Leben

Maven bietet Carsharing für Autos von Privatpersonen

von Carsten Fischer

Fahrzeug verleihen und Geld verdienen? In drei US-amerikanischen Städten soll mit Maven eine neue Carsharing-Plattform den Markt erobern.

Blick auf die Zentrale von GM in Detroit: Dort entstand die Idee zu der Carsharing-Plattform Maven.
Maven ist eine Carsharing-Plattform, auf der Privatpersonen ihr Auto verleihen können – und dadurch Geld verdienen. Foto: Shutterstock / sladkozaponi

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie GM mit Maven die Attraktivität für Carsharing steigern will
  • Was Fahrzeugbesitzer davon haben, ihr Auto zu verleihen
  • Warum die Carsharing-Plattform vorerst nicht nach Deutschland kommt
  • Seit wann es Carsharing als alternatives Mobilitätskonzept gibt

Eine gute Stunde verbringt der amerikanische Autofahrer im Durchschnitt täglich in seinem Fahrzeug. Den Rest der Zeit bezahlt er dafür, dass es nutzlos herumsteht – und das, obwohl er mit Carsharing bis zu 500 Dollar im Monat verdienen könnte.

Der US-amerikanische Automobilkonzern General Motors (GM) hatte bereits im Januar 2016 angekündigt, eine eigene Carsharing-Plattform zu realisieren und öffnete das Portal kurz darauf möglichen Interessenten bereits für eine Anmeldung. Der Name der Plattform: Maven.

Was damals schon durch die Medien ging, wird nun Realität: Maven startet zunächst in den Städten Chicago, Detroit und Ann Arbor (Michigan), weitere sollen im Laufe des Jahres folgen. Doch um an dem Service teilzunehmen, muss man einige Bedingungen erfüllen.

Maven verzeichnet bereits 150.000 Anmeldungen

General Motors will mit der Carsharing-Plattform den Besitzern seiner Fahrzeuge sowie interessierten Fahrern die Möglichkeit geben, ein Auto zu teilen. Um Nutzern die Einfachheit zu garantieren, können die beiden Vorgänge "Angebot einstellen" und "Mieten" in einer App abgeschlossen werden.

Wer den Service nutzen will, muss sich allerdings an bestimmte Rahmenbedingungen halten: So dürfen Besitzer ihre Fahrzeuge vorerst nur anbieten, wenn es sich um Chevrolets, Buicks, GMCs oder Cadillacs, also Fahrzeuge von GM, handelt. Zudem müssen die Modelle 2015 oder später gebaut worden sein.

Mieter hingegen überprüft General Motors eingehend, um den Vermietern Sicherheit zu garantieren. Die genutzten Autos sind während der Mietdauer über die GM-Versicherung geschützt, die im Schadensfall eine Summe bis zu einer Million US-Dollar abdeckt.

Maven ist eine Plattform zum Teilen, und wir haben bewiesen, dass Nachfrage besteht.

Julia Steyn, Vizepräsidentin General Motors Urbane Mobilität und Maven

In den vergangenen zwei Jahren haben Besitzer bei Maven rund 150.000 Fahrzeuge, darunter auch einige Trucks, registriert. Bei herkömmlichen Pkw wie etwa dem Chevrolet Cruze empfiehlt der Konzern aus Michigan einen Preis von 7,25 Dollar pro Stunde, was etwa sechs Euro entspricht. 60 Prozent des Preises gehen an den Vermieter, während der Rest in die Kassen von GM fließt.

Die Idee, GM-Fahrer zum Verleihen ihrer Fahrzeuge zu animieren, hat auch für GM einen Vorteil: Nutzer von Maven, die selbst kein Auto besitzen, könnten durch das Fahren und die potenzielle Einnahmequelle eher ein Interesse am Kauf entwickeln.

Export der Carsharing-Plattform nach Europa gestoppt

Maven Peer ist nicht die einzige Form von Carsharing, die General Motors unter dem Label "Maven" anbietet. So bietet der Automobilhersteller auch eine klassische Autovermietung an, bei der Maven-Kunden vergünstigt Autos aus dem GM-Fuhrpark mieten können. Das Besondere daran: Die Mietdauer kann bis zu 28 Tage am Stück betragen.

In Austin, Texas, konzentriert sich GM dabei vollständig auf die Vermietung von Elektroautos. Insgesamt 20 Chevrolet Bolt, hierzulande als Opel Ampera-E vertrieben, sollen dort gleichermaßen Ridesharing und Elektromobilität fördern.

Ursprünglich wollte GM das Konzept auch nach Europa bringen. Weil Opel seit August 2017 aber nicht mehr zu GM, sondern zu dem französischen Autobauer Groupe PSA gehört, wurden die Pläne dafür auf Eis gelegt.

Carsharing hat heute bessere Chancen

GM ist nicht der einzige Autobauer, der sich mit einer derartigen Carsharing-Plattform versucht. Auch BMW bietet seit Kurzem einen ähnlichen Service in Seattle und Portland an: ReachNow heißt er. In Zusammenarbeit mit Uber und Lyft kann sich der Nutzer ein Auto zum Selbstfahren mieten oder einen Wagen mit Fahrer bestellen – je nachdem, ob er selbst fahren möchte oder nicht.

Ihr Auto gehört zu den teuersten Dingen, die Sie besitzen. Es tatenlos herumstehen zu lassen, ist Geldverschwendung.

Julia Steyn

Wie gut die Idee von GM ankommen wird, bleibt abzuwarten. Bedenkt man aber die Tatsache, dass die durchschnittlichen Anschaffungskosten eines Neuwagens 2018 bei rund 34.000 Dollar liegen, ist das eine Menge Geld für ein Fahrzeug, das die meiste Zeit des Tages rumsteht.

In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren hatten sich Carsharing-Dienste aus einer Öko-Bewegung entwickelt, die sich in der Masse aber nicht durchsetzen konnte. Das ProcoTip-System aus Frankreich überdauerte beispielsweise nur zwei Jahre.

Durch die veränderte Lebenseinstellung der Menschen heutzutage, die den Besitz eines Autos nicht mehr als attraktiv erachten und bevorzugt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, stehen die Chancen heute besser, dass solche Modelle Anklang in der Bevölkerung finden.

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