

In der Mietwohnung geht ohne Verträge nichts

Auch rechtlich sind solche Installationen bei Mietwohnungen nicht ohne. Einen Anspruch, dass der Vermieter die Arbeiten veranlasst, gibt es nicht, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Und selbst wenn ein Mieter die Kosten übernehmen will, braucht er die Zustimmung des Vermieters.

Fensterfront eines Hochhauses
Dicht an dicht: Damit es später keine Probleme mit Nachmietern oder dem Eigentümer gibt, sollten alle Vereinbarungen zur Installation einer Wallbox schriftlich festgehalten werden. Foto: CC0: Unsplash/chuttersnap

Für den Fall eines Auszugs sollten beide Parteien vorab regeln, dass der Mieter die Elektroinstallationen in dem neuen Zustand belassen kann. Sonst riskiert er, alles auf eigene Kosten wieder zurückbauen zu müssen.

Idealerweise gelingt es dem E-Auto-Besitzer auch noch, sich in dem Vertrag vom Vermieter eine Zahlung für die Wallbox zusichern zu lassen, wenn er auszieht. Schließlich profitiert der Eigentümer von dem höheren Wohnwert.

Öffentliche Ladestation fürs Elektroauto

Doch was, wenn alle Versuche für eine Wallbox an der Mietwohnung scheitern? Alternativen müssen Elektroauto-Enthusiasten genau prüfen. Möglicherweise lässt sich der Arbeitgeber überzeugen, für seine Angestellten Ladestationen aufzustellen. Bis 2020 muss kostenlos überlassener Strom nicht einmal als geldwerter Vorteil versteuert werden.

Für kurze Strecken am Wochenende genügt je nach Batteriekapazität vielleicht schon die öffentliche Ladestation fürs Elektroauto als Versicherung gegen ungewolltes Liegenbleiben.

Ob sich Fahrer komplett auf die vorhandene Infrastruktur verlassen können, hängt stark vom individuellen Bedarf und Angebot ab.

Selbst wenn es in der Nähe Ladestationen fürs Elektroauto gibt, dürfen die nicht gerade dann belegt sein, wenn man sie dringend braucht. Supermärkte mit eigenen Elektro-Säulen zum Beispiel erlauben das Laden häufig nur zu den Öffnungszeiten, und der Effekt solcher Kurzstopps kann ziemlich mager sein.

Fahrzeuge mit geringer Ladeleistung ziehen innerhalb von 20 Minuten nur Strom für etwa acht Kilometer. Teurer als das Anzapfen der heimischen Wallbox ist das öffentliche Laden meist auch.

Updates

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Bei Mehrfamilienhäusern hilft bald die EU

Erst in einigen Jahren wird sich die Situation für Elektromobilität in Mehrfamilienhäusern wahrscheinlich langsam verbessern. Im Bundesrat liegt eine Initiative der Länder Bayern, Hessen und Sachsen. Sie wollen das Mietrecht bundesweit ändern und es Mietern einfacher machen, eine Wallbox auch dann einzubauen, wenn der Vermieter nicht ausdrücklich zustimmt.

Bei größeren Sanierungen und Neubauten will die EU erreichen, dass die Eigentümer von Miethäusern mit mehr als zehn Parkplätzen auf eigene Kosten zumindest Kabel zu sämtlichen Stellplätzen legen lassen.

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