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Luftverschmutzung: Wie China den Feinstaub bezwingt

von Paul Bandelin

Blick auf die Silhouette von Schanghai
Klare Sicht: In vielen chinesischen Metropolen sanken die Feinstaubwerte beträchtlich. Die Hafenstadt Schanghai hat dafür beispielsweise den Autoverkehr massiv eingeschränkt. Foto: Shutterstock / ymgerman

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie schlimm die Umweltverschmutzung in China noch vor kurzem war
  • Welche Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung China unternommen hat
  • Welche Erfolge China darin erzielt hat, die Umwelt zu schützen

China hat 2014 zum Kampf gegen die Umweltverschmutzung aufgerufen. Die Feinstaubbelastung sank seitdem um 32 Prozent. Wie haben die das gemacht?

Wie schlimm die Umweltverschmutzung in China noch vor kurzem war

Alles begann mit einer einzigen Rede: Am 4. März 2014 hielt der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang vor knapp 3000 Delegaten und vielen Millionen TV-Zuschauern eine Brandrede, die nachhaltig auf das Leben in dem Land wirken sollte. Er gab der Bekämpfung der Luftverschmutzung in China höchste Priorität.

Wie einst der Armut soll nun derLuftverschmutzung in China beigekommen werden. Einer der Hauptauslöser: 2013 gab es 189 Smog-Tage in Peking – Tage, an denen die Bürger quasi nicht vor die Tür gehen konnten.

Folge der Rede: In den letzten vier Jahren fand ein gewaltiger Umschwung statt, der China in ein anderes Licht rückt. Hatte das Reich der Mitte früher das ökonomische Wachstum über die Umwelt gestellt, kam es nun zu einer Prioritätenverschiebung in Richtung Umwelt schützen – und das in Rekordzeit.

Welche Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung China unternommen hat

Am gravierendsten war die schlechte Luft in den Metropolen. Die Mega-Städte Peking, Schanghai und Guangzhou wiesen derart katastrophale Werte auf, dass sie ernsthaft die Gesundheit der Bevölkerung bedrohten.

Der anfängliche Plan war, die Feinstaubbelastung innerhalb von vier Jahren durchschnittlich um zehn Prozent zu verringern – in den erwähnten Städten sogar noch etwas mehr. Peking allein musste eine Minimierung von 25 Prozent vorweisen.

Das landesweite Investitionsvolumen betrug umgerechnet etwa 9,7 Milliarden Euro, um die Ziele zu erreichen. Zu den Maßnahmen der Regierung zählten:

  • ein Verbot neuer Kohlekraftwerke in den bedrohten Regionen
  • die Schließung tausender Fabriken und Kohleminen
  • eine Senkung der Anzahl der Autos in den betroffenen Städten
  • eine Reduzierung der Eisen- und Stahlproduktion

In den gesamten Norden wurden daraufhin Inspekteure entsandt, die auf die Einhaltung der Umweltstandards achten sollen. Bei Verstößen gegen die neuen Gesetze drohten harte Strafen.

Mehrspurige Ausfallstraße in Peking, der Hintergrund ist weiß vor Smog.
Wie Sie sehen, sehen Sie kaum was: Smog über den Straßen von Peking. Foto: Shutterstock/ testing

Welche Erfolge China darin erzielt hat, die Umwelt zu schützen

Einer Studie des amerikanischen Umweltwissenschaftlers Michael Greenstone von der University of Chicago zufolge hat China mit diesen Maßnahmen in den vergangenen vier Jahren beachtliche Erfolge gefeiert.

Zwischen 2013 und 2017 verglich Greenstone regelmäßig die Werte von 200 im ganzen Land verteilten Messstationen und kam zu dem Ergebnis, dass die Feinstaubbelastung im Schnitt um 32 Prozent abgenommen hatte – kein anderes Land kann derartige Fortschritte vorweisen, wenn es darum geht, die Umwelt zu schützen.

Alleine Peking hat den Feinstaub in vier Jahren um 35 Prozent reduziert.

Die beachtlichsten Erfolge feierte das Land tatsächlich in den stark verschmutzten Metropolen. So kam Peking in den vier Jahren auf eine Reduktion des Feinstaubs in Höhe von 35 Prozent. Baoding, die bis dahin schmutzigste Stadt des Landes, kommt sogar auf einen Wert von 38 Prozent.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber keineswegs, dass die Millionenstädte und das Land nun sauber sind und die Luftverschmutzung in China kein Thema mehr ist. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

In einem Vorort Pekings tüfteln Ingenieure derzeit an selbstfahrenden Autos. Bis 2020 sollen in China die Hälfte aller verkauften Neufahrzeuge zumindest teilweise autonom fahren, mithilfe optimierter Routen weniger CO2 ausstoßen und so einen weiteren Schritt in eine grünere Zukunft machen.

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