Elektromobilität

Die gelben Engel erproben das Fliegen: ADAC testet Volocopter in der Stadt

von
Paul Bandelin

Der Volocopter für die Luftrettung: In Bayern und Rheinland-Pfalz testet der ADAC – gemeinsam mit dem DLR und der Uni München – den E-Hubschrauber.

Der ADAC-Volocopter.
Bereit für die Luftrettung: Der ADAC-Volocopter. Foto: ADAC/OlafTiedje

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie der Volocopter in überfüllten Städten die nicht mehr auf Rettungsgassen angewiesen wäre
  • Wie weit der Elektrohubschrauber fliegen kann, bevor er wieder ans Ladekabel muss
  • Wie die Uni München und das DLR die Erprobung für die Luftrettung unterstützen

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) will sich nicht mehr auf eine möglicherweise vorhandene Rettungsgasse verlassen. Dafür prüfen die Gelben Engel in den kommenden Monaten den Einsatz von bemannten Multikoptern. Die Elektroflieger sollen die Verunglückten aus der Luft erreichen und so Zeit sparen. Ist das ein Modell für die Zukunft?

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Volocopter als Notarztzubringer beim ADAC

Das ambitionierte Projekt beginnt mit einer Machbarkeitsstudie in zwei Modellregionen. Im bayerischen Ansbach und Umgebung, sowie in Teilen des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, will die ADAC Luftrettung gGmbH als erste Organisation die Luftrettung per Multikopter proben. In Theorie und Praxis will sie in den kommenden Monaten herausfinden, welche Unterstützung die elektrischen Volocopter des gleichnamigen Unternehmens dem Rettungsdienst bieten können.

Da die maximale Tragkraft derzeit noch bei 160 Kilogramm liegt, steht vorerst eher eine Tätigkeit als Notarztzubringer denn als Rettungswagenersatz im Raum. Wenn zumindest die ärztliche Erstversorgung schneller als mit einem herkömmlichen Rettungswagen an der Unfallstelle sein kann, könnte das so manchem Verunglückten das Leben retten.

Der Volocopter basiert auf einer Technologieplattform, die eine vielseitige und zuverlässige Nutzung als Lufttaxi, Lastdrohne oder bei Rettungseinsätzen erlaubt. Ich glaube fest an das Potenzial für den flächendeckenden Einsatz als Notarztzubringer und freue mich, dass wir dies nun gemeinsam mit der ADAC Luftrettung systematisch validieren.

Florian Reuter, CEO von Volocopter.

Luftrettung mit Elektrohubschrauber in der Stadt

Die Chance, die in der Verwendung der mobilen E-Helikopter liegt, ist groß. Während sich herkömmliche Krankenwagen durch den engen Verkehr quälen und dabei wertvolle Minuten verlieren, wäre es für den Volocopter ein Leichtes, einfach darüber zu fliegen. Der kleine Elektrohubschrauber kann mit bis zu 100 km/h zum Einsatzort fliegen und direkt an der Unfallstelle landen.

Hält er eine konstante Geschwindigkeit von 50 km/h, beträgt die maximale Flugzeit beim derzeitigen technischen Stand 27 Minuten. Somit könnte der Volocopter in einem Radius von rund zwölf Kilometern agieren – genug, um selbst in größeren Städten viele Orte im Umkreis größerer Krankenhäuser zu erreichen.

Zum Vergleich: Die urbane Ost-West-Ausdehnung Berlins von Lichtenberg nach Spandau beträgt beispielsweise etwa 25 Kilometer.

Stau auf einer mehrspurigen Straße.
In verstopften Straßen könnte der Elektrohubschrauber schnell zu einem Einsatz gelangen. Foto: Shutterstock / Michael Gancharuk

Gelänge es den Entwicklern, die Tragkraft des Elektrohubschraubers samt seiner maximalen Reichweite in Zukunft zu erhöhen, wäre nicht nur eine Nutzung als Notarztzubringer vorstellbar, sondern als vollwertiger Krankenwagenersatz.

Uni München und DLR an Machbarkeitsstudie beteiligt

Wie realistisch eine Nutzung wirklich ist und wann die kleinen Elektrohubschrauber in der Praxis zum Einsatz kommen, darüber werden die ersten Forschungsflüge in den benannten Regionen Aufschluss geben. Bis ins Frühjahr 2019 hinein sollen sie stattfinden. Die ersten Resultate zur Wirtschaftlich- und Realisierbarkeit sollen gegen Ende 2019 folgen.

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Darüber hinaus führt die Medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians Universität in München im gleichen Zeitraum Computersimulationen mit dem Volocopter durch. Dabei spielen die Wissenschaftler die möglichen Nutzungsszenarien des Hubschraubers durch. Als weitere wissenschaftliche Begleitung des Projekts fungiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Insgesamt soll die Machbarkeitsstudie anderthalb Jahre laufen.

Einige Hürden liegen noch vor dem Projekt

Was in der Theorie sehr überzeugend klingt, ist in der Praxis allerdings mit einigen Schwierigkeiten verbunden. So benötigen die Piloten für den Mini-Helikopter beispielsweise eine spezielle Ausbildung, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Probleme können darüber hinaus etwa Straßenbahnoberleitungen in einigen Städten darstellen, die die Landung des Elektrohubschraubers signifikant erschweren könnten.

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