Gesundheit

Mamabird: Drohnen für die medizinische Versorgung in Afrika

von Carsten Fischer

Das von einem Malawier und einem US-Amerikaner gegründete Start-up Mamabird will unter Einsatz von Drohnen die medizinische Versorgung Malawis sicherstellen.

Eine Drohne am Himmel.
Nicht nur technisches Spielzeug: Die Drohne kommt immer mehr bei der medizinischen Versorgung zum Einsatz. Foto: Pixabay/tocris

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie katastrophal die medizinische Versorgung in Malawi ist
  • Wie das Startup Mamabird Medikamente in die Dörfer liefern will
  • Warum Ruanda zum Vorbild für die Medikamenten-Lieferung per Drohne ist

Dramatische medizinische Versorgung in Afrika

In großen Teilen Afrikas ist die medizinische Versorgung nach wie vor katastrophal: Besonders in ländlichen Regionen haben viele Menschen keinen oder nur begrenzten Zugang zu medizinischen Hilfsmitteln. Das wollen der Malawier Eugene Maseya und der US-Amerikaner Thomas Lauzon mit ihrem Unternehmen „Mamabird“ ändern: Eine selbst entwickelten Drohne transportiert Medizin, Impfstoffe und Nahrungsmittel in die vielen entlegenen Regionen des Landes. Auf der re:publica 2018 stellte Mamabird das Konzept vor.

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2015 lernten sich Maseya und Lauzon im Internet kennen – beide interessierten sich für eine Ausschreibung von Unicef. In der hieß es, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wolle unter Einsatz von Drohnen Blutproben auf unterschiedliche Krankenhäuser verteilen. Den Zuschlag für das Projekt bekamen die beiden zwar nicht, hielten aber den Kontakt.

Im darauffolgenden Jahr kam Lauzon erstmals nach Malawi. Die dort herrschenden Zustände schockierten ihn: „20 Menschen teilen sich dort zwei kleine Hütten, die Kinder spielen im Schmutz“, beklagte der Amerikaner.

Zudem hörte er viele Geschichten von Frauen, die ihre Kinder unnötigerweise verloren haben. Die Kindersterblichkeitsrate ist in Malawi immer noch sehr hoch, 2016 starben durchschnittlich 55 von 1000 Kindern noch vor ihrem fünften Lebensjahr.

Lieferung von Medizin per Drohne

Mamabird hat es sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheit der Frauen und ihrer Kinder erheblich zu verbessern: Ihre Drohne soll Medizin und Medikamente zu den Bedürftigen transportieren. Zwischen 60 und 80 Prozent der Bevölkerung leben fernab der Städte in ländlichen Regionen. Der nächste Arzt oder ein Krankenhaus sind oftmals zehn Kilometer oder sogar noch weiter entfernt.

In diesen ländlichen Regionen gibt es weder Autos noch öffentliche Verkehrsmittel oder ein ausgebautes Straßennetz. Ist die Not groß und wird ein Medikament dringend benötigt, müssen die Bewohner die Strecke zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

Darüber hinaus leben viele der Menschen in Malawi unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen, was sich unter anderem in der weltweit höchsten Säuglingssterberate widerspiegelt. Viele der Kinder sind unterernährt und haben nur ein kurzes Leben vor sich.

Frauen sollten neuen Technologien nutzen, um ihre Situation zu verbessern.

Mamabird-Gründer Eugene Maseya in der "Süddeutschen"

Als nächstes wollen Eugene Maseya und Thomas Lauzon die Frauen schulen, die Drohnen selbst zu bedienen. Jedes der Flugobjekte soll per Smartphone oder Tablet steuerbar sein, ein Anleitungsvideo soll das Lernen unterstützen. Laut den Machern soll das Projekt auch junge Mädchen dazu ermutigen, sich in Zukunft mit Technik zu befassen.

Drei verschiedene Pakete sind zu Beginn geplant. Für das „Clean-Birth-Paket“ sind sterilisierte Klingen, Desinfektionsmittel und Medikamente geplant. Das zweite Päckchen soll therapeutische Fertignahrung für die Kalorienzufuhr bei unterernährten Kindern beinhalten, und zu guter Letzt gibt es eine Babybox mit einer Erstausstattung für die Zeit nach der Geburt. Diese soll unter anderem ein Babybett enthalten.

Die beiden Gründer verhandeln derzeit mit Unicef über eine Finanzierung des Projektes. Erste Prototypen sollen noch 2018 in Malawi getestet werden. Der Plan sieht vor, in Zukunft täglich rund 2000 Drohnenflüge stattfinden zu lassen. Bei einem erfolgreichen Start sollen zeitnah weitere afrikanische Länder folgen.

Medizin der Zukunft kommt von oben

Im zentralafrikanischen Ruanda fliegen bereits Drohnen für medizinische Zwecke. Das Land ist infrastrukturell ähnlich schlecht aufgestellt wie Malawi. Seit 2017 transportieren Drohnen des kalifornischen Unternehmens Zipline Blutkonserven durch Ruanda.

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Mit einer Konserve beladen, werden die einzelnen Drohnen per Katapult gestartet und bringen dann innerhalb von maximal 40 Minuten ihre Ladung an das vorgesehene Ziel. Kurz vor der Ankunft erhält die medizinische Station, die das Blut geordert hat, eine Nachricht per SMS. Die Drohne wirft die Ladung ab und kehrt zur Basis zurück: Die Medizin der Zukunft kommt sozusagen von oben.

Auch hier ist ein Ausbau des Projektes derzeit ein großes Thema, eine Ausweitung hängt aber stark von der Rentabilität ab. Schon bald könnte notwendige medizinische Versorgung dann auch die entlegensten Gebiete des Landes erreichen und den Menschen so ein besseres Leben ermöglichen.

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