Leben

Umweltschützer gegen illegale Fischerei: Meeresvögel als Ortungsgeräte

von
Paul Bandelin

Meeresvögel gegen illegale (Langleinen-)Fischerei: Das Biologie-Zentrum CEBC versieht Albatrosse mit Radargeräten, um durch sie die Fischer orten zu können.

Ein Albatros, der über das Meer fliegt.
Um sich selbst und seine Fischereigründe zu retten, muss der Albatros mithelfen: Radargeräte an den Vögeln sollen illegale Fischer aufspüren. Foto: Shutterstock / robert mcgillivray

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Meeresvögel im Indischen Ozean gegen illegale Fischerei vorgehen sollen
  • Wie Radargerät an den Vögeln die betroffenen Schiffe orten sollen
  • Warum besonders die Langleinenfischerei für Fische und Seevögel gefährlich ist

Diomeda exulans heißt die Waffe der Zukunft im Kampf gegen Wilderer auf See. Rücksichtslose Fischer mit industriellen Fangmethoden sind weltweit ein Problem. Besonders in geschützten Meereszonen wie beispielsweise im Süden des Indischen Ozeans geht es ihnen jetzt an den Kragen.

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Mit speziell gefertigten Sendern ausgestattete Albatrosse machen es möglich. Fünf Monatelang sollen diese im Rahmen des Ocean-Sentinel-Projekts an den Tieren angebracht werden. Sollte das funktionieren, werden weitere Versuche vor Hawaii und Neuseeland durchgeführt.

Meeresvögel mit Radar ausgestattet

Bis zu 3,5 Meter misst die Spannweite eines Wanderalbatros – damit ist er der größte flugfähige Vogel der Welt. An diesen Riesenvögeln bringen Forscher des an der französischen Westküste gelegenen Centre d‘etudes biologiques de Chizé (CEBC) die nur etwa 70 Gramm schweren Sender an. In einer ersten Pilotphase erhalten rund 150 der prächtigen Meeresvögel diese Ausstattung, später – je nach Erfolg – noch weitere.

Die Radargeräte übermitteln in Echtzeit den Standort der Albatrosse an das biologische Forschungszentrum, wo die gewonnenen Daten analysiert werden. Der Clou bei der Idee ist, dass Albatrosse sich als Meeresvögel von Fisch ernähren und diesen selbst auf eine Distanz von 30 Kilometer riechen können.

Daraus folgt wiederum, dass sie die Fischfangkutter aufspüren. Besonders im Heckwasser der Boote fällt viel Nahrung für die Tiere ab. Mit der Ortung der Albatrosse können die Biologen dann feststellen, wo sich mit großer Wahrscheinlichkeit Raubfischer aufhalten und illegal die Fanggründe leeren.

Langleinenfischerei ködert Seevögel

Der große Nachteil dabei ist die von den Meereswilderern oftmals praktizierte Langleinenfischerei. Diese – oft bis zu 130 Kilometer langen – Angelschnüre mit ihren Tausenden von Haken und Ködern ziehen die Meeresvögel an und stellen eine ebenso tödliche wie nicht wahrnehmbare Gefahr für sie dar. Albatrosse und andere Seevögel fliegen den Schiffen auf der Suche nach Nahrung hinterher, stürzen sich umgehend auf die Fischstücke, sobald die Leinen ins Wasser gelassen werden und hängen schließlich am Haken – ohne Aussicht auf Rettung.

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Mittlerweile sind bereits 18 der 22 bekannten Albatrosarten vom Aussterben bedroht. Wie viele Meeresvögel jährlich insgesamt aufgrund der Leinen sterben, dazu gibt es keine seriösen Schätzungen. Obgleich das Problem seit Jahren bekannt ist, tun die führenden Fischereinationen wenig bis gar nichts, um das Leben der Vögel zu retten und sie vor dem grausamen Tod des Ertrinkens zu bewahren.

Dass Tiere beim Umwelt- und Artenschutz integriert werden, ist keine neue Idee. So dienen etwa Bienen in Brüssel als Datensammler für die Überwachung der Luftqualität.

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