Leben

Microgrid-Technologie könnte Gemeinden energieautark machen

von Paul Bandelin

Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden besagt, dass die Microgrid-Technologie lokale Wirtschaftssysteme bis zu 90 Prozent energieautark machen kann.

Ein Dorf in Deutschland; auf einigen Dächern sind Solarzellen zu sehen.
Dörfer werden unabhängig: Microgrid-Technologie könnte für lokal produzierten Strom sorgen. Foto: Shutterstock / AMzPhoto

Das erfahren Sie gleich:

  • Was Microgridding ist – und warum es Gemeinden zu Selbstversorgern machen könnte
  • Wie sich damit auch der Anteil erneuerbarer Energien steigern ließe
  • Wie die Niederlande so das Pariser Klimaabkommen erfüllen wollen

Microgridding – also ein lokales, autarkes Stromnetzwerk – könnte bei der Energiewende eine entscheidende Rolle spielen. Erst kürzlich stellte der niederländische Ingenieur Florijn de Graaf als Co-Autor in einer Studie fest, dass diese Technologie den Weg ebnen könnte für „100 prozentige Selbstversorgung mit Strom, Wärme und Wasser.“

Die Finanzierung der Studie „New Strategies for Smart Integrated Decentralised Energy Systems“ (SIDE) kommt vom niederländischen Wirtschaftsministerium und der Netherlands Enterprise Agency (Unternehmensagentur der Niederlande). Die Wissenschaftler legen darin dar, wie die Microgrid-Technologie ein lokales Wirtschaftssystem zu 90 Prozent energieautark machen könnte.

Microgrid-Technologie als Autarkiefaktor

Microgridding ist die Nutzung eines lokalen Stromnetzwerkes, das sich unabhängig von oder gemeinsam mit anderen kleinen Stromnetzen betreiben lässt. Die Energie wird dezentral in lokalen Netzen zwischen mehreren Haushalten und Verbrauchspunkten geteilt. Dabei lässt sich jedes noch so kleine Kraftwerk mit eigenen Erzeugungs- und Speicherressourcen als Microgrid bezeichnen.

Die Energie im Microgrid kann aus allen möglichen Quellen kommen: Blockheizkraftwerke, Biogasanlagen, oder aus Windenergie- oder Solaranlagen. Somit ließe sich mit diesem Verfahren dezentral und aus nachhaltigen Quellen sehr viel leichter Strom erzeugen. Dass die Niederlande bei der Entwicklung vorne mit dabei sind, ist kein Zufall. Auch was die Elektromobilität betrifft, ist das Land einer der Vorreiter.

Ein Mann steckt den Stecker seines Elektroautos in eine Haushaltssteckdose.
Wer das Auto bidirektional lädt, kann sein Elektroauto zusätzlich als Energiespeicher nutzen. Foto: Shutterstock / riopatuca

Der Anteil selbstproduzierter erneuerbarer Energien steigt

Die Studie prognostiziert außerdem, dass im Jahr 2050 etwa die Hälfte aller EU-Haushalte erneuerbare Energien selbst produzieren. Davon, so die Studie, wird mehr als ein Drittel an einer lokalen Energiegemeinschaft teilnehmen. Im Endeffekt wird Microgridding das Resultat einer Kombination verschiedener technologischer Trends – beispielsweise Solardächer, Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen – sein.

Im Laufe der Zeit sinken die Kosten und das Bewusstsein für das Klima steigt. Mehr und mehr Menschen werden dann mindestens eine dieser Technologien besitzen.

Florijn de Graaf, Co-Autor der SIDE-Studie

Der derzeitige Umgang mit den Technologien erneuerbarer Energien ist ausbaufähig. An dieser Stelle setzt die SIDE-Studie ein. Das Microgridding verspricht einen intelligenten Weg, verschiedene Technologien miteinander zu kombinieren, sodass der Strombedarf ohne Zusatzkosten jederzeit abgedeckt ist – was das Leben einfacher macht und gleichzeitig die Umwelt schont. In der Garage stehende Elektroautos könnten etwa als Zwischenspeicher fungieren.

Die Integration sollte durch ein intelligentes Managementsystem erfolgen, das Ihr Auto lädt, wenn die Sonne scheint und überschüssigen Strom zur Wärmepumpe Ihres Nachbarn exportiert.

Florijn de Graaf, Co-Autor der SIDE-Studie

Niederlande als Teil des Pariser Klimaabkommens

Die Niederlande haben dem Pariser Klimaabkommen von 2015 zugestimmt und sich verpflichtet, ihren Kohlenstoffdioxidausstoß bis 2050 um 85-90 Prozent zu reduzieren. Schon bis 2030 sollen es 49 Prozent weniger sein.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es eines hohen Aufwandes von allen Seiten. Die Regierung hat sich darüber hinaus verpflichtet, alle fünf Jahre eine Strategie vorzulegen, wie sie diese ambitionierten Ziele erreichen will. Damit reihen sich die Niederlande in Liste von Ländern, die sich für mehr Nachhaltigkeit und die Energiewende einsetzen – wie etwa Irland, das erst vor einigen Monaten seine Divestment-Pläne vorstellte.

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